Wieder ein leerer Laden

Hameln. Wer von der Unterführung am Grünen Reiter aus die Fußgängerzone betritt, dem bietet sich ein zunehmend tristeres Bild. An der Osterstraße reiht sich mitunter nahtlos Leerstand an Leerstand. Die fragwürdige Krönung dieses Missstands bildet das historische Hochzeitshaus, das größtenteils leer steht. Mit der Schließung der Filiale der Fleischerei Steding hat sich nun ein weiteres Geschäft aus der Innenstadt verabschiedet.

Dadurch, dass in manchen Läden gerade umgebaut wird, wird der traurige Anblick, der sich in der Osterstraße bietet, noch verstärkt. Aber auch sonst bietet sich ein teils trostloses Bild. Von der Deisterallee aus gesehen, stehen auf der rechten Straßenseite mehrere Läden hintereinander leer – was in Teilen auch auf einen Wasserschaden zurückzuführen ist.

Erst Ende 2018 hat mit Walter Paul ein Traditionsgeschäft geschlossen. Mit der Schließung der Filiale der Fleischerei Steding hat nun ein weiterer heimischer Betrieb der Kernstadt den Rücken gekehrt. Seit Anfang der 80er-Jahre war sie mit einer Filiale an der Osterstraße vertreten, erzählt Inhaber Roger Steding, der den von seinem Urgroßvater in Welsede gegründeten Betrieb 1996 von seinen Eltern übernahm. 2011 wechselte Steding junior lediglich die Straßenseite. Doch in der zweiten Februarwoche dieses Jahres strich er dann die Segel noch vor Ende der Mietzeit. Ein Grund: In der Fußgängerzone gebe es keine Kaufkraft mehr für Fleisch- und Wurstwaren, die Leute kauften vor allem im Supermarkt ein, so Steding. Ein weiterer Grund: Fachkräftemangel. Es werde immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden. Die anderthalb Stellen, die bislang an die Filiale an der Osterstraße gebunden gewesen seien, könne der Betrieb nun in seinen vier übrigen Filialen, auf dem Hamelner Wochenmarkt sowie am Hauptsitz des Betriebes in Fischbeck einsetzen. Arbeitsplätze gingen durch die Schließung der Filiale nicht verloren, sagt der Fleischermeister. Auch stünde keine weitere Filialschließung an.

Dennis Andres von der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) ist die Entwicklung an der Osterstraße nicht entgangen. „Das fällt natürlich auf und ist ein Thema“, sagt er. Sein Blick auf die Sache fällt indes recht nüchtern aus. „Die gleiche Entwicklung hatten wir zu dieser Jahreszeit vor einem Jahr in der Bäckerstraße“, so Andres. „Dort hat es sich aber wieder gefangen und darauf hoffen wir auch bei der Osterstraße.“ Doch mit Hoffnung allein wird der Leerstand nicht enden. Das weiß auch Andres. Aber er wisse auch, „dass zu Jahresbeginn immer einige aufhören“. In jedem Fall suche die HMT das Gespräch mit den Eigentümern der leer stehenden Immobilien, indem sie „auf ein realistisches Mietniveau“ auf „marktgerechter Basis“ hinzuwirken versuche.

Umgekehrt wendeten sich Eigentümer oder Interessenten an die HMT: Habt Ihr was? „Wir vermitteln, ohne als Makler aufzutreten, werden dafür also nicht bezahlt“, so Andres. Am Ende liege die Entscheidung beim Vermieter. Und mit der sei auch die HMT nicht immer zufrieden. Was wünscht man sich denn? Zwar könne es in einer Stadt erfahrungsgemäß „nie genug Bekleidungsgeschäfte“ geben und auch ein „namhafter Anker“ wäre nicht verkehrt, um die Frequenz der Innenstadtbesucher in die Höhe zu schrauben, so Andres. „Aber entscheidend ist nicht das Sortiment, sondern das Besondere und Individuelle.“