Vodafone geht uns auf den Sender

Hameln-Pyrmont (ey). Scart-Buchse, Cinch-Kabel, HDMI-Kabel, DVB-C-Receiver – Verwirrung komplett: Vodafone hat Post geschickt an Tausende Haushalte in Hameln und Umgebung. Zum 14. Februar wird der Mobilfunkanbieter den Kabel-Anschluss für TV und Radio auf digital umstellen. Was nichts anderes bedeutet, als dass der analoge Empfang nicht mehr möglich sein wird. Bei heimischen Fachunternehmen wie Radio Schulz oder TV-Service Krysiak laufen die Telefondrähte heiß. Denn ohne neuen Receiver guckt mancher Hameln-Pyrmonter in die Röhre. In die dunkle…

Wer ZDFneo oder ONE

empfängt, ist schon digital

Apropos: „Die alten Röhrenfernseher, da bin ich mir sicher, sind auf keinen Fall digitaltauglich. Die brauchen alle einen solchen Receiver“, sagt Manfred Krysiak. Der Hamelner TV- und Radiotechnikprofi bemerkt bei vielen Nutzern eine große Verunsicherung, gerade auch bei älteren Kunden. Ob man schon digital oder noch analog fernsieht, ist indes schnell festgestellt: Wer zum Beispiel ZDFneo oder ONE empfängt, ist digital und muss nichts weiter tun. Wer diese Programme nicht hat, benötigt aber einen DVB-C-Receiver.

Dabei hätte man annehmen können, dass alles schon digital ist, wo ein Kabel vom Endgerät Richtung Kabelsteckdose führt. Stimmt aber nicht. Der Laie staunt, der Fachmann nicht. Jörg Schulz, Geschäftsführer von Radio Schulz in Afferde, sieht in der technischen Aufrüstung, die im Detail mit TV-Technikern geklärt werden kann, nicht einmal das größte Problem. Vielmehr wundert sich der Fachmann, weshalb Vodafone selbst dem Fachhandel noch nicht mitzuteilen in der Lage war, auf welchen Übertragungsfrequenzen in Zukunft welche Sender zu finden sind. „Gemessen an der Tatsache, dass in knapp drei Wochen schon alles umgestellt wird, ist das auch hinsichtlich der Kundenberatung nicht gut.“ Es gebe bislang keine Informationen. Dass alle TV-Geräte – auch die alten (Röhren) – einen automatischen Sendersuchlauf starten, sei zwar richtig, jedoch: „Danach fängt das Gesuche an, denn jeder Nutzer hat ja seine Favoriten, und die will er in eine bestimmte Reihenfolge bringen. Das ist nicht immer ganz einfach“, sagt Jörg Schulz. Branchenkollege Krysiak rät sogar dazu, im Zweifel den Fachbetrieb mit der Installation des Receivers und der Programmplatzvergabe zu beauftragen. „Es gibt Kunden, die sind mit der Technik nicht so firm, die sollten sich an einen Profi wenden.“

Denn es geht nicht nur ums Fernsehen, sondern auch ums Radio. Wer seinen Lieblingssender über (Wurf)-Antenne empfängt, ist zwar noch ganz klassisch unterwegs, doch hier ändert sich nichts. Aber da sind die vielen Hifi-Turm-Besitzer, die ihre Musik schon seit Jahrzehnten über die in den 80er- und 90er-Jahren teils teuer erstandene Stereoanlage empfangen. „Das ist alles analog. Sie brauchen einen Radio-Receiver, der an den Verstärker angeschlossen wird, und das Antennenkabel führt vom Receiver zur Kabelsteckdose“, sagt Jörg Schulz. Auch hier: erneuter Sendersuchlauf über neue Frequenzen. „Wer seine Radioprogramme in einer bestimmten Reihenfolge abspeichern will, muss herumpuzzeln. Das kostet Zeit“, so Manfred Krysiak. Und Nerven. Immerhin: Aus 35 analogen Radiosendern werden bis zu 72 digitale. Wer die Wahl hat, hat … die Arbeit.

Ein neuer Receiver kostet

wenigstens 60 Euro

Bleiben die Kosten. Für einen DVB-C-Receiver TV müssen Kunden um die 60 Euro bezahlen, für den Kabel-Radio-Receiver etwa 70 Euro. Die Geräte sind zigarrenkistengroß. Wenigstens Platzprobleme sollte es also nicht geben. Die Drähte bei Schulz, Krysiak und anderen Fachbetrieben werden dennoch weiter glühen. Das digitale Leben hat eben seine Tücken…