Stürmische Zeiten

Hameln-Pyrmont (mes). Sie tragen so unscheinbare Namen wie Bennet, Eberhard, Benjamin oder Thomas – doch in ihnen tobt es gewaltig: Deutschland – und auch der Landkreis Hameln-Pyrmont – wurden in diesem noch relativ jungen Jahr schon mehrfach von heftigen Stürmen gebeutelt. Sturmböen riefen immer wieder Feuerwehren und Dachdecker-Fachbetriebe aus dem Weserbergland zu Aufräum- und Reparaturarbeiten auf den Plan. Nicht selten haben die Bürger heutzutage das Gefühl: Nach dem Sturm ist vor dem Sturm. „Ein Sturmtief jagt das nächste“, teilte auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) vorgestern mit.

Stürme werden häufiger –

mehr Schäden an Dächern

„Die Dachdecker haben sehr viel zu tun und sind ausgelastet“, bestätigt Dachdeckermeister Hartmut Fischer. Der Vorsitzende der Dachdecker-Innung Hameln-Pyrmont hat festgestellt, dass die Sturmaktivitäten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben – gerade in den Monaten Dezember bis März. In Zeiten sich häufender und immer extremer ausfallender Wetterphänomene gilt es daher, Haus und Garten gegen die Wetterextreme zu schützen. Besonders gefährdet bei Sturm sind Häuser, die auf Anhöhen, Bergkuppen, Hanglagen oder auf freier Fläche stehen. Prävention sei immer noch der beste Schutz. Während bei Neubauten bereits geänderte Vorgaben bei Unwettern für mehr Sicherheit sorgen, besteht bei älteren Privatgebäuden oft Nachholbedarf. Gerade bei den Dachkonstruktionen hapert es. Dabei sind vorbeugende Maßnahmen unkompliziert. Sturmhaken und Verklammerungen geben Dachziegeln stabilen Halt bei der nächsten Sturmböe, während eine hölzerne Windrispe das Tragwerk von Dachstühlen versteift.

Im schlimmsten Fall kann der Sturm ganze Dächer abdecken. Solche Schäden müssen sofort repariert werden, um weiteren Schaden zu verhindern. So sollten Bewohner beispielsweise undichte Stellen im Dach schnellstmöglich provisorisch schließen lassen, um Böden, Möbel und Geräte zu schützen.

Um die Gefahr für Schäden am Haus zu minimieren, empfiehlt Hartmut Fischer einmal jährlich einen Dach-Check von einem Innungsfachbetrieb. „Überprüft werden sollten auch First, Schornstein und Fenster“, rät er. So könnten Schwachstellen ausgemacht und rechtzeitig repariert werden. Ein weiterer Tipp: Im Falle des Falles ist es sinnvoll, die Telefonnummer des Hausdachdeckers griffbereit zu haben, empfiehlt Fischer. Alternativ böten sich auch die Nummern der entsprechenden Innungsbetriebe an (Telefonbuch oder Homepage der Kreishandwerkerschaft).

Generell sollten Häuser regelmäßig vom Dach bis zum Keller auf potenzielle Schwachstellen bei Stürmen und Unwettern kontrolliert werden. Die Ziegel, die Dachdecker heute auf neuen Häusern befestigen, seien in der Regel sicher, solange nicht gerade ein Tornado unmittelbar darüber hinweg zöge, sagt Eva Reinhold-Postina, Sprecherin des Verbandes Privater Bauherren (VPB). Seit dem 1. März 2011 gelten für Dächer, die mit Dachziegeln oder Dachsteinen gedeckt sind, strengere Vorschriften zur Windsogsicherung. „In der Praxis bedeutet dies, dass Windlasten neu berechnet werden müssen und eine größere Anzahl von Dachziegeln als bisher künftig durch Verklammerungen mechanisch gesichert werden müssen“, erklärt Ulrike Heuberger, Pressesprecherin des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Auch die Versicherungsfrage sollte hinsichtlich der immer häufiger auftretenden Stürme im Auge behalten werden. So weiß Christian Worms, Pressesprecher der VGH Versicherungen Niedersachsen, dass viele Haushalte nicht gut genug versichert sind. „Nur eine Elementarschadenversicherung deckt wirklich alles ab. Viele haben sie aber gar nicht. Es fällt ihnen erst im Schadensfall auf.“ Er rät deshalb allen Eigentümern zu einem Update ihrer Versicherung.

Ab Windstärke 8 spricht

man von einem Sturm

Laut gängiger Versicherungsbedingungen spricht man ab einer wetterbedingten Luftbewegung mit Windstärke acht von einem Sturm, dies entspricht einer Windgeschwindigkeit von über 62 Stundenkilometern. Von großer Bedeutung ist es, den Sturmschaden unverzüglich der Versicherung zu melden. Danach ist man zwar in der Pflicht, erste Maßnahmen zu treffen, um Folgeschäden am Dach zu vermeiden, allerdings sollte man davor unbedingt Fotos machen. Diese ersetzen nicht das Gutachten der Versicherung, halten jedoch zumindest den Schaden am Dach direkt nach der Entstehung fest.

Auf der HALLO-facebook-Seite gibt‘s den Wetterrückblick auf Februar, der dokumentiert, dass es viel zu warm war. Steigende Temperaturen (Stichwort Treibhauseffekt) sind ein Auslöser für Stürme.