Ein Unimog sorgt für Ärger in Aerzen

Von Sabine Brakhan

Aerzen. Forsche Debatte im Feuerschutzausschuss des Rates der Gemeinde Aerzen: Stein des Anstoßes in der öffentlichen Sitzung vor zahlreichen Bürgern waren unterschiedliche Auffassungen zwischen Feuerwehr und Verwaltung auf der einen und der Politik auf der anderen Seite. Im Fokus: Der in die Jahre gekommene, reparaturbedürftige, aber dennoch laut Feuerwehr unverzichtbare Aerzener Rüstwagen – ein Unimog!

Zum Sachverhalt: Während die Beschaffung eines Tragkraftspritzenfahrzeugs „Wasser“ (TSF-W) für die Ortswehr Herkendorf sowie eines Tragkraftspritzenfahrzeugs (TSF) für die Ortswehr Dehmkerbrock für das kommende Jahr einstimmig von den Ausschussmitgliedern befürwortet wurde und über die mittelfristige Ersatzbeschaffung für das Tanklöschfahrzeug (TLF 8) der Groß Berkeler Wehr, einem Unimog Baujahr 1982, lediglich informiert wurde, gab es über den im November vergangenen Jahres beschlossenen Kauf eines Transportfahrzeugs für die Stützpunktwehr Aerzen mittlerweile recht unterschiedliche Auffassungen. Die Feuerwehr Aerzen nimmt noch in diesem Monat ihr neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) offiziell in Betrieb, das bisher in Aerzen stationierte Löschgruppenfahrzeug wurde an die Ortswehr Reher abgegeben. Der Aerzener Rüstwagen soll nun verkauft werden und stattdessen ein gebrauchter Gerätewagen angeschafft werden – so sieht es der politische Beschluss vor. „Ich sehe in dem vergangenen halben Jahr keine Veränderung der Sachlage, die ein Abrücken von dem Beschluss rechtfertigt, den reparaturbedürftigen Unimog zu veräußern und aus dem Erlös einen gebrauchten Gerätewagen- Logistik anzuschaffen“, machte Feuerschutzausschussvorsitzende Renate Beyer (SPD) deutlich. In der Mitteilung an die Politik heißt es aber: Nach Markterkundung zeigt sich, dass für den Rüstwagen ein Verkaufserlös von etwa 20000 Euro erwartet werden kann. Dies wird für den Ankauf eines Transportfahrzeuges und der notwendigen Feuerwehr-Rollwagen voraussichtlich nicht ausreichen.“

Die Kosten für Rollcontainer

kommen noch hinzu

Wie Aerzens Kämmerer Claus Henke der Politik erläuterte, sei mit dem zu erwartenden Verkaufserlös zwar der Erwerb eines gebrauchten roten Transportfahrzeuges möglich, die Anschaffungskosten für fünf bis sechs Rollcontainer für die Beladung seien jedoch nicht im Budget enthalten. Ein Container koste zwischen 2000 und 3000 Euro! Eingestellt seien diese zusätzlichen Kosten in Höhe von rund 18000 Euro im laufenden Haushalt nicht und ein nacktes Fahrzeug ohne Beladungsmöglichkeiten ist nicht einsatzfähig.

Dennoch lautete der gemeinsame politische Tenor: „Der Ausschuss kann der Vorlage nicht folgen!“ Einzig Michael Schlie, Fraktionsvorsitzender der SPD, aber nicht Ausschussmitglied, versuchte, den Sachstand auf den Punkt zu bringen: „Vorteile sehe ich in dem neuen Vorschlag nicht, aber unser Nachteil ist das Geld!“ Im Anschluss an die Sitzung sagte Schlie auf Anfrage, er müsse als Vorsitzender die Mehrheitsmeinung seiner Fraktion vertreten, die nicht unbedingt seine sei.

Hintergrund für das sture Beharren der beiden Fraktionen auf den Beschluss dürfte die Tatsache sein, dass ursprünglich von der Ortswehr Aerzen der Eindruck vermittelt worden war, der Rüstwagen sei nicht mehr einsatzfähig und müsse ersetzt werden. Nachdem das neue HLF in Auftrag gegeben worden war, sei man vonseiten der Feuerwehr von dieser Einschätzung abgerückt und wolle nun den alten Rüstwagen reparieren lassen. Das kritisiert die Politik. Das könne man so der jeweiligen Partei gegenüber nicht vertreten, lautete die Argumentation. „Mit dem neuen Vorschlag wird eine Grundsatzdiskussion angeschoben“, befürchtet Aerzens Bürgermeister Bernhard Wagner. In einem Gespräch zwischen der Verwaltungsspitze und der Führung der Gemeinde- und der Ortsfeuerwehr hatte die Aerzener Feuerwehr als Zwischenlösung vorgeschlagen, den Rüstwagen reparieren zu lassen und diesen sowie das in Aerzen stationierte Tanklöschfahrzeug so umzubauen, dass das im Einsatz benötigte Gerät auf diesen Fahrzeugen mitgeführt werden kann. Nach Vorführung in einer Unimog-Fachwerkstatt wurden alles in allem Kosten in Höhe von rund 7000 Euro ermittelt, um vorübergehend eine Lösung für das Transportproblem zu schaffen, heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung.

Ein Teil der veranschlagten Reparaturkosten musste zwischenzeitlich in den Fahrzeugerhalt investiert werden, weil eine dringende Reparatur bereits erfolgen musste, merkte Aerzens Gemeindebrandmeister Friedhelm Senke an. Auch er kann die ablehnende Einstellung der Politik zu dem unterbreiteten Vorschlag nicht nachvollziehen. „Mit der Inbetriebnahme des neuen HLF in Aerzen ist der Unimog bei einem Alarm aus der ersten Einsatzreihe in den hinteren Rang zurückgestuft worden. An das Fahrzeug werden nicht unmittelbar am Einsatzort ganz andere, weitaus geringere Anforderungen gestellt“, versuchte er der Politik die veränderte Situation deutlich zu machen.

Als ein Beispiel nannte der Gemeindebrandmeister die gesundheitsschädlichen Abgasimmissionen, die der Unimog samt Stromaggregat beim direkten Betrieb ausstoße. Diese Gefahr entfalle, wenn der Rüstwagen für Transportzwecke eingesetzt werde. Das Fahrzeug kann Senkes Meinung nach im Anschluss an die notwendigen Reparaturen weitere vier bis fünf Jahre betrieben werden. Diese Zeit sollte dafür verwendet werden, beim Land den Zuschuss zu einem Schlauchwagen für den Katastrophenschutz zu beantragen. Die Beschaffung dieser Fahrzeuge wird mit bis zu 75 Prozent gefördert; der Unimog könne dann immer noch verkauft werden. Eine Zuwendung ist aber nicht sicher.

Unschlagbarer Vorteil:

Der Unimog ist geländegängig

Fakt ist aber auch der unschlagbare Vorteil eines Unimogs gegenüber einem Transport-Lkw. „ „Der Unimog ist absolut geländegängig. Auch in Zukunft müssen wir mit Überschwemmungen und größeren Sturmschadenslagen rechnen. Die Zahl solcher Einsätze wird zukünftig sicher nicht abnehmen“, so Aerzens Ortsbrandmeister Heinz Brand. Und noch ein Kriterium spricht seiner Meinung nach für den Verbleib des Unimogs in Aerzen und gegen einen gebrauchten Ersatz: „Hier wissen wir nach der eingehenden Begutachtung durch eine Fachfirma, welcher Reparaturaufwand in der nächsten Zeit auf uns zukommt, bei einem gebrauchten gekauften Transporter wissen wir das nicht.“