Vertanzt nochmal!

Hameln (mes). Passt sich der Mensch seinem Hund an oder ist der Hund vielleicht doch der bessere Mensch? Das finden Theaterbesucher heraus, die sich „Doggy Style / Concert dans le goût théâtral“ Montag, 25. März, ansehen. Denn hier geht Choreograf Joshua Monten genau dieser Frage nach. Ungewöhnlich? Ja! Doch genau das machen die 10. Tanztheatertage Hameln aus, die Sonntag, 17. März, 17 Uhr starten.

Ungewöhnlich beginnt die Veranstaltungsreihe auch: mit dem Community Dance Project „tanzwärts! Heimatsuche“ – einer in dieser Größenordnung einzigartigen Produktion, an der drei Hamelner Schulen und 19 Bürger beteiligt sind. „Ein Novum“, schwärmt auch Theaterdirektor Wolfgang Haendeler. 17 Schüler der IGS Hameln, zwölf aus der Sprachförderklasse der Elisabeth-Selbert-Schule und 15 Jugendliche von der Sprachlerngruppe der Wilhelm-Raabe-Grund- und Oberschule tanzen dann gemeinsam mit 19 Bürgern aus Stadt und Landkreis. 63 Laien machen Tiago Manquinho (künstlerische Leitung und Choreografie) und Pauline De Laet (Choreografie) derzeit fit für die Bühne. „Es ist eine Mammutaufgabe, klappt aber sehr gut“, lobt Manquinho seine Eleven. „Wir versuchen kein Laienstück zu machen, sondern mit Laien eine professionelle Aufführung“, betont er. Die Jugendlichen proben insgesamt sechs Wochen, drei Stunden pro Tag (montags bis freitags). Für sie sei das eine einmalige Erfahrung.

Die beiden Choreografen begleiten ähnliche Projekte seit vielen Jahren in Braunschweig und Bielefeld. Sie wissen, wie wichtig es ist, Barrieren aufzulösen – gerade vor dem Hintergrund, dass viele teilnehmende Kinder einen Migrationshintergrund haben. „Der Background des Einzelnen spielt beim Tanz keine Rolle“, fügt Wolfgang Haendeler hinzu. Umso spannender daher auch der Titel „Heimatsuche“. Was bedeutet der Begriff Heimat für Jugendliche?

Übrigens: Das Community Dance Project wird fotografisch von Bettina Stöß aus Pötzen begleitet, einer der gefragtesten Tanzfotografen. „Es gibt echte Talente zu entdecken!“, freut sich Dramaturgin Ilka Voß.

Inhaltlich spannt sich von „tanzwärts! Heimatsuche“ der Bogen zum dritten Stück der Tanztheatertage: „Heimatabend“. Die 15-köpfige Companie des Tanztheaters Staatstheater Braunschweig behandelt in einer Inszenierung von Gregor Zöllig Donnerstag, 21. März, 19.30 Uhr das Thema existenziell, aber auch humoristisch.

Zwischen diesen beiden Aufführungen gibt es ein weiteres Schmankerl zu erleben: „Unstable“. Das opulente Bühnenbild machte Haendeler und Voß einen Strich durch die Rechnung, das Tanzstück im TAB zu zeigen. „Wir mussten auf die große Bühne ausweichen“, erzählt Ilka Voß. Es richte sich sowohl an Jugendliche als auch an Erwachsene, sei aufwendig produziert und künstlerisch sehr ernstzunehmen.

Klassisch wird es dann Samstag, 23. März, 19.30 Uhr mit „Carmen & Bolero“. Die MM Contemporary Dance Company stellt hier zwei Stücke vor – ein „populäres Programm, schon alleine wegen der Musikauswahl“, sagt Voß. Frech, bunt, schrill wird es schließlich Montag, 25. März, 19.30 Uhr, wenn Joshua Monten seinen „Doggy Style“ präsentiert. Neben der „Hundefrage“ können sich die Besucher auf ein bisschen „venezianischen Karneval“ freuen, schmunzelt Theaterdirektor Haendeler. „Die schräge, überraschende Fantasie wird großes Vergnügen bereiten“, ist er sich sicher. Witzig-skurriler Humor treffe auf poetische Momente und Zerbrechlichkeit des Individuums. Die Komik werde dabei indes nie zum Ulk.

Vorhang auf für das Finale der 10. Tanztheatertage: Die Dance Company Theater Osnabrück feiert Donnerstag, 28. März, 19.30 Uhr den 100. Geburtstag des Bauhauses. Das Publikum erwartet ein dreigeteilter Abend mit den Stücken „Die Feier“ (1927/28), „Handman“ (2016) und „Bolero“ (Uraufführung). Geometrische Figuren, der Geist des Bauhauses, drücken dabei ihre Wirkung auf den Raum durch Tanz aus.

„Die Tanztheatertage sind immer ein Höhepunkt in unserem Theaterjahr“, fasst Ilka Voß zusammen. Für solche Stücke, die das Theater Hameln bietet, müsse man sonst weit fahren. Interessierte, die einen Einblick in das moderne Tanztheater werfen wollen, sollten sich schnell noch Tickets sichern – für das Stück „Carmen & Bolero“ zum Beispiel gibt es nur noch Restkarten.