Grausam graue Zeiten

Weserbergland (ey). Grau in grau – seit fünf Monaten geht das so. Die Sonne ist weg. Beispiel Dezember: Kaum zehn Stunden leuchtete sie über dem Weserbergland, 39 wären normal für den Raum Hannover! Im Januar sah’s genau so düster aus. Plus viel Regen. Überhaupt liegt seit September vergangenen Jahres die Zahl der Sonnenstunden stets unter dem monatlichen Normalwert. Die Folge: „Immer mehr Menschen klagen darüber, dass sie antrieblos sind. Mit Sicherheit gibt es viele, die unter Vitamin-D-Mangel leiden“, sagt Christine Schmidt, Allergie-, Diät- und Ernährungsberaterin im Reformhaus Bertram in Hameln.

Denn je mehr Sonne, desto mehr Vitamin D. Der menschliche Organismus deckt seinen Vitamin-D-Bedarf zu 90 Prozent aus den UV-B-Strahlen der Sonne, kann das Vitamin nicht selber erzeugen, sondern benötigt den chemischen Prozess durch Licht. Bleibt es aus, können Mangelerscheinungen die Folge sein. „Die resultieren natürlich auch daraus, dass sich viele Menschen an diesen grauen, regnerischen Tagen kaum nach draußen wagen. Das sollten sie aber tun“, rät Christine Schmidt. Denn jeder noch so zarte Sonnenstrahl, auch durch Wolken verdeckt, trage dazu bei, weniger schlapp oder sogar depressiv zu sein.

„Vitamin D sorgt für gesunde Zähne und Knochen, es stärkt das Immunsystem und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Unser Körper produziert dieses wichtige Vitamin mithilfe von Sonnenlicht. Deshalb leert sich in der dunklen Jahreszeit unser Vitamin-D-Vorrat im Körper. Nur wer sich auch im Winter täglich mindestens zehn Minuten im Tageslicht aufhält, ist zumindest ausreichend versorgt. Neben dem Verzehr von Speisen wie Steinpilzen, Eiern und Fischarten wie Hering oder Lachs, die einen Teil des Bedarfs decken, ist der beste Weg ein Spaziergang an der frischen Luft. Außerdem bringen Sie kleine Wanderungen in Schwung und fördern auf diese Weise Ihre Gesundheit“, sagt auch Prof. Dr. Gerd Glaeske, Leiter des „Länger besser leben“-Instituts von Universität Bremen und der Krankenkasse BKK24.

Die Spätfolgen von Vitamin-D-Mangel sind laut neuesten wissenschaftlichen Studien immens: Osteoporose, Krebs, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabetes, Infektionen, vielleicht sogar Alzheimer… Die guten Ratschläge sollten also nicht in den Wind geschlagen werden. Mehr noch: „Es gibt Kapseln und Tropfen, also Nahrungsergänzungsmittel, um den Vitamin-D-Mangel aufzufangen“, rät Christine Schmidt. Und die Sonne dort zu suchen, wo es warm ist, scheint ein ebenso probates Mittel zu sein, vielleicht nicht unbedingt in puncto Vitamin D, aber doch im Hinblick auf das Wohlgefühl: „In unserer Hufeland-Therme bemerken wir gerade in diesen grauen Monaten, wie wichtig es ist, Entspannung und Bewegung miteinander zu verbinden. Viele Menschen kommen in die Therme, um ihrer Seele etwas Gutes zu tun“, sagt Silke Schauer vom Staatsbad Pyrmont.

Derweil fungiert Jens Brockmann von der Wasserversorgung der GWS Stadtwerke Hameln nun wahrhaft nur als Überbringer schlechter Nachrichten. Er kann ja nichts fürs Weserberglandwetter, sondern schickte der HALLO-Redaktion für die aktuelle Ausgabe zwecks Recherche via Mail die Wetterdaten der vergangenen Monate, aufgezeichnet an der Wetterstation des Hamelner Energieversorgers in Tündern. Ergebnis: 580 Liter Regen seit Juli vergangenen Jahres, also eine Menge in sieben Monaten, die sonst in etwa einem Jahr fällt. An 117 von 215 Tagen fiel Niederschlag. Niedersachsen hatte im Gesamtjahresverlauf 80 Stunden weniger Sonne als der bundesweit geltende Durchschnitt.

Sozusagen als Mahnmal des Wettergrau(ens) gibt’s auf der HALLO-Facebookseite die Januar-Übersicht. Es kann nur besser werden.