Pop-up-Stores: Lösung gegen Leerstand

Hameln. Verödet die Osterstraße? Diverse Leerstände am oberen Ende der Straße geben zumindest Anlass zu dieser Sorge. Höchste Zeit für zündende Ideen also: Wie ließe sich die einstige Vorzeigeeinkaufsmeile aufwerten? Und was wird bereits unternommen?

Mieter finden: In einem Fall ist die Angelegenheit überschaubar: Die Pächterin des Rattenfänger-Hauses gibt ihr Restaurant zum Jahresende auf. Das Haus gehört der Stadt, also muss diese nun einen Nachfolger finden. In anderen Fällen können Stadt und Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) lediglich als Vermittler auftreten. Auch wenn es darum geht, die Eigentümer zunächst mal davon zu überzeugen, ihre erwarteten Mieteinnahmen auf ein realistisches Niveau zu senken. „Die Möglichkeiten der Stadt sind leider begrenzt“, räumt jedoch Thomas Wahmes ein, er ist als Referatsleiter im Rathaus zuständig für die Wirtschaftsförderung. „Wir können nicht bestimmen, an wen ein Eigentümer vermietet und zu welchem Preis.“ Nicht in allen Fällen haben Wirtschaftsförderung oder Stadtmanager Dennis Andres überhaupt einen Draht zu den Eigentümern der Häuser: „Manche Gebäude befinden sich in der Hand ausländischer Investoren“, sagt Wahmes. Doch generell seien Leerstände in der Osterstraße wie auch andernorts, „ein großes Thema für uns als Wirtschaftsförderung“. Die Ratspolitik wird in diesem Monat voraussichtlich eine zusätzliche Stelle in der Wirtschaftsförderung beschließen – unter anderem für den Bereich „Leerstands- und Immobilienmanagements“.

Einen „Anker“ anlocken: So schwebt es dem Stadtmanager Dennis Andres vor, und so hält es auch Dieter Mönckemeyer für sinnvoll: „Die Osterstraße braucht am oberen Ende einen Anker, einen wie Rossmann, der Frequenz in die Straße bringt“, sagt der Inhaber des Lederwarengeschäfts weiter unten an der Osterstraße und gibt zu Bedenken: „Einige Filialisten wie zum Beispiel Ikea oder auch Internetgrößen wollen vermehrt mit kleinen Verkaufseinheiten in die Innenstädte.“ Die Ikea-Pressestelle braucht allerdings nur wenige Minuten, um die Dewezet-Anfrage per Mail zu beantworten: Nein, der Möbelriese habe „Metropolregionen“ im Blick, „mittelgroße Städte kommen hier leider nicht infrage“. Doch Ikea ist natürlich nur ein Beispiel. Hema, Zara, McDonald‘s, Kentucky Fried Chicken – auf der Facebook-Seite der Dewezet hinterließen Leser seit Montag eine lange Wunschliste. Der Wirtschaftsförderer klingt skeptisch: Die großen Namen ziehe es nun mal in die großen Städte. Zudem: „Wichtiger als der ,Anker’ sind aus meiner Sicht individuelle, attraktive Angebote und innovative Einzelhandelskonzepte.“ Versorgungslücken gäbe es in der Hamelner Innenstadt „eigentlich nicht“. „Mit zwei Ausnahmen: Kinderbekleidung und Elektro“, so Wahmes. Elektrohändler bräuchten allerdings mehr Fläche, als die Fußgängerzone zu bieten hat. Aber: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, den Standort schlechtzureden“, betont Wahmes. Hameln sei eine „attraktive Einkaufsstadt“.

Provisorien zulassen: Wie sähe es indes mit den schnellen, kleinen Lösungen aus: Pop-up-Stores gelten manchen als Zauberwort: ein Geschäft auf Zeit, das provisorisch Leerstand durch eine Boutique oder eine Art Lagerverkauf ersetzt. Ein „äußerst interessanter Weg“, findet Dieter Mönckemeyer – für Neulinge im Geschäft wie auch für alteingesessene Händler, die dort Sonderaktionen platzieren könnten. „Wir arbeiten an Konzepten und prüfen, Pop-up-Stores in Hameln zu ermöglichen“, meldet Wahmes aus dem Rathaus. Das Thema stehe „ganz oben“. So ganz neu ist das Konzept für Hameln allerdings nicht: So nutzt Studio Fee aktuell das ehemalige Fotogeschäft Tessmann.

Straße aufmöbeln: Nicht allein mit Geschäften ließen sich Passanten locken. Mehr schattenspendendes Grün im Sommer und Spielgelegenheiten für Kinder wünscht sich der Osterstraßen-Anlieger Mönckemeyer. Wahmes ist auch hier skeptisch. Die Osterstraße sei „durch die hochwertige Gestaltung der Fußgängerzone“ schließlich bereits aufgewertet worden. „Es gibt dort auch ausreichend Grün und Sitzgelegenheiten.“ Mehr davon würde dann beim Aufbau für Mystica Hamelon oder Weihnachtsmarkt im Weg stehen oder Café- und Restauranttischen Platz wegnehmen. „Vorschläge für eine Bank an einer bestimmten Stelle“ könne die Verwaltung aber zumindest prüfen.

Konkurrenz vermeiden: Warum noch in die Innenstadt fahren, wenn schon der Markt am Stadtrand alle Einkaufswünsche erfüllt? Hat die Innenstadt zu viel Konkurrenz auf der „grünen Wiese“. So eine Konkurrenz könne entstehen, räumt Wahmes ein. Gegenmaßnahmen seien getroffen. Das Einzelhandelskonzept spricht von „zentrenrelevanten Sortimenten“. Diese Waren dürfen nur in bestimmten Bereichen – zum Beispiel dem Hefehof – und „Sonderstandorten“ wie Multimarkt und Böckler-straße an die Kundschaft gebracht werden, vor allem aber, wie der Name schon sagt: im Zentrum.