Wertschätzung darf nicht ausbleiben

Hameln (mes). „In der Bestattung hat sich in den vergangenen Jahren unglaublich viel bewegt – wir erleben einen Kultur- und Wertewandel. Das spiegelt sich auch auf den Friedhöfen in Hameln wider.

Vor 20 Jahren wünschten noch 87 Prozent der Deutschen die Beisetzung in einem Erd- oder Urnengrab, neun Jahre später waren es nur noch 51 Prozent. „Heute liegt die Zahl der Feuerbestattungen schon bei über 50 Prozent und die Zahl der kirchlich Bestatteten ging in der evangelischen Kirche in den letzten 25 Jahren um 20 auf 70 Prozent zurück“, sagt Landeskirchenrat Pfarrer Eckart Schwab. Die katholische Kirche erlaubt Feuerbestattungen erst seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Bestattungen unter einem Baum machen bereits fünf Prozent aus.

In Hameln ist das Verhältnis von Urnenbeisetzungen zu Erdbestattungen mit 71 zu 29 Prozent ähnlich wie in den Vorjahren. Die Zahl der Bestattungen und Beisetzungen ist von 602 im Jahr 2014 deutlich gesunken auf 576 im Jahr 2015. Die Bestattungskosten spielen oft eine wichtige Rolle. Viele Hinterbliebene könnten in einer älter werdenden Gesellschaft die Grabstelle ihrer Eltern kaum mehr selbst pflegen und für die externe Grabpflege fehle das Geld.

Sorgen bereitet dem Kirchenrat, dass die Bestattungen zunehmend anonym vonstattengehen. „Viele sterben einsam und die Gemeinde erfährt es erst nach der Beerdigung“, klagt er. Immer öfter werde auf einen Grabstein verzichtet, unter anderem, um den Angehörigen Kosten zu ersparen. Dabei wüsten viele gar nicht, wie schwer sich ihre Angehörigen mit solchen Entscheidungen tun, zum Beispiel, wenn sie auf eine Trauerfeier verzichten. Man verwehre den Hinterbliebenen damit einen Ort für Abschied und Trauer. Dabei bleibe auch die Wertschätzung für den Toten selbst auf der Strecke. Die Kirche achte jedoch darauf, dass die Menschenwürde eingehalten werde, auch für die, die nicht kirchlich bestattet werden.