Paritäten kappen „Essen auf Rädern“

Hameln-Pyrmont (mes). Sie waren die Pioniere der rollenden Mahlzeiten, nun hat es sich ausgeliefert: Der Paritätische stellt seinen Service „Essen auf Rädern“ zum Jahresende in Hameln-Pyrmont ein. Das bestätigt ein Sprecher beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen auf Nachfrage von HALLO zum Sonntag.

„Die Paritäten haben den Mahlzeitendienst 1966 aufgebaut, das ist schon eine sehr emotionale Geschichte. Aber wir können diesen Dienst nicht mehr wirtschaftlich betreiben“, heißt es aus Hannover. Im ländlichen Raum seien die langen Anfahrtswege finanziell nicht mehr zu stemmen und im städtischen Bereich – wie zum Beispiel in Hameln – sei die Konkurrenz zu groß. Andere Lieferdienste könnten auf eine andere Infrastruktur zurückgreifen. Die Paritäten müssten die Menüs kochen lassen, weil sie keine eigene Küche haben, wie beispielsweise Altenheime, die einen ähnlichen Service anbieten, und somit einen wesentlich geringeren finanziellen Einsatz haben.

Zum 31. Dezember dieses Jahres wird „Essen auf Rädern“ also komplett eingestellt. „Wir bedauern sehr, diesen Schritt gehen zu müssen. ‚Essen auf Rädern‘ ist eine Keimzelle unserer eigenen sozialen Dienstleistungen. Es fällt uns unheimlich schwer, dieses Angebot einzustellen“, sagt Christoph Seese, Geschäftsführer beim Kreisverband Paritätische Hameln-Pyrmont. Denn: „Unser Menübringdienst ist viel mehr als ein schnöder Lieferservice. Viele Kunden werden schon seit Jahren von denselben Fahrerinnen und Fahrern beliefert, ein kleiner Schnack stets inklusive. Da sind Bekanntschaften entstanden. Für etliche Kunden unseres Dienstes bedeutet der tägliche Besuch auch ein Stück weit Ablenkung von einem Alltag, der leider allzu oft von Einsamkeit geprägt ist“, so Christoph Seese.

In Hameln-Pyrmont sind sieben Mitarbeiter von der Veränderung betroffen. Allen wurden Angebote gemacht, innerhalb der Paritäten zu wechseln, zwei von ihnen haben bereits angenommen, zwei sind im Ruhestand, zwei langzeiterkrankt. Aber für alle werde es Alternativen geben, heißt es aus Hannover.

Und auch für die Kunden wird es Alternativen geben. „Wir helfen ihnen selbstverständlich gern dabei, ihre Versorgung für die Zukunft sicherzustellen. Mit der Tönebön-Stiftung können wir für den Bereich Hameln eine gute Lösung anbieten“, versichert Seese. Im Bereich Bad Pyrmont würden „individuelle Lösungen gesucht“, heißt es.