Junge Ackerdemiker im Gemüsefieber

Hameln (twi). Was es heißt, schweißtreibend zu arbeiten, davon können derzeit vermutlich alle ein Lied singen, die angesichts der hochsommerlichen Temperaturen ihr Tagewerk im Freien verrichten. Schüler an den allgemeinbildenden Schulen hingegen kommen in der Regel wohl nur beim Sportunterricht oder bei vergessenen Hausaufgaben ins Schwitzen. Durch die in diesem Jahr gegründete Garten-AG am Albert-Einstein-Gymnasium wissen die Schüler aber spätestens auch hier: ohne Schweiß kein Preis.

Und dieser Preis kann sich durchaus sehen lassen. Denn unter der Leitung der Biologie-Lehrerinnen Karin Hänel und Charlotte Schwarz erlernen die Schüler der 5. bis 10. Jahrgangsstufe alles das, worauf es ankommt, um sich im eigenen Garten selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. „Im Biologieunterricht merken wir zunehmend, dass die Schüler die Pflanzen und Tiere vor ihrer Haustür nicht mehr kennen“, erklärt Karin Hänel. Mit der erschreckenden Konsequenz, so Hänel: „Junge Leute interessieren sich nicht für den drastischen Artenrückgang aufgrund der Zerstörung ihres Lebensraums.“ Und dies habe auch etwas damit zu tun, sind sich beide Biologie-Lehrerinnen sicher, „da kaum noch ein Schüler weiß, wie man selbst etwas in der Natur anbaut“.

Aufgrund der Lage des Albert-Einstein-Gymnasiums am Stadtrand im Grünen sei deshalb die Idee gewachsen, auf dem Schulgelände einen Beitrag zum Naturschutz zu leisten und damit praktisches Wissen zu vermitteln. Begonnen hatte es mit einer Streuobstwiese, die wieder entbuscht wurde. Hierzu hätten Schüler Totholzhaufen und eine Trockenmauer angelegt sowie diverse Nisthilfen mit Unterstützung der Paritätischen Lebenshilfe gezimmert. Schließlich habe sich daraus das Projekt entwickelt, einen eigenen Schulgarten anzulegen und ihn mit Unterstützung der „Gemüse-Ackerdemie“ zu beackern.

Seit Anfang des Jahres ist die Schule zudem stolzer Pächter von zwei Gärten auf dem Gelände vom Kleingärtnerverein Abendfrieden am Rande des Stadtforstes. Auf dem ersten haben die Schüler unter Anleitung bereits Mangold, Erbsen, Salate, Fenchel, Rote Beete, Radieschen, Kartoffeln, Erdbeeren und anderes mehr gedeihen lassen. Sehr zur Freude von Schüler- und Lehrerschaft übrigens, die sich gerne am eigenen Essen erfreuen, wie Karin Hänel berichtet.

Der andere Garten wird derzeit zu einem naturnahen Garten hergerichtet, in dem die Schüler unter anderem heimische Schmetterlinge und auch andere Artengruppen direkt beobachten können. Fünf Feuersalamander, Schwalbenschwanz, Bergmolche, Maikäfer und eine Blindschleiche seien ihnen bereits begegnet. Zum Schutz dieser selten gewordenen Tiere haben die Schüler dieser Tage eine Benjeshecke und einen Steinhaufen angelegt.

Aktuell befassen sich Hänel, Schwarz und ihre Schüler mit dem Schutz von Insekten: In Zusammenarbeit mit den Junglandwirten und dem Landvolk Weserbergland haben die Schüler hierfür eine Blühfläche für nektarsuchende Insekten ausgesät und wurden dabei fachkundig von Junglandwirt Marcel Borchers unterstützt. Auch an weiteren Ideen, wie dem Bau eines Teiches, mangelt es der Garten-AG nicht. Und damit wird auch die eine oder andere Schweißperle noch die Weser herunterfließen, um einerseits einen praxisnahen Bio-Unterricht und andererseits den so nötigen Naturschutz an die jüngere Generation zu vermitteln.