648 Bürger dürfen Sonntag wählen

Hameln (bha). Wahl? Schon wieder? Ja, am Sonntag, 19. Februar, können 648 Hamelner aus der Nordstadt noch einmal wählen, wen sie im Stadtrat sehen wollen. Wichtigste Frage, die sich jetzt stellt: Was können die 648 Wähler ausrichten, wie kann sich die Zusammensetzung im Rat verändern?

Grund für die Wiederholung im Wahlbezirk 30 ist die Panne am 11. September des vergangenen Jahres, bei der Wahlzettel aus dem Wahlbereich 5 fälschlicherweise im Wahlbereich 3 gelandet waren. Auf den Wahlzetteln des WB 5 war die AfD nicht vertreten – im WB 3 stand sie jedoch zur Wahl. 66 Wähler stimmten auf den falschen Zetteln ab, bis der Fehler bemerkt wurde, und konnten somit kein Kreuz bei der AfD machen.

Die Verwaltung hatte aus diesem Anlass ein Rechenexempel gestartet, um mögliche Konsequenzen aufzuzeigen. Danach hätte es, wenn denn die richtigen Stimmzettel ausgegeben worden wären, eine Verschiebung im Rat zugunsten der AfD und zulasten der UFB Hameln geben können. So hat die Stadt gerechnet: Wenn von den maximal möglichen Stimmen (198) auf den 66 Stimmzetteln mindestens 108 auf die AfD entfallen wären, hätte die AfD einen weiteren Sitz im Rat erhalten. Die UFB Hameln hätte ihren Sitz verloren. „Dass 36 von den 66 Wählern jeweils ihre gesamten drei Stimmen der AfD gegeben hätten, womit die rechnerisch notwendigen 108 Stimmen erreicht wären, ist nicht nur eine theoretische, sondern eine konkrete Möglichkeit mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit“, hatte die Verwaltung gegenüber dem Rat erklärt. Diese Berechnungen gelten noch immer.

Betrachtet man nur die 66 ungültigen Stimmzettel, die bis 10.30 Uhr im Wahlbezirk 30 abgegeben worden waren, hätte es zu keiner anderen Verschiebung führen können – „selbst wenn alle möglichen Stimmen auf eine der anderen Parteien entfallen wären“. Wie nun aber die Gesamtheit der Wähler mit ihren 1944 Stimmen am Sonntag entscheiden wird – ob es sich einige Wähler neu überlegen oder ob tatsächlich alle 66 Männer und Frauen, die auf den falschen Zetteln gewählt haben, wieder wählen gehen –, ist völlig ungewiss. Rein theoretisch, so die Aussage des Wahlleiters Dieter Schur, ist noch Folgendes denkbar: Wenn alle (!) Stimmen auf nur eine einzige der großen Parteien entfielen, dann könnten sich andere Sitzverteilungen im Rat ergeben. Und wenn ein Kandidat sehr viele Stimmen erhielte, könnte es zu innerparteilichen Verschiebungen kommen, sprich: Einer muss den Rat verlassen, ein anderer kommt an dessen Stelle rein. Ab welcher Anzahl der Stimmen das möglich wäre? „Wir haben das nicht durchgerechnet“, sagt Dieter Schur. Für die AfD gilt: Selbst wenn die Partei alle 1944 Stimmen erhielte, würde sie nur einen weiteren Sitz erhalten – weil nicht mehr Kandidaten zur Verfügung stehen.

Als Wahlleiter ist es nicht seine Aufgabe, politisch zu werden, doch ein Kommentar kommt Dieter Schur über die Lippen: „Es wurden erst zwölf Briefwahlunterlagen beantragt.“ Sehr wenige. Sieben Unterlagen seien zurückgekommen, lediglich ein Wähler habe von dem extra eingerichteten Briefwahlbüro im Rathaus Gebrauch gemacht. Das deutet auf eine extrem niedrige Wahlbeteiligung hin.

Sonntag sind 648 Wahlberechtigte des Wahlbezirks 30 in der Nordstadt erneut aufgerufen, zu wählen. Betroffen sind Anwohner der Straßen Brahmsweg, Eckermannstraße, Fahlte, Ilphulweg, Jagauweg, Jahnstraße, Johann-Sebastian-Bach-Straße, Kleiststraße, Lessingstraße, Lohmannstraße, Pestalozzistraße, Reitkamp, Schillerstraße und Schubertstraße. Von 8 bis 18 Uhr hat das Wahlbüro in der Pestalozzi-Schule geöffnet.