10 Euro pro Quadratmeter – mit Top-Sehenswürdigkeit

Hameln. Um die zwölf Maklerbüros versuchen derzeit, im Auftrag diverser Eigentümer Objekte in Hamelns Altstadt an den Mieter zu bringen. Dabei hakt es offenbar an mehreren Stellen. Der Ruf „Senkt die Mieten!“, hallt oft als erstes durch die Straßen, wenn Häuser über mehrere Monate leer stehen und wenig (sichtbare) Bewegung auf dem Markt herrscht. „Verschenken können wir’s nicht“, macht aber Carsten Drewitz von Drewitz-Immobilien deutlich, der für ein Haus an der Osterstraße einen Mieter sucht.

Keine 10 Euro pro Quadratmeter möchte der Eigentümer für insgesamt 307 Quadratmeter erzielen. „In so ’ner Lage mit der Top-Sehenswürdigkeit der Stadt direkt gegenüber…“, wirbt Drewitz für die Sichtweise, dass das nicht zu viel verlangt ist. Damit bewegt er sich im Rahmen dessen, was auch Christoph Ziercke von der Wertermittlung GmbH derzeit in Hamelns Innenstadt, je nach Lage, für erzielbar hält: „12 bis 15 Euro für ein topsaniertes Objekt und 7,50 bis 9,50 Euro für ein unsaniertes.“ Der Blick ins Internet verrät schnell, dass nicht alle Eigentümer diese Vorstellung teilen. Über 20 Euro pro Quadratmeter verlangt jemand, über 30 Euro ein anderer.

Die Überlegung, lieber keine Mieteinnahmen zu erzielen als niedrige(re), ist für manchen schwer nachzuvollziehen. Carsten Drewitz startet einen Erklärungsversuch und zieht dafür die Immobilien-Finanzierung durch Banken heran, die eine bestimmte Miete als Berechnungsgrundlage haben und die vom Vertrag ausgehend in die Zukunft projiziert wurde. Dass der Markt das nicht mehr hergibt – was in vielen kleineren Mittelzentren wie Hameln der Fall sei –, steht auf einem anderen Blatt. Aber „solange die nicht mit dem Rücken zur Wand stehen“, sagt Drewitz über manchen Immobilieneigentümer und beendet den Satz nicht. Klar wird: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, die, dass doch noch ein Interessent hereinschneit und das Objekt zu den vom Eigentümer gewünschten Konditionen mietet.

Klaus Wendte, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, zählt zu den Eigentümern, die den Leerstand genutzt haben, um ihren Laden an der Emmernstraße zu sanieren. Die Heizungsanlage musste erneuert werden, Boden und Wände wurden nivelliert. Seit einem Jahr stehe das Objekt jetzt leer, auch weil „wir Probleme hatten, Handwerker zu bekommen“, erzählt Wendte. Sie hätten auch versucht, von der Stadt Geld zu bekommen, „weil es doch immer hieß, dass die Mittel aus dem Fördertopf nicht abgerufen wurden“. Drei Kostenvoranschläge habe er eingeholt und damit Arbeit gehabt – finanzielle Unterstützung aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz gab es am Ende nicht. Warum nicht? „Weiß ich nicht.“

Die Zeiten jedenfalls, in denen die Mieteinnahmen nur so sprudelten, sind vorbei. Für die insgesamt 160 Quadratmeter für Lager, Laden und Nebenraum möchte Wendte 1000 Euro Kaltmiete erzielen. Er hofft – wie manch anderer – darauf, dass auch aus der Stadtgalerie wieder Mieter abwandern und sich vielleicht eine Ladenfläche in der Innenstadt suchen.

Ob ein Konzept für Pop-up-Stores, also für begrenzte Zeit geöffnete Läden, eine Lösung sein kann, um die Leerstände zumindest temporär zu beseitigen, ist offen. Bad Pyrmont probiert genau das zurzeit aus. Makler Drewitz ist skeptisch, denn: Dafür müssten wiederum die Eigentümer mitspielen, von denen einige keine Lust auf Experimente hätten. Und das Interesse an kurzfristigen Vermietungen sei eher gering. Was also tun?

„Die Stadt sollte versuchen, die Eigentümer an einen Tisch zu holen“, schlägt Christoph Ziercke vor. Um über mögliche Mieteinnahmen, die Notwendigkeit, zu sanieren oder auch Förderung zu sprechen. Das wiederum ist leichter gesagt als getan, weil sich unter den Eigentümern Investment-Gesellschaften befinden. Oft pflegen die Makler noch den engsten Kontakt zu den (Privat-)Eigentümern, doch auch ihr Einfluss ist begrenzt. „Wir können auch nicht das Rad neu erfinden“, so Drewitz. Man gucke unter den Bestandsklienten nach Interessenten, hänge Schilder in die Schaufenster und natürlich werde im Internet inseriert. „Das nicht zu nutzen, wäre fatal.“

Die Anzahl der dafür genutzten Plattformen ist überschaubar: Die meisten Anzeigen finden sich derzeit bei Immobilienscout24; 28 Ladenflächen in Hameln, davon die meisten in der Innenstadt. Bei der Plattform free-ihk-hannover.de dagegen sind gerade einmal vier Anzeigen eingestellt. Vor einigen Jahren hatte Hameln auch noch eine eigene Internetseite, auf der zu vermietende Flächen eingetragen werden konnten. Die wurde eingestampft, weil sie laut Stadtverwaltung nicht genutzt worden sei.