Eine Frage der Ähre

Weserbergland (ey). Es ist kein grundsätzliches bäuerliches Wehklagen, das zurzeit im Weserbergland zu hören ist, sondern in der Tat ein Wettrennen gegen die Zeit. Denn solange es regnet, solange Schauer über die Felder ziehen und Sonne und Wind nicht ausreichend sind, um das Korn zu trocknen, „werden wir mit hohen Einbußen bei der Weizenernte zu rechnen haben“, sagt Kreislandwirt Karl-Friedrich Meyer. Heißt de facto: Aus Weizen für Brot und Kuchen wird unter Umständen nur Futtergetreide.

Unverändert ist die Situation seit etwa drei Wochen. „Wir brauchen Sonne und Wind, damit das Korn trocknet“, sagt der Kreislandwirt. Doch Petrus durchkreuzt die Wünsche der Landwirte immer wieder mit heftigen Schauern und also neuer Feuchte. Das geht so weit, dass Teile von Äckern noch nicht einmal befahrbar sind, weil die schweren Maschinen im aufgeweichten Boden einsinken. Ernte unmöglich. Und überhaupt ist die Sachlage schwierig. Die Crux: Der Weizen liegt zum großen Teil nieder; die Bauern sprechen in diesem Fall von „Lagergetreide“. Grund ist die darin enthaltene Feuchtigkeit, die ihn zu Boden zieht, die Ähren sind schwer. „Ein Teil wird dadurch von den Dreschern nicht erfasst, und selbst wenn wir ernten, ist das Getreide feucht und muss im Nachhinein getrocknet werden“, erklärt Karl-Friedrich Meyer. Die Folge: Kostensteigerungen für Landwirte. Große Höfe haben eigene Anlagen, andere wiederum lassen ihre Ernte zum Beispiel bei Genossenschaften trocknen.

Insgesamt also ein durchwachsenes Jahr für die Weizenernte. „Wir können auch nicht noch viel länger warten, denn der Weizen reift nach und nach aus. Irgendwann hat er die Backeigenschaften verloren und kann nicht mehr für Mehl verwendet werden“, sagt Karl-Friedrich Meyer. Dann werde er ans Vieh verfüttert.

Das Problem ist aufs Weserbergland bezogen größer, als viele Verbraucher vermuten. 50 Prozent der Ackerfläche stehen unter Weizen! Die Ernte in diesem Jahr wird weitaus kleiner und schlechter ausfallen. Marktbeobachter vermuten steigende Preise für Brot, Brötchen und Co. Der Kreislandwirt warnt indes vor Panikmache: „Der Preisanteil des Rohstoffs Weizen in den verschiedensten Backprodukten liegt bei etwa einem Prozent. Wird also der Weizen teurer, muss das noch lange keine Preissteigerung fürs Endprodukt bedeuten.“

Jetzt heißt es, den Landwirten Glück – also Sonne und Wind – zu wünschen, damit ihre Misere nicht in allzu große Kosten ausufert. Dass der Juli übrigens ein eher feuchter Sommermonat ist, sei laut Meyer völlig normal, „nur waren die beiden Tage des 24. und 25. Juli mit 160 Litern Niederschlag pro Quadratmeter viel zu viel; die Folgen spüren wir noch jetzt.“ Auf Mais und Rüben bezogen war das viele Nass jedoch wiederum ein Segen. Wenn sich das Wetter normalisiere, könnten diese Feldfrüchte durchaus davon profitieren. Erst mal nur ein schwacher Trost.