„Sspassiba! Schön war es bei euch“

Hameln (sto). Jeden Sommer gehört der Jugendzeltplatz „Tönebön-Camp“ für zwei Wochen einigen Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Betreuern aus der russischen Stadt Brjansk. Sie kommen aus verschiedenen Einrichtungen – auch Waisenkinder, Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen und Kinder, die sich nach einer schweren Erkrankung in der Reha-Phase befinden, gehören dazu. Viele von ihnen lernen sich erst auf der 2200 Kilometer langen Busreise von Brjansk nach Hameln kennen. Haben sie dann ihre Zelte und Blockhütten bezogen und ihr Gepäck ausgepackt, werden die im Bus geknüpften Kontakte bei vielen Aktionen und gemeinsamen Mahlzeiten intensiviert. So auch in diesem Jahr. Elf Tage waren sie da, die 35 Kinder aus Brjansk. Am vergangenen Freitag haben sie und ihre Betreuer die Heimreise angetreten – mit viel Wehmut und großem Abschiedsschmerz.

„Sspassiba! Schön war es bei euch“, sagen sie, umarmen ihre deutschen Freunde und steigen ein in den Bus. Manche weinen ein bisschen. Ob sie im nächsten Jahr wohl auch wieder dabei sein werden, wissen sie nicht. Fest aber steht, dass sie das „Abenteuer Hameln“ nie vergessen werden. Sspassiba heißt „Danke“, und Danke sagen auch die Erwachsenen, von denen die Kinder begleitet werden. Dann ist es so weit – ein letztes Winken, und der Bus startet. Nun haben die Brjansker genügend Zeit, an die schönen Tage in Hameln zu denken. Beispielsweise an die Kanutour auf der Weser, an erste Reitversuche in der Reitschule von Doro von Saldern in Dörpe, an die „Sambesi-Bootsfahrt“ im Zoo Hannover, an die Ausflüge in den Harz und nach Hannover oder an das Nähen von Puppen, für das die Hamelner Puppenwerkstatt „Kassiopeia“ das Material gespendet hatte. Spaß hat aber auch das Baden im Südbad gemacht. Oder der Empfang im Rathaus mit Bürgermeister Thomas Meyer-Hermann, der mit seiner imposanten Amtskette für etliche Fotoaufnahmen posieren musste. Ein besonderes Highlight war der Besuch im Rasti-Land, der von den Betreibern des Freizeitparks großzügig unterstützt worden war. Bemerkenswert: Auch die beiden auf einen Rollstuhl angewiesenen Jugendlichen bestanden auf der rasanten Fahrt in der Achterbahn oder im „Freifallturm“ – beherzt begleitet von ihren Müttern. Auch Maxim, ein 13-jähriger blinder Junge, ließ sich das temporeiche Abenteuer nicht ausreden.

Höhepunkt des Aufenthalts der russischen Kinder war auch diesmal der „Tag der offenen Tür“ im Camp. Ein buntes Programm sorgte für Spiel und Spaß bei Alt und Jung. Es gab einen Sponsorenlauf, Auftritte der Kinder aus Brjansk, ein Konzert des Shanty-Chores Bisperode, die Erkundung des „Jägermobils“ der Kreisjägerschaft sowie Malaktionen mit den Künstlern Renate Seehafer und Gunther Zahn, um nur einiges zu nennen.

Den Fußball mit den Original-Unterschriften der Spieler von Hannover 96, den Gerhard Paschwitz „amerikanisch“ für 218,96 Euro versteigert hatte, gewann Lothar Meyer aus Hameln. „Viele ehrenamtliche Helfer und viele Sponsoren haben zu dem Aufenthalt der Brjansker und zu dem guten Gelingen des Tages der offenen Tür beigetragen“, bedankte sich Wilfried Schwark. Einen besonderen Dank richtete der Vereinsvorsitzende an das Vereinsmitglied Josef Komarek, der anlässlich seines 91. Geburtstages auf Geschenke verzichtet und stattdessen Geld gesammelt hatte für den Aufenthalt der Kinder aus Brjansk.