Der Datensalat ist endlich Geschichte

Hameln (ey). Manchmal stolpern selbst Zahlenjongleure über Ziffern, Nummern, Daten. So muss es sich auch im „Club zur Harmonie“ zugetragen haben, als man im Jahre 1930 das 100-jährige Bestehen feierte, obwohl er bereits 1819 aus der Taufe gehoben worden war… Man hätte es merken können, „denn seit 1820 liegen Protokollbücher vor“, sagt die Historikerin Dr. Gesa Snell, die zurzeit an einem Buch über den Club arbeitet. Sei’s drum, es wird Gründe gegeben haben, sicherlich spielten die Folgen des Ersten Weltkriegs eine Rolle. In diesem Jahr wird aber – nach Adam Riese ganz und gar folgerichtig – der 200. Geburtstag gefeiert. Damit ist der „Club zur Harmonie“ der älteste noch bestehende Club Hamelns.

Aber wie das so ist: Je mehr die Zeit voranschreitet, desto weniger Material ist zu finden. Hans-Martin Lohmann, Geschäftsführer der Firma Neudorff und heutiger „Harmonie“-Präsident, und Clubmitglied Christian Brecke, Sprecher des Festausschusses, bitten deshalb stellvertretend für alle etwa 80 Mitglieder darum, „dass die Hamelner auf Dachböden, in alten Alben und Ordnern schauen, ob sie noch Fotos, Plakate oder Urkunden finden“. Gesa Snell wär‘s recht: „Um das Buch zu erarbeiten, ist jeder Hinweis wichtig. Zudem geht es ja auch um die Illustration.“ Wer etwas zu bieten hat, möge sich bei ihr doch gerne via E-Mail (Gesa.snell@t-online.de) oder unter der Telefonnummer (05151) 961407 melden.

Aus der Sicht der Historikerin sei das Projekt wichtig. „Was ich hier dokumentiere, sind nicht nur 200 Jahre Club- und Stadtgeschichte, sondern gewissermaßen eine Art Einübung auf die Demokratie.“ Denn früher wurden neue Mitglieder durch sogenanntes Ballotieren aufgenommen oder abgelehnt. Jedes Mitglied war aufgerufen, entweder (s)eine schwarze oder weiße Kugel innerhalb einer Stunde in die Ballotiermaschine einzuwerfen. Waren am Schluss mehr weiße als schwarze Bälle darin enthalten, wurde das neue Mitglied in den Gesellschaftsclub aufgenommen. „Ein absolut demokratischer Vorgang!“, sagt Gesa Snell.

Der „Club zur Harmonie“ versteht sich mehr als Gesellschaftsclub denn als Wohltäter. Zwar gebe es immer wieder auch Spenden für verschiedene Zwecke, „aber bei uns geht es vor allem um wissenschaftlichen und kulturellen Austausch“, sagt Präsident Lohmann. Über viele Generationen hinweg seien einige Hamelner Familien von Anfang an mit dem Club verbunden. Jahrzehntelang diente die heutige Hauptstelle der Stadtsparkasse Hameln-Weserbergland (Am Markt) als Gesellschaftshaus, das im Clubbesitz war und später veräußert wurde. „Das Zentrum von Hameln ist eng mit dem Geschehen unseres Gesellschaftsclubs verbunden. Vielleicht finden sich bei dem einen oder anderen Hamelner auch noch Fotos davon“, hofft Hans-Martin Lohmann.

Schier unglaublich ist, dass erst in den 1970er-Jahren der Jahresirrtum aufgedeckt wurde. So war es der langjährige Präsident Dr. Höpfner, der damals Unterlagen fand, die unmissverständlich darauf hindeuteten, dass der „Club zur Harmonie“ bereits 1819 und nicht, wie bis dahin vermutet, 1830 gegründet worden war. „Das war eine kleine Sensation für alle Beteiligten, denn dementsprechend war ja auch das Jubiläum zum 150. Geburtstag im Jahr 1969 verpasst worden“, sagt Christian Brecke.

Erst ein zu spät gefeiertes, dann ein verpasstes Jubiläum. In diesem Jahr wird das nicht passieren. Alles im Lot. „Im Juni werden wir das 200-Jährige feiern“, blickt Hans-Martin Lohmann voraus. Fristgerecht. Mit Buch und Festschrift. Irrtum ausgeschlossen.