Mehr Frauen auf der Pirsch

Weserbergland (lm). In Deutschland haben 384000 Menschen einen Jagdschein. Nur sieben Prozent davon sind weiblich. Allerdings: Ihr Anteil steigt seit einigen Jahren deutlich stärker. Immer mehr Frauen begeistern sich für eine Ausbildung zur Jägerin. Das bestätigt auch Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Viele Faktoren würden dabei eine Rolle spielen. „Es ist vor allem wichtig, dass man sich gerne in der Natur aufhält und sich für den angewandten Naturschutz interessiert“, sagt Ziegler.

In der Kreisjägerschaft Hameln-Pyrmont sind rund 1080 Mitglieder gemeldet, davon etwa zehn Prozent Frauen. Der Anteil liegt also höher als im Bundesdurchschnitt. Und: Von den acht Teilnehmern der zurzeit laufenden Jägerprüfung sind drei Frauen. Laut Jürgen Ziegler eine komfortable Situation insofern, „als dass Frauen kein bisschen schlechtere Prüfungsergebnisse erzielen und auch keine größeren Berührungsängste mit erlegtem Wild haben“. Was sie alle mitbringen müssen, ist die waidgerechte Freude an der Jagd, die nur möglich ist mit einem gut ausgebildeten Jagdhund. Die Ausbildung umfasst Themen wie Jagdpraxis, Wildbiologie, Wildkrankheiten und die Behandlung von erlegtem Wild. Außerdem Waffenkunde, Hundewesen und Rechte (etwa Jagd-, Tier- und Naturschutz) sowie Sicherheitsbestimmungen. In der Praxis wird dieses Wissen durch Exkursionen und Reviererkundungen geschult.

Ein weiterer Bereich ist die Schießausbildung. „Der sichere Umgang mit der Waffe ist wichtig“, sagt Jürgen Ziegler. Dass damit eine große Verantwortung gegenüber Tieren, Menschen und sich selbst verbunden ist, sollte klar sein. Und es gilt, grundsätzlich seine eigenen Grenzen überschreiten zu müssen. „Wenn Wildunfälle passieren und man tote Tiere entfernen muss, dann ist das keine schöne Aufgabe, aber es gehört dazu. Die Ausübung des Jagens ist das Leben einer großen Passion“, sagt Jürgen Ziegler.

In Baden-Württemberg entstand jüngst die Idee des „Jägerinnen-Forums“, das über den Deutschen Jagdverband auch nach Niedersachsen weitergetragen wurde. Es handelt sich um eine Plattform, die es Jägerinnen ermöglicht, Informationen und Erfahrungen auszutauschen sowie das wachsende Engagement an die Öffentlichkeit zu tragen, um die Tradition und Natur zu unterstützen und das Interesse für die Jagd zu wecken. Vergangenen Monat fand laut Jürgen Ziegler im Jagdschloss in Springe die Auftaktveranstaltung des neugegründeten Forums statt. Durch die rege Teilnahme an diesem Projekt, angeschoben von der Landesjägerschaft Niedersachsen, ist dieses Jägerinnen-Forum auch für Hameln vorgesehen. Das Alter spielt dabei keine Rolle, manche Mädchen beginnen mit 16 Jahren, ihren Jagdschein zu erwerben. Andere kommen sehr viel später auf die Idee. Fakt ist: Jagd und Jägerschaft erleben einen weiblichen Aufschwung.