Holzhausen bangt vor dem nächsten Hochwasser

Bad Pyrmont. Viele Einwohner von Holzhausen werden den Nachmittag des 8. Juni so schnell nicht vergessen. Das Unwetter, das von Südwesten kommend über das Pyrmonter Tal zog, hinterließ überflutete Grundstücke und Wege, vollgelaufene Keller und Schlamm auf den Straßen. Der Schaden geht in die Zigtausende. Die Sorge ist groß, dass sich so ein Starkregen wiederholen könnte, denn es gibt Zweifel an der Hochwassertauglichkeit der städtischen Kanäle.

Zu den Betroffenen gehört auch Volker Klingler vom Vorstand des Pyrmonter Naturschutzbundes (Nabu), der am Hamborner Weg wohnt. Sein Garten mit einem tief liegenden Gartenteich verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit in einen kleinen See. „Ringsrum waren die Gärten und auch der Kinderspielplatz überflutet“, berichtet er. „Es hat nicht mehr viel gefehlt und das Wasser wäre auch in unser Haus gelaufen.“ Klinglers Nachbarn Michael Hildebrandt ist genau das passiert. Das Wasser stand kniehoch im Keller, den Schaden beziffert er auf eine Summe im mittleren fünfstelligen Bereich. Andere Nachbarn haben laut Hildebrandt immer wieder Problem bei starken Regenfällen und die Stadt schon mehrfach darauf hingewiesen.

Von Klagedrohungen sei sogar die Rede. Hildebrandt selber ist von der Stadt in einer Hinsicht enttäuscht: „Bis heute hat sich nicht ein Vertreter bei uns gemeldet und uns gefragt, wie es uns mit den Schäden, die wir haben, geht.“ Klingler erinnert daran, dass der Nabu bereits beim Bau des Stauraumkanals in der Nähe der Solbadstraße vor vier Jahren auf die Notwendigkeit dezentraler Regenrückhalteprojekte hingewiesen habe und hält dies nach wie vor für geboten. „In der Vergangenheit sind Bäche und Gräben wie zum Beispiel der Tiefe Graben in Holzhausen einfach verrohrt worden“, berichtet er. Die jüngsten Überflutungen ließen den Rückschluss zu, dass die Rohrquerschnitte für Starkregenereignisse völlig unzureichend seien. „Ohne geeignete Regenrückhaltebecken oder Stauraumkanäle muss jederzeit mit einem erneuten Land unter gerechnet werden“, so das Nabu-Mitglied.

In seiner damaligen Stellungnahme hatte der Umweltverband Zweifel angemeldet, dass der Stauraumkanal das Kanalnetz entlasten werde und unter anderem empfohlen, in den Bebauungsplänen Flächenbefestigungen zu beschränken und verrohrte Bäche zu öffnen, soweit dies möglich sei. Bei der Renaturierung von Bauflächen sei man bereit, beratend tätig zu werden, so das Angebot.

Hans-Joachim Böhnke vom Vorstand der „Entsorgung Bad Pyrmont AöR“ hält das Netz für ausreichend bemessen. „Wir haben den Generalentwässerungsplan überarbeitet und in die Kapazität investiert“, betont er. Alleine der Stauwasserkanal habe 3 Millionen Euro gekostet. Dass am 8. Juni auch die Kanaldeckel in der Solbadstraße hochgedrückt worden sei, liege daran, dass hier das gesamte Niederschlagswasser Bad Pyrmonts und Hagens zusammen laufe. „Für einen Niederschlag von 85 Liter je Quadratmeter ist kein Kanal in Deutschland ausgelegt“, so Böhnke. Er könne sich jedenfalls an kein mit Abstand stärkeres Regenereignis in Bad Pyrmont in den letzten 25 Jahren erinnern.

Auch die „Gruppe 17“ im Pyrmonter Rat hatte den 8. Juni zum Anlass genommen, die Stadtverwaltung zu fragen, ob und wie die städtische Kanalisation bisher ertüchtigt wurde oder wird, um Starkregen aufnehmen zu können (wir berichten). Eine detaillierte Antwort will Böhnke im Bauausschuss unmittelbar nach Ende der Sommerpause im August geben. „Wir haben mehrere Millionen Euro investiert und sind ganz gut vorbereitet, aber man kann sich immer noch verbessern“, stellte er fest.