Frühlingsgastspiel

Hameln-Pyrmont (ey). Eduard Mörikes blaues Frühlingsband hier ins Spiel zu bringen, ist womöglich noch verfrüht, andererseits fühlt sich das, was dort draußen vorgeht, nicht gerade nach Winter an. Plötzlich sitzen nicht mehr nur die Raucher an den Open-Air-Tischen vor den Cafés der Stadt, die Gartenbesitzer bemühen den Spaten, um pflanzen zu wollen, und die Gesänge der Vögel klingen deutlich nach Aufbruch, Lust und Balz.

„Ich weiß nicht, wie ich das deuten soll. Die Nächte sind ja winterlich kalt, aber 14 bis 16 Grad Celsius am Tag sind für Februar ungewöhnlich warm. Wenn das so bleibt in den kommenden Wochen, dürfte wohl schon die Pflanzzeit beginnen“, sagt Matthias Großmann, Inhaber der Stauden-Gärtnerei Junge. Glaubt man den Wetterfröschen, werden bis Ende des Monats die Tagestemperaturen in der Tat immer um die zehn oder mehr Grad erreichen. Die Folgen des wenigen Frosts sieht man schon jetzt: Märzenbecher sind ausgetrieben, Traubenhyazinthen im Kommen, und an geschützten Stellen schaut sogar die Akelei mit frischem Grün aus ihrem Wurzelgeflecht. Du lieber Himmel, es ist Februar! Das ist doch alles viel zu früh.

Auch die Bauern mögen’s nicht, das warme Wetter. „In der Landwirtschaft stehen wir aktuell vor der Herausforderung, dass die Natur bereits den Frühlingsmotor anwirft. Was an sich kein Problem wäre, könnte sich später allerdings noch rächen, wenn es im März zu Rückschlägen mit Frost und Schnee kommen sollte. Denn genau darauf deutet vieles hin, da wir noch keinen wirklichen Winter hatten. Auch eine alte Bauernregel besagt: ‚Wenn Ostern spät ist, gibt es auch ein spätes Frühjahr‘“, sagt Kreislandwirt Karl-Friedrich Meyer. Und Junglandwirt Steffen Sauermann aus Aerzen-Reinerbeck bringt zusätzlich die Trockenheit ins Spiel: „Unsere Böden sind nach wie vor viel zu trocken. Und das, obwohl sie aus dem Winter kommen und eigentlich wassergesättigt sein müssten. Ich mache mir insofern Gedanken, ob uns nach dem vergangenen Dürrejahr ein weiteres bevorsteht. Dies hätte sicherlich katastrophale Folgen für das Wachstum der Vegetation.“

Ein Blick zurück ins Jahr 2018: Wärmster Februartag war damals der 16. mit 5,69 Grad, die Tagesdurchschnittstemperatur lag bei 1,93 Grad, die für die Nacht bei minus 4,11 Grad. Mit anderen Worten: ein schöner, kühler Februar, so wie man ihn sich wünscht, mit genügend Frost. In diesem Jahr ist alles ganz anders.

Aber ist es das nicht immer?