Wildschweinschwemme!

Hameln-Pyrmont (ey). Für Kreisjägermeister Jürgen Ziegler ist das immer eine schwere Situation: Wild zu erlegen, das von einem Auto erfasst wurde und leidet. „Das ist auch für Jäger keine gute Sache. Wir erlegen Wild aus Umweltschutzgründen. Das ist der einzige Grund“, sagt Ziegler. Doch vorgestern Nacht war es wieder soweit: Der erfahrene Jagdpächter war von der Polizei Hameln um 0.45 Uhr angerufen worden – an der Bundesstraße 217 im Bereich des Naturschutzgebietes Kalkofen waren Wildschweine auf der Fahrbahn, wo es zu einer Kollision kam.

Es war neblig und dunkel – und weil keine konkrete Beschreibung des Wildschweins bezüglich seiner Größe vorlag, durfte um diese Uhrzeit keine Suche nach dem verletzten Tier in den an die Straße angrenzenden Büschen, sondern nur im Straßengraben erfolgen. Der Grund: „Eine 80 Kilogramm schwere Bache, die verletzt ist und angreift, bedeutet Lebensgefahr.“ Schweißhundführer Wolfgang Wyrwich durfte mit seinem Hund also erst bei Tageslicht die Suche nach dem erfassten Tier beginnen. Mit Erfolg. Das Wildschwein versuchte zu flüchten, konnte sich aber kaum mehr bewegen. Ziegler musste es mit einem Schuss erlegen.

Herbstzeit ist Wildwechselzeit! In diesem Jahr sind Wildschweine besonders zahlreich. Laut Jürgen Ziegler erfolgt in den kommenden Wochen im Landkreis Hameln-Pyrmont eine Bestandsreduktion. „Die Zuwachsrate bei den Wildschweinen liegt bei rund 250 Prozent, ausgehend vom Frühjahrsbestand. Es müssen 2000 Wildschweine erlegt werden“, sagt der Kreisjägermeister. Und fügt gleich an: „Es handelt sich um aktiven Tier- und Naturschutz. Das ist keine Spaßveranstaltung.“

Wildwechsel im Herbst: Die Felder sind abgeerntet. Das Wild sucht neue Nahrungs- und Einstandsgebiete. Häufig sind die Straßenränder noch mit Gras und Kräutern hoch bewachsen. Das Wild wird spät erkannt, wenn es auf die Straße läuft. Im Herbst ist der Wildbestand am höchsten: Deshalb beginnt der Schwerpunkt der Bejagung jetzt. Die Bestandsreduktion erfolgt im Herbst durch großflächig organisierte sogenannte Drückjagden. Hierfür schließen sich die Revierinhaber der einzelnen Waldgebiete zu gemeinsamen Jagden zusammen. Süntel, Schecken, Schweineberg, Fischbecker Wälder, Pyrmonter und Emmerthaler Wälder, Osterwald, Deister und der Ruhberg werden jeweils an einem Freitag oder Sonnabend mit einer großen Zahl an Jägern, Treibern und Hunden bejagt. „An diesen Tagen werden die Wälder für Spaziergänger und Reiter aus Sicherheitsgründen gesperrt“, sagt Ziegler.