Imker und Bauern auf Bienenkurs

Weserbergland (pj). Die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde veröffentlichte 2015 ihr Buch über „Die Geschichte der Bienen“. Ergreifend erzählt sie vom unsichtbaren Band zwischen der Geschichte der Menschen und der Geschichte der Bienen. Der Bestseller macht nachdenklich, denn er zeigt deutlich, wie eng das Leben der Menschen und das der kleinen Insekten zusammenhängen. Und den Bienen geht es nicht gut.

„Helfen wir der Biene, helfen wir uns selbst.“ Wie dies geschehen kann, diskutieren Landwirte und Imker im Weserbergland jetzt gemeinsam. Einem „Imkerstammtisch“, der im April abgehalten wurde, soll ein nächstes Treffen im Herbst folgen, um im Dialog zu bleiben. Noch gibt es Bienen. Aber es gilt, ihre Lebensräume dringend zu schützen. Umweltverbände weisen seit Jahren auf das Sterben von Wildbienen hin. Im Einsatz von Pestiziden und Monokulturen sehen sie den Verlust von Lebensräumen. Den Landwirten wird eine Teilschuld an der Situation gegeben. Zwei Drittel der Pflanzen, die der menschlichen Ernährung dienen, sind auf Bienen und andere bestäubenden Insekten angewiesen. Geht es den Bienen schlecht, gerät das gesamte Ökosystem in Gefahr!

Die Landwirte haben derzeit kein besonders gutes Image. Das wollen sie ändern. Die Zusammenarbeit mit den Imkern ist dazu geeignet. Denn die Imkerei boomt, immer mehr Menschen legen sich eigene Bienenstöcke zu, schleudern den eigenen Honig. Rund 115000 Imker gibt es bereits in Deutschland – Tendenz steigend. Für die Landwirte ist die Verbindung mit Freunden der kleinen schwarz-gelben Insekten nicht nur imagefördernd, sondern hat durchaus auch wirtschaftliche Aspekte. „Die Bestäubung in einem Rapsfeld durch Bienen kann für den Landwirt einen Mehrertrag von 400 Euro je Hektar bringen“, sagt der Vorsitzende der Imker im Kreis Hameln-Pyrmont, Dirk Adomat. „Beide – Landwirte und Imker – sollen voneinander lernen“, sagt Rainer Sander, Mitarbeiter des Landvolks in Hameln. Und es gibt bereits sehr gute Beispiele wie Adomat sagt: „Bauern rufen bei Imkern an, wenn sie abends zum Spritzen oder Schlegeln losfahren wollen, und fragen, ob die Bienen noch fliegen.“

Das Problem für die Landwirte sieht Rainer Sander darin, dass sie „oft buchstäblich zwischen den Stühlen sitzen. Da ist auf der einen Seite die EU mit Verordnungen und Vorgaben und da sind die Wünsche des Naturschutzes.“ Er nennt das Beispiel, dass nach EU-Recht alle landwirtschaftlich genutzten Flächen bis zum 15. November einmal genutzt oder geschlegelt sein müssen. „Dabei wäre es besser, sie einfach unberührt liegen zu lassen, damit die Tiere dort ungestört bleiben.“

Blühstreifenprogramme wurden aufgelegt, um für Insekten, Vögeln und Säugetieren eine Nahrungsgrundlage zu schaffen. Imker und Bauern sind dadurch schon näher zusammengerückt, weil die Imker den Landwirten Blühstreifen bestätigen müssen, damit diese Geld abrufen können. In puncto Blühstreifen würden es die Imker begrüßen, wenn den Landwirten mehr Zeit für die Einsaat eingeräumt würde. „Die Vorschriften, die den Landwirten gemacht werden, sind nicht gut“, kritisiert Adomat. Und: „Einjährige Blühstreifen sind einjährig schön, bringen aber wenig – die Programme müssen mehrjährig laufen.“