Das „Absolute“ und der absolute Ärger

Hameln (ey). Kaum waren die neuen Schilder aufgestellt, wurden auch schon Bußgelder verteilt: Dass an der Papenstraße in Hameln das teilweise eingeschränkte zu einem durchgehenden „Absoluten Halteverbot“ geworden ist, sorgt für Unverständnis. Anlieger, vor allem solche, die dort Geschäfte, Büros und Praxen haben, hätten sich gewünscht, dass sie über die Änderung informiert werden, bevor sie in Kraft tritt. Zwar ist die Verwaltung mittlerweile gesprächsbereit, aber der fade Beigeschmack bleibt. Und das „Absolute“ auch.

Dr. Eva-Maria Kraske, die seit Jahrzehnten ihre Praxis im Haus 9a an der Papenstraße betreibt, teilt mit anderen Anliegern ihre Befürchtungen, dass Kunden und Patienten wegbleiben, wenn nichts an der neuen Regelung geändert wird: „Im ‚Eingeschränkten’ haben bislang Autofahrer gehalten, die schnell mal ein Rezept, einen Kaffee, einen kleinen Einkauf tätigen wollten oder auch nur mal einen Brief einwerfen. Das ist jetzt nicht mehr möglich und das ist nicht gut“, sagt die Allgemeinmedizinerin und spricht vielen Betroffenen aus der Seele. Die Stadt hätte informieren müssen. Und vor allem: „Gleich nach der Änderung Bußgelder auszusprechen, ist ja wohl kein Umgang mit Bürgern“, so die Ärztin. Sie und andere vermissen Fingerspitzengefühl der Behörde. Das sieht Thomas Wahmes, Pressesprecher der Stadt Hameln, anders.

Denn Wahmes sagt klar: „Es gibt keine Karenzzeit. Sobald ein Schild aufgestellt wird, gilt es. Wer sich nicht daran hält, muss damit rechnen, dass er für sein Fehlverhalten zur Kasse gebeten wird.“ Die neue Regelung sei im Übrigen keine fixe Idee aus dem Rathaus, sondern eine Folge falschen Verhaltens vieler Autofahrer. „Mitunter ist die Papenstraße sogar in Kurvenbereichen so vollgeparkt worden, dass die Busse der Öffis nicht mehr durchkommen konnten. Das ist kein hinnehmbarer Zustand. Wir mussten handeln.“ Sogar Rettungsfahrzeuge seien „hängengeblieben“.

Immerhin: Man nähert sich an. Bei einem Ortstermin mit den Verantwortlichen der Stadt ist man laut Dr. Eva-Maria Kraske zu der Erkenntnis gelangt, „dass vielleicht die vorhandenen Motorrad-Parkplätze verlagert werden und dieser Seitenstreifen Pkw-Fahrern für eingeschränktes Halteverbot dienen kann“. Zwei Plätze wären es. Nicht viel, aber immerhin eine Verbesserung. „Wenn wir eine Verbesserung im Sinne aller Betroffenen herbeiführen können, wollen wir das gerne tun“, sagt Thomas Wahmes. Und Betroffene gibt es hier gar nicht so wenige, angefangen von der Papenschule über Arztpraxen bis Cafés und Kanzleien.