Hoffnung in Zeiten der größten Not

Hilfskonvoi: THW-Einheiten aus Hameln, Stadthagen und Wunstorf und Helfer von Interhelp transportieren die Millionen-Spende zu den Kriegsflüchtlingen. Auch in der Linsingen-Kaserne wurde wertvolle Fracht entladen. Die Interhelp-Mitglieder Thomas König und Claudia Behmann sortieren die Spenden.

Hilfskonvoi: THW-Einheiten aus Hameln, Stadthagen und Wunstorf und Helfer von Interhelp transportieren die Millionen-Spende zu den Kriegsflüchtlingen. Auch in der Linsingen-Kaserne wurde wertvolle Fracht entladen. Die Interhelp-Mitglieder Thomas König und Claudia Behmann sortieren die Spenden.

Hameln . Die heimische Hilfsorganisation Interhelp hilft Not leidenden Menschen – in Hameln, im türkisch-irakischen Grenzgebiet und in der Ukraine. Kriegsflüchtlinge, aber auch Obdachlose, erhalten vor dem Winteranfang neue warme Kleidung. „Die Hosen, Jacken, Pullover und Sweatshirts und Schals haben einen Verkaufswert von mehr als einer Million Euro“, sagt Thomas König, Geschäftsführer des Modehauses Kolle, der ehrenamtlich als Fachberater „Textil“ für die gemeinnützige Deutsche Gesellschaft für internationale Hilfe, kurz Interhelp, arbeitet.

Nach seiner Rückkehr aus der krisengeschüttelten Ukraine hatte Interhelp-Vorsitzender Ulrich Behmann den Hamelner Unternehmer gebeten, Kontakt zur Bekleidungsindustrie aufzunehmen und dort zu „betteln“. „Wir haben die qualitativ hochwertige Winterkleidung zwar nicht geschenkt bekommen“, erzählt Spendensammler König. Interhelp habe dafür aber nur eine fünfstellige Summe bezahlen müssen. „Das Geld müssen wir nun sammeln. Jeder Euro zählt.“ Es ist der wohl wertvollste Spendentransport, der Hameln jemals verlassen hat. Eine größere Menge Bekleidung wurde der vom Landkreis Hameln-Pyrmont betriebenen Notunterkunft für Flüchtlinge an der Hamelner Süntelstraße übergeben. Die Spenden sollen dort von Mitarbeitern des Roten Kreuzes und mit Unterstützung von ehrenamtlichen Interhelp-Helfern an Schutzsuchende verteilt werden. Mit einem 40-Tonnen-Lastzug gehen zudem 21 Paletten voll mit Damen- und Herrenbekleidung nach Irpin in der Ukraine, wo bereits 6000 Bürgerkriegsflüchtlinge, die vor den Kämpfen in Donezk und Lugansk geflohen waren, auf die Spenden warten. Etwa die Hälfte der Ladung war von Hameln-Pyrmontern gespendet und vom ukrainischen Freundeskreis unter Leitung des Interhelpers Dr. Burkhard Kirchhoff an mehreren Wochenenden im Mütterzentrum verpackt worden. „Wir sind den Deutschen ja so dankbar, dass sie uns helfen. Sie schenken uns nicht nur Hilfsgüter, sondern auch Hoffnung in Zeiten größter Not“, sagt Nadja Filimonova aus Irpin. Häftlinge der Jugendanstalt Hameln helfen Interhelp – innerhalb der Gefängnismauern und erstmals auch außerhalb – beim Verpacken und Sortieren der Hilfsgüter. Sozialamtsrat Dietmar Müller hatte das Pilotprojekt angestoßen. „Häftlinge haben den Wunsch geäußert, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Dieses Engagement wollten wir unterstützen. In Interhelp haben wir vor Ort den richtigen Partner dafür gefunden.“ Schon mehrfach habe die Justiz im Zuge weltweiter Katastropheneinsätze mit den ehrenamtlichen Hamelner Helfern erfolgreich zusammengearbeitet, erzählt Müller. „Wir wollen das unbedingt beibehalten, erhalten durch Vorträge der Interhelper ein Feedback. Das ist sehr wichtig für unsere Insassen. Für ihr Engagement, sich für Schwache einzusetzen, erfahren sie Anerkennung.“

Eine weitere Lkw-Ladung geht nach Diyarbakir, wo Tausende Kurden, die vor dem Terror des IS geflüchtet sind, in der Zeltstadt Fldanlik hausen. Diesen Hilfstransport führt Interhelp gemeinsam mit dem Bündnis der ezidischen Jugend durch. Deren Mitglied Cem Kaska aus Hameln sagt, er sei „überglücklich“. Gerade jetzt, wo der Winter an der türkisch-irakischen Grenze naht, wird diese Kleidung ganz dringend benötigt. Mehr noch: „Sie ist überlebenswichtig.“

Einen Teil der Kleidung brachte Interhelp-Vize Reinhold Klostermann ins Hamelner Café Inkognito – dort ist gerade die Kleiderkammer leer, kam die Spende wie gerufen. Die Ware ist für Obdachlose und Suchtkranke bestimmt. Im Senior-Schläger-Haus war die Kleiderspende nicht benötigt worden.

„Ohne das Technische Hilfswerk hätten wir es nicht geschafft“, sagt Interhelp-Schirmherr Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe. Interhelp helfe allen Menschen in Not – vor der eigenen Haustür und in aller Welt. Dabei spiele Hautfarbe oder Religion keine Rolle, betont Behmann. „Wir unterstützen Sunniten, Schiiten, Eziden, Aleviten, Hindus, Buddhisten, Christen und Atheisten, bevorzugen keinen und sind neutral. Wichtig ist doch nur, einem Notleidenden die Hand zu reichen.“

Wer die Helfer unterstützen möchte, findet unter www.interhelp.info Fördermitgliedsanträge und Spendenkonten.