Geschichten von Flucht und Hoffnung

Bad Pyrmont (mes). Willkommen in Bad Pyrmont! Diese herzliche Begrüßung ist auch der Titel einer neuen Ausstellung, die ab übermorgen in den Schaufenstern der Geschäfte an der Brunnenstraße zu sehen sein wird. Bis zum 9. Juli werden 18 Tafeln gezeigt, auf denen Flüchtlinge Geschichten von Angst und Flucht, aber auch von Hoffnung, Perspektiven und einem Neuanfang in Bad Pyrmont erzählen.

Dieses Projekt vom „Ver-rückten Leben“, dem inklusiven Kulturprojekt des Vereins „Inklusives Netzwerk Bad Pyrmont e.V.“, ist gemeinsam mit dem Berufsförderungswerk Bad Pyrmont (Bfw) entwickelt worden. Unterstützt und realisiert wird die Ausstellung nicht nur vom Bfw, sondern auch von der AIBP, den Jugend-Migrations-Diensten, dem „Netzwerk Flüchtlingshilfe“ und der heimischen Werbegemeinschaft. Die Ausstellung wird gefördert vom Lions Club Bad Pyrmont.

Wer sich die Tafeln anschaut, der wird zum Beispiel auf Safiullah Rahimi treffen. Der 27-Jährige wurde in Afghanistan geboren, studierte dort Bauingenieur, doch politische Strukturen zwangen ihn, in den Iran zu flüchten. Auch hier waren die Lebensbedingungen katastrophal, weshalb er viel Geld zahlte um über das Mittelmeer nach Griechenland zu gelangen. 2015 gelangte er schließlich nach München, lebt seit Anfang 2016 in Bad Pyrmont.

Auch Tuba und Lida Tafari erzählen von ihrem Schicksal. Muter und Tochter flohen auch nach Europa und kamen 2015 in Deutschland an. Ein Jahr später fühlt sich die Familie in Bad Pyrmont gut aufgenommen.

Doch nicht nur die jüngste Geschichte spiegelt sich in der Ausstellung wider. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Millionen Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit aus ihrer Heimat vertrieben. So auch Reinhard Scholz. Der aus Schlesien stammende Koch und seine Familie sind mittlerweile angesehene Bürger Bad Pyrmonts.

Weiterer Zeitsprung: In der Zeit des Wirtschaftswunders kamen von 1959 bis 1973 etwa 14 Millionen Menschen nach Deutschland, Gastarbeiter aus den Mittelmeerländern wurden angeworben. Dazu zählte auch Graziella Boaro-Titze. 1976 kam sie aus der Provinz Treviso nach Hameln, weil sie sich auf ein Stellenangebot einer Eisdiele beworben hatte. Ausgebildet als Lehrerin hatte sie damals keine Chancen auf eine feste Stelle in ihrer Heimat. Seit damals ist viel geschehen; heute ist die 65-Jährige ein prägender Mensch der Kurstadt.

Vielfältig engagiert in Bad Pyrmont ist auch das Ehepaar Naimark, das 1994 in die Kurstadt kam. Jüdische Immigranten reisten in den 1990er-Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Sie zählten zu einer Gruppe von Kontingentflüchtlingen, über die im Rahmen einer humanitären Hilfsaktion verhandelt wurde. Natalia Uskova, Tochter der Naimarks, kam 1999 mit ihrer Tochter aus Wladimir nach Bad Pyrmont. Heute besitzt die 49-jährige Schneiderin ein erfolgreiches Änderungsatelier an der Oesdorfer Kirche.

Die Ausstellung erzählt von all diesen und weiteren Schicksalen. Gastarbeiter, Heimatvertriebene, Flüchtlinge – sie alle kommen zu Wort. Bürgermeister Klaus Blome wird die Ausstellung Freitag, 19. Mai, um 17 Uhr im Rathaus Bad Pyrmont eröffnen.