Auf dem Weg zu einem Kulturbeirat

Bad Pyrmont. Ein Anfang ist gemacht: Mit 35 interessierten Kulturschaffenden unterschiedlichester Ausrichtung hat die erste Versammlung zur Gründung eines Kulturbeirates der Stadt Bad Pyrmont stattgefunden. Deutlich wurde, dass es höchst unterschiedliche Erwartungen an das 300-jährige Stadtjubiläum gibt, das im Jahr 2020 gefeiert wird und an dessen Vorbereitung der Beirat beteiligt werden soll. Deutlich wurde auch, dass die Zeit bis dahin sehr knapp bemessen ist.

Unter der Moderation von Bürgermeister Klaus Blome ging es zunächst darum, sich zu finden, sich die Aufgabe erklären und vor allem offene Fragen beantworten zu lassen. Und Fragen gab es zunächst grundsätzlicher Art. „Wie genau das funktionieren soll, das ist mir nicht klar“, bekannte die Vorsitzende des Fürstentreffs, Christiane Richter, und war mit ihrer Ratlosigkeit nicht alleine. Die vorherige Erklärung Blomes, dass der Kulturbeirat zunächst Ideen zum Jubiläum sammeln und koordinieren soll, war offenbar nicht erschöpfend genug. Und auch nicht der Hinweis, dass Blome sowohl die neue Museumsleiterin als auch den künftigen Wirtschaftsförderer einbinden wolle. Wert legte der Bürgermeister auf die Feststellung, dass der Beirat seine Strukturen selber festlegen und „sehr autonom“ arbeiten solle und berief sich dabei auf den Antrag der Gruppe 17, die das Gremium und das Thema vorgeschlagen hatte.

Es waren nicht zuletzt die Ansprüche an das Jubiläum, die diesen Abend zur Sprache kamen. Das reichte vom Erhalt und dem Schutz der historischen Häuser über die Einbindung der Jugend und der vielen schon vorhandenen Angebote Bad Pyrmonts bis hin zu ganz konkret formulierten Erwartungen. Während der frühere Museumsleiter Dr. Dieter Alfter an eine „Inszenierung nach draußen“ mit einer Veranstaltungsreihe und prominenten Gästen denkt, wünscht sich der Bürgermeister in erstes Linie ein Jubiläumsfest für alle Pyrmonter. Musikschuldirektor Arndt Jubal Mehring warnte vor zu hohen Erwartungen. „Wir sollten ein Fest für die Menschen feiern und uns nicht über kaputte Gebäude aufregen.“ In Namen des Staatsbades Pyrmont sagte Marketingleiterin Silke Schauer Unterstützung zu, riet aber gleichzeitig, sich zunächst über die Finanzen und den Zeitrahmen klar zu werden und dann über Inhalte nachzudenken. Sie war nicht die Einzige, die nach dem Budget für das Fest fragte. Der Bürgermeister betonte zwar, dass so ein Jubiläum ohne einen finanziellen Beitrag der Stadt nicht zu leisten sei, konnte aber mit konkreten Zahlen nicht dienen. Er versprach, beim nächsten Treffen nach einem Gespräch mit dem Kämmerer genauere Angaben zu machen. „Aber es wird möglich sein, dass wir dieses Jubiläum finanzieren.“

Genügend Geld und genügend Zeit: Das waren zwei der Stichwörter, die die Runde beschäftigte. Während Grünen-Ratsmitglied Ute Michels die Auffassung vertrat, dass es mit dem „Projekt Armut“ in Bad Pyrmont auch eine Veranstaltung gebe, die ohne Budget erfolgreich sei und SPD-Ratsmitglied Matthias Schlüter vorschlug, nicht als erstes die Frage nach dem Geld zu stellen, erinnerte Titus Malms von der Musikbad Pyrmont Kulturstiftung an das 275-jährige Stadtjubiläum vor 25 Jahren, für das es eine Vorbereitungszeit von mehr als zwei Jahren, ein Budget in Höhe von 175000 DM und mit Dr. Alfter einen vom damaligen Bürgermeister Klaus-Henning Demuth mit den Vorbereitungen beauftragten städtischen Mitarbeiter gegeben habe. „Wir haben uns sogar einen Geschäftsführer geleistet, aber der hat Geld gekostet“, meinte CDU-Ratsmitglied Michael Rausch. „Dafür war es ein wirklich tolles Fest, ganz Bad Pyrmont war auf den Beinen.“

Bis zum Jubiläumsjahr ist es nur noch ein Jahr. Für Andreas Müller vom Förderverein Hagen ist das zu wenig. „Die Zeit läuft weg, es wird nicht gelingen, etwas Vernünftiges auf die Beine zu stellen“, meinte er pessimistisch. Müller war von der Stadt zu der Versammlung eingeladen worden, wohl auch, weil Hagen 2017 sein 500-jähriges Bestehen gefeiert hatte. „Wir haben zwei Jahre Vorbereitungszeit gebraucht, und das war knapp“, erinnerte er sich.

Um voranzukommen, dürfte es erst einmal wichtig sein, aus dem losen Verbund von Interessenten einen handlungsfähigen Kulturbeirat mit festen Strukturen und verantwortlichen Ansprechpartnern zu machen. Das gelang an diesem Abend noch nicht und wäre nach Auffassung von Bürgermeister Blome auch zu viel an Erwartungen gewesen, wenngleich er betonte, dass es bis Ende Januar erste Ergebnisse geben müsse. Immerhin wurden acht verschiedene Themenbereiche gebildet, zu denen sich die Versammlungsteilnehmer zuordnen konnten, um dort mitzuarbeiten. Das reichte von der Musik über bildende Kunst, darstellende Kunst, Heimat- und Brauchtum über Literatur und das geschriebene Wort bis zu Handwerk und Jugendkultur. Ihm sei es wichtig, so Blome, dass auch Akteure außerhalb der Kulturszene in das Jubiläum eingebunden würden und willkommen seien.

Das nächste Treffen findet Dienstag, 29. Januar, statt.