Wo die Geschichte lagert

Bad Pyrmont. Wie viele Akten genau die Stadt Bad Pyrmont im Rathaus lagert, ist auch auf Nachfrage nicht in Erfahrung zu bringen. Jedes der aktuell sechs Fachgebiete und die Stadtforst haben ihre eigenen Archive. Klar ist, dass einiges zusammenkommt und klar ist, dass der Platz begrenzt ist. Darum werden Altakten regelmäßig ins Stadtarchiv ausgelagert. Hier nimmt sie Archivar Dr. Dieter Alfter unter die Lupe, um zu klären, was archivwürdig ist.

Das berichtete der Erste Stadtrat Eberhard Weber anlässlich des ersten Archivtreffens der Regionalgruppe Südniedersachsen im Verband Niedersächsischer Archivare und Archivarinnen (VNA) in Bad Pyrmont. Für Alfter sind besonders die Akten aus dem Baudezernat wie Bauanträge, Pläne und Zeichnung und andere Unterlagen von Interesse. „Solche Unterlagen helfen dabei zu verstehen, wie sich Menschen zu welchen Entscheidungen durchgerungen haben“, meint der Stadtarchivar. „Egal, ob die Entscheidung richtig oder falsch war.“ Diesen Zugang offenzuhalten, auch um aus der Erfahrung zu lernen, sei Aufgabe der Archive. Er halte es für wichtig, Diskussionen über Bad Pyrmont vor dem Hintergrund von Wissen zu führen und dabei das Stadtarchiv viel mehr einzubinden, betonte er.

Staatsbad verfügt

über alte Kurlisten

Es war das allererste Treffen der Archivare überhaupt in Bad Pyrmont. Wohl auch deshalb, weil die Pyrmonter erst seit gut zwei Jahren über die neuen (und vorzeigbaren) Räume an der Rathausstraße 7 verfügen. Unter der Leitung der Hamelner Stadtarchivarin Silke Schulte tauschten sich zwölf hauptberufliche und ehrenamtliche Registratoren aus Südniedersachsen über ihre Arbeit aus und bereiteten den nächsten Niedersächsischen Archivtag vor.

„Es war ein Gedankenaustausch darüber, was ein Archiv zu leisten hat und welche Schwerpunkte es gibt“, so Alfters anschließendes Fazit. Besonders interessant sei es gewesen, zu erfahren, welche Fördermöglichkeiten es gibt, Verstärkung für sein Zwei-Mann-Team zu erhalten, dem außer ihm selber nur noch Udo Lehmann angehört, und gelegentlich gibt es Hilfe von der Stadtbibliothek. „Das Material, das wir zu sichten haben, ist gigantisch groß. Da brauchen wir dringend Unterstützung. Dabei könnte das Bundesteilhabegesetz zur Beschäftigung von behinderten Menschen helfen.“

Weber berichtete den Besuchern, dass geplant sei, einen Raum in der ersten Etage für das Archiv des Staatsbades Pyrmont zur Verfügung zu stellen. „Das Staatsbad hat zum Beispiel Kurlisten, Unterlagen über den Kurpark, viele schöne und seltene Fotos“, schwärmte Alfter. „Dieses Archiv hier unterzubringen, hat Sinn, um es möglichst vielen Besuchern zugänglich zu machen, und Platz haben wir dafür auch.“

Bad Pyrmonts Kurdirektor Maik Fischer begrüßte auf Anfrage dieses Ansinnen. Das sei zuletzt im November 2018 Thema gewesen, dann aber wieder zu den Akten gelegt worden. „Man muss sehen, was doppelt vorhanden ist, aber ich fände es gut, wenn beide Archive zentral untergebracht sind“, erklärte Fischer.