Bad Pyrmont lädt so richtig auf

Bad Pyrmont. Stadtwerkechef Uwe Benkendorff ließ auf dem Marktplatz alle Fahrzeuge von Stadt, Staatsbad, Stadtwerken und Bad Pyrmont Tourismus (BPT) auffahren, die rein elektrisch betrieben werden. Sie sollten verdeutlichen, dass Bad Pyrmont ein Jahr nach der Ankündigung sein Elektromobilitätskonzept umgesetzt hat, auch wenn wegen langer Lieferzeiten zwei von der Stadt für die AöR bestellten Scooter und der elektrisch betriebene Stadtbus für die Linie 63 noch fehlen. Am Marktplatz findet sich auch eine der aktuell fünf Ladestationen mit zusammen zehn Ladepunkten im Stadtgebiet, die am Freitag offiziell von Bürgermeister Klaus Blome eingeweiht wurden. Eine Ladestation mit zwei Ladepunkten soll bis spätestens Ende dieses Jahres folgen.

Von einem mutigen Schritt, der nun umgesetzt worden sei und von einem Meilenstein sprach Blome, nachdem er das rote Band durchschnitten hatte. „Bei den Bemühungen, Lärm- und Feinstaubbelastungen zu reduzieren, sind die Kommunen besonders gefordert und erst recht die Kur- und Heilbäder.“ Bad Pyrmont sei sei nicht nur im Landkreis, sonder auch über die regionalen Grenzen hinaus Vorreiter in Sachen Elektromobilität. „Das ist ein gelungener Spagat zwischen traditioneller und smarter Kurstadt.“

Und auch Benkendorff strich die besondere Stellung des Kurortes heraus. „Bezogen auf die Einwohnerzahl von Bad Pyrmont ist das Verhältnis von Ladestationen bezogen auf die Einwohnerzahl ein national städtischer Spitzenwert“, meldete er stolz. Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte es freuen. Erst Anfang dieser Woche hatte sie den Ausbau der Ladeinfrastruktur als Grundlage für die Etablierung der Elektromobilität gefordert. Dass es mit Blick auf die Million E-Autos auf deutschen Straßen langsamer vorwärtsgeht, als es sich die Bundesregierung gewünscht hatte, findet Merkel „nicht so ein Drama. 2020 werden wir es nicht schaffen, aber 2022.“

An Bad Pyrmont soll es nicht liegen, wenn auch dieses Ziel verfehlt wird. Doch auch wenn Deutschland in Sachen Elektrofahrzeuge im internationalen Vergleich bislang hinterherhinkt, so hat sich die Zahl der Neuzulassungen in diesem Jahr deutlich verstärkt. Marktforscher wollen herausgefunden haben, dass das Kaufinteresse an Elektroautos in Deutschland kontinuierlich zulegt. Demnach können sich 41 Prozent der Befragten inzwischen vorstellen, sich als nächstes Auto einen Stromer zuzulegen. Vor zwei Jahren waren es nur 30 Prozent der Befragten. Auch Bürgermeister Blome überlegt, das nächste oder übernächste Dienstauto als elektrische Variante zu kaufen, zumal die Bundesregierung den Steuervorteil attraktiver gemacht hat. Wer seinen Wagen auch privat nutzt, der zahlt ab 2019 nur noch einen halbierten Satz von 0,5 Prozent. Gleiches wünscht sich Benkendorff für die E-Bikes als Diensträder für seine Mitarbeiter.

Eigentlich wollte die Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont (Öffis) ab 2019 in Bad Pyrmont auch die erste rein elektrisch betriebene Buslinie im Landkreis fahren lassen. „Massive Lieferprobleme“ der Hersteller, so Öffi-Chef Arne Behrens, hätten das verhindert. Übergangsweise werde nun ein Hybridbus zum Jahresende 2018 auf der Linie 63 zum Einsatz kommen. Der fährt mit einem Dieselantrieb und wird nur beim Start elektrisch unterstützt. Behrens sagte, er rechne frühestens 2021 oder 2022 mit dem Einsatz eines rein elektrischen Busses. Für die Öffis sei Bad Pyrmonts E-Konzept aber sehr wichtig. „Was wir hier testen, wird Auswirkungen auf den gesamten Kreis haben“, sagte er.

In der Verantwortung der BPT liegt das E-Mobilitäts-Sharing Modell. Seit April haben Gäste und Pyrmonter auch die Möglichkeit, dort ein E-Auto zu mieten, das laut BPT-Chef Karsten Stahlhut bislang an 65 Tagen vermietet wurde. „Zunehmend wird das auch von Pyrmontern genutzt“, berichtete er. Bei den E-Rollern sei noch Luft nach oben, die stark nachgefragten E-Bikes – seit 2011 im Angebot – seien dagegen jährlich an 250 Tagen im Einsatz.

Und wo geht die Reise hin? Zumindest Behrens hat konkrete Visionen und dabei die Digitalisierung und autonomes Fahren im Sinn. „In zehn Jahren werde ich mir vielleicht kurzfristig ein Fahrzeug kommen lassen können“ meint der Öffi-Chef und bezieht das ausdrücklich nicht nur auf Städte.