Gastritis ist verboten

Hameln (mes/ey). Namen sind Schall und Rauch, sagt der Volksmund. Aber von Claire Grube gibt es sogar ein Facebook-Profil. Wendy Lator, Axel Schweiß, Homer N. Bier sind da auch vertreten. Und viele andere, die (hoffentlich) nicht ernst gemeint sind. Denn werden Namen zu ulkig, können sie ihren Trägern ein Leben lang zur Last fallen. Das wissen auch die Standesbeamten in den Städten und Gemeinden Hameln-Pyrmonts – und greifen notfalls ein.

Gastritis ist jedenfalls verboten in Deutschland. Nehmen wir also an, ein Elternpaar aus Hameln wolle seinen neugeborenen Sohn Gastritis nennen (oder die Tochter, das ist hier nicht so ganz klar…), kämen sie damit nicht durch. „Die Standesbeamten machen auf nicht gelungene Namenskombinationen ebenso aufmerksam wie auf Vornamen, die zu abstrus sind. Die Eltern werden darüber belehrt, und notfalls geht der Vorfall bis zum Amtsgericht nach Hannover“, sagt Janine Herrmann, Sprecherin der Stadtverwaltung Hameln. Dort würden die Standesbeamten zum Vorfall gehört werden, dann falle die Entscheidung.

Um Gastritis ist es in Hameln bislang aber nie gegangen, wohl aber um J.R. – diese Initialen seien aber nicht abgelehnt worden, weil sie an den Fiesling aus der 80er-Jahre-Fernsehserie Dallas erinnerten, sondern aus viel profanerem Grund: „J.R. sind nur zwei Buchstaben, die abgekürzt ja für Namen stehen. Abkürzungen sind aber nicht geduldet“, sagt Janine Herrmann. Ikea aber schon, und der klingt auch nicht gerade komplett… Aber mit Ikea hat‘s noch keiner versucht im Landkreis, kein Knirps sollte bislang diesen Namen tragen, der offiziell in der Tat zugelassen ist in Deutschland! Wie auch Legolas, Pepsi-Carola, Leonardo da Vinci Franz, Winnetou, Blaubeere oder Despot. Letztgenannter ist besonders gemein, spätestens wenn‘s in die Schule geht. Vielleicht heißt er ja Meyer mit Nachnamen. Und der Lehrer wird ihn begrüßen mit den Worten: „So, Du bist also Despot Meyer.“ Zeit zum In-den-Boden-Versinken…

Aber auch ein Despot ist in Hameln und den Standesämtern der Umlandgemeinden und -städte noch nicht gewünscht worden. Scheinbar geht‘s hier gesittet zu, was am Beispiel der Rattenfängerstadt erkennbar ist. Die drei beliebtesten Vornamen im Jahr 2018 bei den Mädchen waren Emma (zwölf Mal, auch der beliebteste Name bundesweit), Lina und Mia (jeweils elf Mal), bei den Jungen gibt es einen alten Bekannten in der Rangliste: Elias schaffte es hinter Finn auf den zweiten Platz mit zwölf Nennungen (2017: Platz 31 mit vier Namensnennungen) und vor Jonas. Von Ben keine Spur. Der ist bundesweit zum achten Mal hintereinander der beliebteste Jungenname, findet sich unter den Top Ten in Hameln aber absolut nicht.

Was soll’s. Viel wichtiger ist doch die Tatsache, dass die Geburtenzahl in Hameln gegenüber 2017 (1508) leicht angestiegen ist auf 1529 (52 Prozent Jungen, 48 Prozent Mädchen). Aufwärtstrends kann man in diesen Zeiten gut gebrauchen. Und siehe da: Auch die Zahl der Eheschließungen in Hameln ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen (um sechs auf 263). Dranbleiben. Seit Oktober 2018 dürfen im Übrigen auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten und ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln. Zwölf Paare (acht männlich, sieben weiblich) haben davon bereits Gebrauch gemacht.

Seit gut sechs Monaten können Bürger übrigens viele Services der Verwaltung auch im Netz nutzen. Ob Ehe-, Namens- oder Geburtsurkunde – alles kann online angefordert und bezahlt werden. Innerhalb einer Woche ist das Schriftstück dann schon im Postkasten. Das erspart nicht nur dem Antragssteller Laufwege, sondern im Idealfall den Mitarbeitern im Standesamt einiges an Zeit.