Zukunft weiter unklar

Hameln. Jetzt steht zumindest eins fest: Der Tischler, der damit geliebäugelt hatte, die Überreste des sogenannten Fischerhauses bei sich einzulagern, ist abgesprungen. Damit bleibt die Zukunft der übrig gebliebenen Bestandteile des kleinen Fachwerkhauses aus der Stubenstraße und die damit verbundene Frage, ob es eines Tages an anderer Stelle wieder aufgebaut wird, weiter ungewiss.

Das fast 460 Jahre alte Fischerhaus, das bei vielen Hamelnern mit Emotionen verbunden ist, musste 2006 dem Bau des großflächigen ECE-Centers weichen. Viele Hamelner trauern dem Fischerhaus – das zwar so heißt, aber in dem nie Fischer gewohnt haben sollen, sondern nur Handwerker und Tagelöhner – nach.

Das Fischerhaus war Teil eines Ensembles, das zu einem großen Teil schon Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre für den Bau des Hertie-Kaufhauses dem Erdboden gleichgemacht worden war. Übrig blieben davon sechs kleine Fachwerkhäuser an der Stubenstraße, von denen eins eben das Fischerhaus war, um das es auch gut 13 Jahre nach seinem Abbau immer noch geht.

In der Absicht, das ursprünglich 1560 errichtete Haus möglicherweise an anderer Stelle noch einmal aufzubauen, ist es seinerzeit tatsächlich buchstäblich abgebaut worden. Eichenbalken, Fenster und Türen – die insgesamt 150 Einzelteile, aus denen sich das Fischerhaus zusammensetzte, wurden eingelagert. Doch zu dem angedachten Wiederaufbau des Hauses ist es bislang nicht gekommen.

Der Gründe gibt es viele: Fehlen eines geeigneten Standortes, nie geklärte Nutzungsfrage, strenge Brandschutzauflagen im Falle eines Wiederaufbaus, weil das historische Gebäude dann als Neubau gelten würde, ausbleibende Sponsoren und mangelndes öffentliches Interesse – etwa eine Bürgerinitiative für dessen Wiederaufbau, existiert nicht.

Hoffnungen weckte im Sommer vergangenen Jahres der Tischler Hauke Borcherding, als dieser erfuhr, dass die Überreste des Fischerhauses als Ersatzteillager verwertet werden könnten. Er könnte sich vorstellen, die Teile bei sich einzulagern, sagte er damals. Dann tat sich lange nichts. Und dabei ist es auch geblieben. „Ich habe mich einfach dagegen entschieden“, sagte Borcherding, „aus diversen Gründen“. Mit dem Zustand der Überreste habe seine Entscheidung allerdings nichts zu tun, sagte der Tischler.

Damit bleibt weiter alles offen. Stefan Daberkow, der Leiter des Museums Hameln, sagt, dass inzwischen an anderer Stelle „Gespräche im Hintergrund“ geführt würden. Und die Stadtverwaltung würde es „natürlich begrüßen, wenn das Fischerhaus wieder an einer anderen Stelle aufgebaut werden könnte“, wie Stadtsprecherin Janine Herrmann auf Anfrage mitteilt. Mit Ergebnissen der noch laufenden Gespräche sei in Kürze allerdings nicht zu rechnen, so Daberkow. Die Überreste des Fischerhauses befinden sich im Museumsdepot in Afferde. Dort harren sie nun der Dinge, die da kommen mögen.