„Sofaschläfer“ sind für die Kurstadt interessant

Bad Pyrmont. Seit dieser Woche will das Staatsbad Pyrmont herausbekommen, wie viele Gäste Bad Pyrmont wirklich hat. Es geht dabei um die, die bei Freunden oder Verwandten oder Bekannten zu Besuch waren. Es geht um die sogenannten „Sofaschläfer“, die von keiner Statistik erfasst werden.

Neben den klassischen Hotelgästen gibt es eine Reihe anderer Besucher in Bad Pyrmont. Erfasst wird von der offiziellen Statistik des Statistischen Landesamtes aber nur, wer in einem Hotel oder einer Pension mit mehr als zehn Betten übernachtet. „Wir wollen nun gemeinsam mit der Stadt etwas über den ,kleinen Tourismus‘ erfahren“, kündigte Kurdirektor Maik Fischer am Freitag eine Telefonbefragung in Bad Pyrmont an, die vorgestern gestartet ist. Gefragt wird in 300 „normalen“ Haushalten, wer dort im vergangenen Jahr zu Gast war, warum der Gast nach Bad Pyrmont kam und wie lange der Besuch geblieben ist. Die Auswahl der Haushalte geschieht laut Fischer nach dem Zufallsprinzip, die Antworten seien vertraulich. „Wir erhoffen uns solidere Aussagen über den Tourismus als Gesundheits- und Wirtschaftsfaktor in Bad Pyrmont“, begründet der Geschäftsführer des Staatsbades die Aktion. Beauftragt wurde damit die Consulting-Agentur „dwif“, die deutschlandweit exklusiv über Daten der Tourismuswirtschaft verfüge. Nur so sei eine originäre Untersuchung unter Verwendung neuester Erkenntnisse möglich.

„Sofaschläfer“ können relevant für den Tourismus sein. In vergleichbaren Orten machen sie laut Fischer mitunter einen Anteil von zehn Prozent aus. Umgerechnet auf Bad Pyrmont wären das rund 10000 Gäste jährlich. „Je mehr kommen, um so besser ist das, denn auch diese Gäste geben in Bad Pyrmont Geld aus“, betont der Geschäftsführer der Bad Pyrmont Tourismus, Karsten Stahlhut und versichert: „Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.“

Mit den Ergebnissen könne man noch genauer als bisher das Marketing auf die tatsächlichen Bedürfnisse zuschneiden, den Bedarf an Infrastruktur ermitteln und möglichen Investoren der Tourismusbranche aktuelle Daten zur Verfügung stellen, heißt es. Die Tourismusbranche ist für Bad Pyrmont immer noch wichtig. Gut die Hälfte aller Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt davon ab.

Die Frage nach den Sofaschläfern ist aber nur ein Teil einer umfassenden Untersuchung, die vom Niedersächsischen Heilbäderverband und dem Niedersächsischen Institut für Fremdenverkehr und Heilbäderforschung gefördert wird, und die die Pyrmonter nur 1750 Euro kostet. Der Verband, den Fischer derzeit als kommissarischer Vorsitzender leitet, hat neue Strategien entwickelt, um seine Mitglieder zu stärken und ihnen handfeste Hilfe an die Hand zu geben.

Mit Ergebnissen wird im Mai oder Juni gerechnet.