Auf in den Tanz

Hameln (mes). „Die Welt zu Gast bei Freunden“, lautete das Motto der Fußball-WM 2006. „Die Welt zu Gast in Hameln“ könnte nun der Slogan für die bevorstehenden 9. Hamelner Tanztheatertage sein. Vom 18. bis 26. April gibt sich die Crème de la Crème aus diesem Genre in der Rattenfängerstadt die Klinke in die Hand. Sowohl Tänzer und Choreografen als auch Bühnen- und Kostümbildner kommen aus aller Herren Länder.

„Neun ist eine stolze Zahl“, freut sich Theaterdirektor Wolfgang Haendeler. Und schickt gleich die Frage hinterher, ob die Reihe nach den ganzen Jahren überhaupt noch steigerungsfähig sei. Die Antwort hat er gleich selbst parat: Ja! In diesem Jahr gebe es nämlich eine Innovation: Tanztheater für Kinder ab fünf Jahren! Das Stück „Angsthase Pfeffernase“ bildet sogar den Auftakt für die Tanztheatertage am Mittwoch, 18. April, 9 und 11 Uhr im TAB. Das Tanztheater Staatstheater Braunschweig feierte mit der Inszenierung bereits erfolgreich Premiere. „Es ist ungeheuer fröhlich und vital und macht großen Spaß!“ Wolfgang Haendeler ist darüber hinaus stolz, dass das Theater Hameln als eines von nur 13 bundesweit im Rahmen des „Tanzland“-Fonds für Gastspiel-Kooperationen von der Kulturstiftung des Bundes maßgeblich gefördert wird. Daher wird es in den nächsten drei Jahren auch weitere Kooperationen mit dem Staatstheater Braunschweig geben.

„Tanztheater ist wichtig, weil es junge Menschen anspricht“, so der Theaterdirektor. Die Förderung des Kinder- und Jugendtheaters stehe für ihn und Dramaturgin Ilka Voß an oberer Stelle. So trägt das Programm der Tanztheatertage diesem Anspruch Rechnung. Nach dem Kinderstück geht es weiter mit dem NRW-Juniorballett: „Mord im Orient-Express“ steht am Freitag, 20. April, 19.30 Uhr auf der Agenda. Die junge Avantgarde aus dem Ruhrgebiet wagt sich damit an ein ungewöhnliches Experiment: eine freie tänzerische Aneignung von Agatha Christies Krimi-Thriller, die 2017 in Ludwigshafen ihre umjubelte Uraufführung erlebte. Auch hier werde man sehen: „Ballett verbindet die Kulturen“, so Ilka Voß. Choreografen, Tänzer, Komponisten – sie kommen zum Beispiel aus Armenien, Estland, den USA, Österreich… Das multikulturelle Miteinander innerhalb der Ensembles sei eine Freude.

Der dritte Termin der Tanztheatertage passt erneut zum Thema Nachwuchsförderung. IT Dansa aus Barcelona besteht aus 18 jungen und talentierten Tänzern aus aller Welt, die ein Zweijahresstipendium erhalten. Sie zeigen am Sonntag, 22. April, um 17 Uhr vier kurze, begeisternde Choreografien und damit die große Bandbreite ihrer tänzerischen Ausdrucksmöglichkeiten: Zur Musik Mozarts wird humorvoll und poetisch getanzt, die nächste Choreografie ist eher düster und traurig, mal konkurriert Zärtlichkeit mit Aggressivität, dann kämpfen die Tänzer gegen emotionale Dämonen und eigene körperliche Grenzen. IT Dansa stellt bei den Tanztheatertagen das größte Ensemble auf die Bühne: mit 16 Absolventen! „Das ist schon ein spektakulärer Einkauf“, sagt Wolfgang Haendeler.

Mit „Intimacy“ gibt es am Dienstag, 24. April, 19.30 Uhr eine deutsche Erstaufführung vom Thomas Noone Dance aus Barcelona. Der englische Choreograf und Wahl-Katalane setzt auf körperbetontes Tanztheater mit Zirkus-Elementen. Jüngst hat das Stück den „Premis Ciutat de Barcelona“ erhalten, einer der wichtigsten Kulturpreise. Obwohl aus derselben Stadt kommend, sind die Ensembles IT Dansa und Thomas Noone Dance komplett unterschiedlich, auch stilistisch gesehen.

Märchenhaft-magisch klingen die Tanztheatertage schließlich am Donnerstag, 26. April, 19.30 Uhr aus. Die Dance Company Theater Osnabrück bringt „Schwanensee – Metamorphosen einer Seele“ auf die Bühne. Haendeler verspricht „hohen ästhetischen Anspruch“ und einen „großen musikalischen und ästhetischen Genuss“. Das Stück werde in Osnabrück stets mit Standing Ovations gefeiert.

Der Publikumszuspruch sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, betont Ilka Voß. Noch gebe es aber für alle Veranstaltungen Karten in allen Kategorien. Auch die bewährten, finanziell interessanten Pakete seien wieder buchbar.