Den drei Verdrehten geht‘s ziemlich gut

Fischbeck (ey). Es mag seltsam erscheinen, drei jüngst in den Stiftsgärten Fischbeck gepflanzte Süntelbuchen bei der derzeitigen Witterung in den Fokus des Interesses zu rücken. Aber erstens ist der einsetzende Winter nach einem regen- und damit für Neuanpflanzungen segensreichen Dezember durchaus von Vorteil, weil die Bäume zur Ruhe kommen. Und zweitens sind Süntelbuchen per se eine kleine Sensation. Weil sie so unendlich seltsam wachsen. Und weil sie das tun, ist die Sache mit dem Anwachsen auch nicht einfach. Immerhin handelt es sich um ein bereits 45 Jahre altes Exemplar und zwei etwa 35-jährige. Ein Restrisiko, dass sie nicht angehen könnten, bleibt. Aber es scheint funktioniert zu haben. Aufatmen bei Äbtissin und Stiftsgärtner.

Beitrag zur Rettung dieser

einzigartigen Baumart

Ganz klar: Die Pflanzung der Süntelbuchen ist ein wichtiger Beitrag zur Rettung dieser einzigartigen Baumart, die nur im Süntel, in Frankreich und Südschweden zu finden ist. Verdreht, verkrüppelt, Äste, die miteinander verwachsen und sogar Absenker bilden, dazu sehr kurze, drehwüchsige Stämme: Süntelbuchen haben mit der Aufgeräumtheit anderer Gehölze wenig gemein und dienen aus diesem Grunde nicht sehr oft dazu, in einem Garten einen Platz zu erhalten. Im Abteigarten zu Fischbeck schon. Und fast möchte man meinen, sie trügen eine leicht lakonisch wirkende Borke. Wo sie doch früher aufgrund ihres geradezu irren Wuchses auch als Hexenholz oder Teufels-Buche geheißen wurden…

Diese drei Bäume, herbeigeschafft mit einem Tieflader aus einem Arboretum bei Nettelrede, wurden Ende November vergangenen Jahres gepflanzt. „Bei einer dieser Süntelbuchen handelt es sich um eine rotlaubige Sorte, die anderen beiden sind grünlaubig“, sagt Stiftsgärtner Dirk Stock, der jetzt erst einmal etwas Ruhe hat, denn gegossen werden müssen die Gehölze an frostigen Wintertagen natürlich nicht. „Aber das wird wieder der Fall sein, sobald der Frost vorbei ist“, sagt Dirk Stock. Als erfahrener Gärtner des Stiftes in Fischbeck ist er darin aber in Übung, erst recht seit dem vergangenen, heißen Sommer.

Die Süntelbuchen stellten den Abschluss eines sehr arbeitsreichen Gartenjahres in Fischbeck dar. Birke, Linde und Eiche, Wildbirnen, Elsbeeren und eine Zaubernuss hatten den Reigen eröffnet. Die Erneuerung der Stiftsgärten ist in vollem Gang. Die für solche Areale recht ungewöhnliche Pflanzung von Süntelbuchen geht auf einen Herzenswunsch der Äbtissin zurück. Katrin Woitack hatte sich bei ihrer Ordination in Fischbeck vor gut fünf Jahren darauf festgelegt, Süntelbuchen zu pflanzen. Bereits vor vier Jahren waren diese drei „Verdrehten“, die jetzt im Abteigarten stehen, von ihr ausgesucht worden. Selber pflanzen ging allerdings nicht. „Der größte Baum von den Dreien wog mit Wurzelballen weit über zwei Tonnen. Ohne Tieflader und schwerem Gerät wäre es nicht möglich gewesen, sie zu bewegen“, sagt Dirk Stock. Dass sich die Äbtissin überhaupt für Süntelbuchen ausgesprochen hatte, ist auf die in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten eher exotisch anmutende Gehölzauswahl zurückzuführen, so zum Beispiel Amberbaum oder Robinien. „Was jetzt in den Stiftsgärten geschieht, ist eine Rückbesinnung auf solche Arten, die auch hier in Niedersachsen oder zumindest in Europa heimisch sind“, sagt Dirk Stock. Die Süntelbuchen gehören unbedingt dazu.