Hundstage für Haustiere

Weserbergland (ey). Kein Vögelchen am Futterhaus zu sehen. Die haben sich verzogen. Jedes Jahr zu Silvester machen sich Kulturfolger wie Spatzen, Amseln, Meisen für ein, zwei Tage aus dem Staub und fliegen aus den Siedlungen der Städte und Gemeinden in die umgebenden Wälder und Felder. Man kann regelrecht beobachten, wie sie vor den Böllern und Raketen flüchten. Abflug. Aber immerhin: Die können das wenigstens. Haustiere wie Katzen und Hunde haben es da viel schwerer.

Silvester ist nur die Spitze des Lärms; die Böllerei fängt bisweilen ja schon einige Tage vor dem Jahreswechsel an, und so werden sie gewissermaßen zu Hundstagen: zu heiß, vor allem fürs Gemüt und für die Ohren. Mittlerweile ist das Problem so groß geworden, dass auch Tierärzte bisweilen nicht davor zurückschrecken, sich für Beruhigungsmittel auszusprechen, die den treuen Vierbeinern über den Jahreswechsel helfen. Und in der Tat gibt es mehr als nur einen Anbieter, der damit wirbt, dass sein Spray „Entspannungsbotschaften“ an den Hund sendet. Klingt ein bisschen nach Joint, aber der Zweck heiligt die Mittel dort, wo es notwendig wird. Es gibt Hunde, die auf Silvesterraketen und Böller ohnehin entspannt reagieren, die brauchen das nicht. Aber mindestens genau so viele Vierbeiner kriegen mitunter panische Angst und durchstehen den Lärm und die Funken der Nacht nur unter größtmöglicher Zuwendung.

Medikamente sollten – darüber sind sich alle einig – das allerletzte Mittel sein, um Hunde (und auch Katzen) vor dem Lärm und den Blitzen am Himmel zu schützen. Halter sind also gut beraten, vor dem Höhepunkt der Nacht mit ihrem Hund einen ausgedehnten Spaziergang durch das schöne Weserbergland abseits von Siedlungen zu unternehmen, sodass die Tiere entspannt und auch ein wenig ausgepowert sind. Morgens los, nachmittags noch einmal. Am Abend nur ein kurzes Gassigehen. In der Silvesternacht die Fenster abdunkeln und dem Hund womöglich den Fernseher oder das Radio einschalten, um von den ungewohnten Geräuschen draußen vor der Tür abzulenken. Und ein besonderes Leckerli parathalten – es wirkt manchmal wahre Wunder. Hunde reagieren ganz unterschiedlich auf die äußeren Einflüsse. Jeder sollte sich in die Lage der Vierbeiner versetzen, die ein viel empfindsameres Gehör haben. Manchmal sind aber sogar die Blitze im Nachthimmel schlimmer als der damit verbundene Lärm. Und übrigens: Katzen sind genauso betroffen. Man sollte ihnen ermöglichen, sich in der Silvesternacht verstecken zu können! Kleiderschränke und umgedrehte Kartons bieten ausgezeichnete Möglichkeiten, die mit der Katzendecke gemütlich hergerichtet werden sollten. Ablenkung ist alles in dieser Nacht der Nächte. Dass Hunde- und Katzenhalter selber nicht böllern und Raketen zünden sollten, versteht sich eigentlich von selbst…