Die Jonglage mit den Ausweichspielorten

Bad Pyrmont. Als das Kurtheater vor knapp vier Wochen wegen morscher Fachwerkbalken von jetzt auf gleich aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde, schockierte das viele Pyrmonter. Andere zeigten sich verwundert, warum eine Sanierung des traditionsreichen Hauses nicht schon in den vergangenen Jahrzehnten vorangetrieben worden war.

Wie es weitergeht mit dem 200 Jahre alten Gebäude, ist noch immer nicht entschieden. Derzeit werten die Fachleute noch die Gutachten aus. Klar ist indes: Staatsbad-Veranstaltungsleiterin Silke Schauer und ihrem Team ist es inzwischen gelungen, das Kulturprogramm auch für 2019 unter Verzicht auf den nun fehlenden Spielort umzuplanen. „Das waren anstrengende Wochen“, sagt Schauer. Denn es galt, sämtliche im Kurtheater geplanten Termine ins Konzerthaus oder die Wandelhalle zu verlegen.

Für Außenstehende mag das simpel klingen. Doch die logistische Herausforderung steckt im Detail: „Erst haben mehrere Mitarbeiterinnen fast eine Woche lang sämtliche Agenturen und Künstler, die im Kurtheater auftreten sollen, abtelefoniert, sie über die Schließung informiert und die Ausweichmöglichkeiten aufgezeigt“, erklärt Schauer. „Alles neben dem normalen Tagesgeschäft.“ Erleichtert ist sie nun, „weil wir für alles eine Lösung gefunden haben“. Keine Veranstaltung falle aus.

Als feststand, wer wo singen, spielen tanzen oder musizieren wird, begannen Simone Zenke und Petra Lutter in der Kartenvorverkaufsstelle in der Wandelhalle zu jonglieren. Sie mussten alle bereits fürs Kurtheater verkauften Tickets auf die Ausweichspielorte übertragen. Das große Konzerthaus stellt dabei das eher kleinere Problem dar. Denn hier passen die maximal 250 Sitzplätze aus dem Theater locker rein. Anders ist das in der Wandelhalle: Einfach ein paar Stühle dazustellen? Ginge gar nicht. „Bei 130 Plätzen ist Schluss“, bedauert die Veranstaltungsleiterin und nennt die Gründe: „Die Fluchtwege an den Seiten dürfen nicht zugestellt werden, und für den Mittelgang sowie die Sitzreihen sind Mindestabstände festgelegt.“

Eine Konsequenz: Das Gastspiel von Werner Momsen am 14. Dezember ist bereits ausverkauft. Der Klappmaul-Komiker hätte zwar eigentlich besser ins Konzerthaus gepasst. Aber dort steht ausgerechnet am Folgetag der „Tanz um die Pyrmonter Krone“ an. Den Saal für das Turnier herzurichten, wäre an einem Tag nie zu schaffen. „82 große Tische und 252 Stücke platzieren, eindecken und auf der Empore eine Orchesterbühne bauen“, zählt Silke Schauer die Vorarbeiten auf, die das kleine Technik-Team am Turnier-Nachmittag komplett abgeschlossen haben muss. „Denn dann wollen die Tanzpaare proben.“

Eine knifflige Aufgabe gewann Simone Zenke durch die Verlegung der Silvestershow der Pyrmonter Theater Companie: „Viele Besucher haben sich ihre Plätze ja schon im Vorverkauf ausgesucht“, sagt sie. Um diese Wünsche im Konzerthaus berücksichtigen zu können, musste sie – insbesondere bei Barzahlern – die den Kauf-Zeitpunkt recherchieren und kombinieren, welche wann verkauften Tickets wohl zusammengehören. „Wenn jemand Karten für vier Personen gekauft hat, sollen die ja zusammenbleiben.“

Den Besuchern der diversen Veranstaltungen will das Staatsbad nun so wenige Unannehmlichkeiten wie möglich zumuten. Die schon fürs Kurtheater verkauften Karten müssen zwar getauscht werden. Aber das ist für alle, die es nicht in die Stadt schaffen, spätestens an der Abendkasse möglich. „Am einfachsten wäre es, wenn die Käufer ihre Kurtheater-Karten bereits irgendwann im Vorfeld der jeweiligen Veranstaltung in der Wandelhalle tauschen“, sagt Silke Schauer. „Das ist aber kein Muss. Denn wir wollen niemanden stressen.“