„Rucksack-Kita“ – eine runde Sache

Hessisch Oldendorf. Durch die Etablierung des anerkannten Bildungs- und Sprachförderprogramms „Rucksack-Kita“ leistet der Landkreis Hameln-Pyrmont seit fünf Jahren eine wichtige Weichenstellung für die Inklusion. Jedes Kind kann sich seinen Stärken gemäß einbringen und an der Gemeinschaft vor Ort teilhaben. Insbesondere für Kinder und Eltern mit Fluchterfahrung bieten diese Elterngruppen eine gute Möglichkeit, deutsche und Eltern mit anderen Migrationshintergründen kennenzulernen. Dem Rucksack-Kita-Programm kommt somit eine ganz besondere Bedeutung im Sinne eines funktionierenden interkulturellen Miteinanders für Kinder, Kita-Eltern und Erzieher im Landkreis Hameln-Pyrmont zu.

In Hessisch Oldendorf läuft „Rucksack-Kita“ seit vier Jahren und lebt von der effektiven Zusammenarbeit von Trägern, Kitas, Eltern und Kindern und der Kreisverwaltung. Um das Engagement zu würdigen, erhielten die teilnehmenden Eltern der Kitas Zwergenland, Storchennest, Segelhorst und der Kita Sonnental in Heßlingen in der letzten Woche ein Zertifikat von Anja Eggers von der Fachstelle Frühkindliche Bildung des Landkreises Hameln-Pyrmont. Überreicht wurde es gemeinsam mit dem Bürgermeister von Hessisch Oldendorf Harald Krüger.

Zertifiziert wurden auch die sogenannten Elternbegleiterinnen Fritzia Gutierez de Pohl, Melissa Seib und Semra Aydogandemiroglu, die die Elterngruppen circa ein Jahr lang organisiert und durchführt haben. Die Eltern bekamen als Dankeschön fair gehandelte Fingerpuppen mit Anleitungen zu Fingerspielen und ein Wimmelbilderbuch vom Landkreis. Damit kann auch zukünftig mit den Mädchen und Jungen spielerisch in Kontakt getreten werden. Für die Kinder gab’s ein Malbuch mit Landkreis-Löwen-Cartoons und einem Buntstift mit bunter Mine sowie das Pixi-Büchlein „Willkommen!“ in der Kita.

Gedankt wurde darüber hinaus auch den am Rucksack-Kita-Programm teilnehmenden Kita-Leitungen Katja Söhlke, Tabea Grutza-Gunjaca, Jens-Achim Röpke und den beiden Leitungen von der Sonnental Kindertagesstätte in Heßlingen. Besonderer Dank galt sowohl Katja Söhlke und ihrem Team, die ihre Kita für die Feierstunde öffneten, als auch Senka Milenkovic, die als Sprachförderkraft vor Ort das Projekt koordiniert und immer zuverlässige Ansprechpartnerin ist. Melanie Seidel als Träger-Vertreterin der Stadt Hessisch Oldendorf wurde ebenfalls gedankt, denn Rucksack-Kita ist eben eine „Gemeinschafts-Produktion“ einer Vielzahl an Menschen.

„Viele gute Gründe also für uns, die vier Jahre aktives Rucksack-Kita-Programm in Hessisch Oldendorf und die vielseitige und dadurch bereichernde Gemeinschaft zu feiern“, freut sich Anja Eggers. Im Mittelpunkt des Programms stehen insbesondere die Eltern und Kinder, die in angeleiteten Elterngruppen und zuhause die Inhalte des Rucksack-Programms gemeinsam entdecken.

Das Programm läuft wie folgt ab: Kostenlose Materialien und Informationen rund um Kind und Kita werden von qualifizierten „Kita-Eltern“ an andere Eltern weitergegeben. Alle können mitmachen, ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Die Eltern finden sich dazu für ein Kindergartenjahr in Gruppen zusammen. Die Atmosphäre ist entspannt und lustig. In diesen Elterngruppen wird Deutsch gesprochen. Eltern, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, hören in der Gruppe so die Worte auf Deutsch. Die Materialien gibt es auch in anderen Sprachen. Fall also mal ein Wort nicht verstanden wird, kann zusammen nachgesehen werden. Zu Hause lassen die Eltern die Materialien von ihren Kindern entdecken und begleiten ihren Nachwuchs jetzt in ihrer Muttersprache. Denn: Die Muttersprache ist der Schlüssel für das Lernen von Sprachen. Sprachwissenschaftlich ist erwiesen, dass Kinder besser Deutsch lernen können, wenn sie ihre eigene Muttersprache gut beherrschen.

Durch dieses Programm gehen Eltern mit ihren Kindern gemeinsam auf Entdeckungstour. Bei den Materialien sind zum Beispiel Spielvorschläge dabei. Häufig wird mit der ganzen Familie gespielt. Da die Materialien Themen aus dem Kindergartenalltag aufgreifen, stehen die Spiele auch in der Kita auf dem Programm. Dort hören die teilnehmenden Knirpse die Inhalte von den Erziehern dann in Deutsch. So findet ein paralleles Lernen statt. Die Eltern und Erzieher hingegen haben durch das Rucksack-Kita-Programm neue Gesprächsaufhänger. Das verbindet und bildet eine Gemeinschaft. Außerdem fließen Wissen und Ideen aus Russland, Spanien, Griechenland, Mexiko, der Türkei und aus Deutschland durch dieses Programm harmonisch zusammen. Eine bunte Vielfalt eben!

Übrigens können sich an diesem Programm interessierte Kitas bei Anja Eggers in der Fachstelle Frühkindliche Bildung beim Landkreis Hameln-Pyrmont informieren und vielleicht schon bald Rucksack-Kita werden.