Wagemutig in die neue Theatersaison

Hameln (mes). „Kultur ist: zu wagen. Lesen zu wagen, zu wagen, an eine eigene Ansicht zu glauben, sich zu äußern wagen“ – mit diesem Zitat aus den Notizbüchern des Schriftstellers, Malers und Filmemachers Peter Weiss eröffnete Theaterdirektor Wolfgang Haendeler das Pressegespräch zur Vorstellung der Spielzeit 2017/18. Was wagt also das Theater Hameln? Nach dem „Auswärtsspiel“, also dem Auszug des Theaters an allerlei andere Spielorte in Hameln von September bis Dezember aus Gründen der Umbaumaßnahme im Theater selbst (wir berichteten) wagen Haendeler und sein Team vor allem inhaltlich so einiges. Da geht es zum Beispiel um Rassismus, Terrorismus, Homophobie. „Das Wagnis zieht sich durch verschiedene Bereiche, viele Stücke beziehen sich auf gesellschaftlichen Diskurs“, so der Direktor.

Und so vertreten „starke Stücke“ eine „eigene Ansicht“ und beziehen klar Stellung. Sie sagen „ja“ zum Mahnen und Erinnern an Kriege und Revolutionen – zum Beispiel das Schauspiel „Des Teufels General“ am 5. Februar oder das Rechercheprojekt „Feuer aus den Kesseln“ am 18. März. Sie sagen „nein“ zu Rechtsradikalismus und Antisemitismus, zu Homophobie und islamistischem Terrorismus – wie das Schauspiel „Schwarze Schocker“ am 27. Februar, die Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“ am 11. März oder das Schauspiel „Undercover Dschihadistin“ am 19. Januar.

Gerade in Hameln sei es aber nach Haendeler auch wichtig, an Sagen, Märchen und Mythen anzuknüpfen. Dem trägt die kommende Spielzeit Rechnung mit mehreren Inszenierungen. Freuen darf sich das Publikum beispielsweise auf das Musical „Ab in den Wald (Into the Woods)“. Hier wage man ein Experiment, läuft das Stück doch gleich an drei Terminen: am 4., 5. und 6. April. Weiterer Märchenstoff ist auch in der Reihe „Tanztheatertage“ zu finden.

Das Programm beinhaltet natürlich auch jede Menge Entertainment. Das Ohnsorg-Theater ist am 21. Januar mit der Komödie „Landeier – Bauer sucht Frau“ zu Gast (hier führt übrigens Sandra Keck Regie), amüsant wird es auch mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ am 4. März. Dazu gesellen sich der Musical-Klassiker „Footloose“ am 14. April und die Komödie „Cyrano de Bergerac“ am 4. Mai. Einen ganz anderen Theaterbereich bedienen wiederum „Elbtonal Percussion“ mit ihrem kreativen Crossover aus Klassik, Jazz und Weltmusik am 23. Mai.

Auch weiterhin stellt das Kinder- und Jugendtheater einen Schwerpunkt dar, ergänzt Dramaturgin Ilka Voß. Auch hier stehe Gesellschaftspolitik im Vordergrund. Den Auftakt macht ein dreisprachiges Stück über Unterschiede und Gemeinsamkeiten: „Ali Bey und Mr. Allen“ am 14. und 15. Januar richtet sich an Kinder ab sechs Jahre. „König und König“ am 11. und 12. Februar behandelt die Themen Freundschaft und Toleranz und ist laut Ilka Voß ganz „zauberhaft“.

Dies soll nur ein kleiner Einblick in die kommende Spielzeit sein. Wer neugierig geworden ist: Die neuen Hefte wird es ab Montag, 29. Mai, geben, der Vorverkauf für Abonnenten startet Ende Juni, der freie Verkauf am 1. August. Neu ist übrigens eine Kinoreihe in Kooperation mit der Sumpfblume und erstmals wird auch ein großes und ein kleines Musical-Paket angeboten.