Wann kommen Zahlen auf den Tisch?

Bad Pyrmont (jl). Seit zehn Monaten ist die neue Bad Freienwalder Brücke befahrbar. Vergangenen Donnerstag hat sie nun auch noch einen Mittelstreifen bekommen. Eine Spezialfirma trug den Strich mit dicker weißer Farbe samt aufgestreuten fluoreszierenden Glaskügelchen auf.

Eine Frage ist allerdings noch immer offen: Was kostet der Brückenneubau denn nun? Die Antwort sollte es ursprünglich schon Ende Mai geben. Doch da musste Hans-Joachim Böhnke, Leiter des städtischen Fachgebiets Bauverwaltung und Technische Dienste, im Bauausschuss einräumen: „Die Schlussrechnung liegt immer noch nicht vor.“ Die Baufirma Becker, an die der Neubau-Auftrag gegangen war, hatte die Arbeiten nicht komplett selbst erledigt. Vielmehr spannte sie zwei Subunternehmen ein: für die historisch anmutende Verblendung der Brücke die auf Denkmalrestaurierungen spezialisierte Firma Wibbeke aus Geseke und für den Straßenbau der multinationalen Konzern Eurovia, eine Tochter des französischen Vinci-Konzerns. Die Subunternehmer schicken ihre Rechnungen in der Regel dem Hauptauftragnehmer. Der leitet dann alles zusammen an den Auftraggeber weiter. Im Fall der Brücke werden die Rechnungen nun von den Ingenieurbüros geprüft, an die die Stadt Brückenplanung und Bauaufsicht delegiert hatte.

Was die Angelegenheit im speziellen Fall die Länge gezogen haben dürfte: Die Baufirma Becker hat zwischendrin den Besitzer gewechselt. Sie wurde von der größeren Depenbrock-Gruppe aufgekauft. Die zu Jahresbeginn erfolgte Übernahme hatten die neuen Eigentümer im April auf ihrer Internetseite vermeldet. In der Folge werden die Unternehmen wohl vorrangig mit sich selbst beschäftigt gewesen sein. Jedenfalls habe vonseiten der Baufirma eine Weile Funkstille geherrscht, bestätigt Böhnke.

Doch noch in diesem Monat dürfte die große Preisfrage beantwortet werden: „Am 19. Oktober sollen die Ingenieure der Planungsbüros Richter und grbv im Bauausschuss öffentlich vortragen“, stellt der Bauverwaltungsamtschef in Aussicht.

Nicht auszuschließen, dass das aufwendige Bauwerk noch etwas kostspieliger werden könnte als 4,65 Millionen Euro. Diese Zahl war im März unter Berufung auf das Bauunternehmen und die beiden Planungsbüros genannt worden. Weitere sechs Monate vorher, im September 2016, war man im Rathaus allerdings noch von 4,13 Millionen ausgegangen. Und Ende 2012 hatten die „Löwe-Planer“ die Kosten für ihre damals aktuelle Bauvariante auf rund 1,7 Millionen Euro geschätzt – wenn auch ohne Wasserleitungs-Umlegungen und Straßenbau.

Als Posten für mögliche Mehrkosten hatte Böhnke mit Blick auf Hinweise des Bauunternehmens schon Ende Mai den Straßenbau und die Natursteinarbeiten genannt. Den aufgrund der guten Baukonjunktur anziehenden Preisen schreibt er die „nicht unrealistischen“ Mehrkosten allerdings nicht zu: „Die können nur aus der Bautätigkeit heraus resultieren.“

Ein im März bekanntgewordener Riss in einem Betonteil unter der Fahrbahn ist inzwischen verfüllt. „Das war den Planern zufolge ein Schwundriss ohne Bedeutung“, sagt Böhnke. „Eigentlich hätte man ihn nicht verschließen müssen. Aber wir haben das trotzdem machen lassen.“ Ein vom TÜV ausgemachter zweiten Riss ist indes kein Thema mehr.

Eine gute Nachricht hat Böhnke mit Blick auf die Optik im Umfeld der Brücke: „Die Bepflanzung soll noch in dieser Herbst/Winter-Saison passieren.“