Sinn und Zweck in Frage gestellt

Hameln-Pyrmont. Leere Reihen in der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe. Die Stelle ist mal wieder völlig unbesetzt. Woran liegt das? Was ist mit ihren Aufgaben, wenn kein Personal da ist, um sie zu erledigen? Und dann drängt sich noch die Frage nach Sinn und Zweck einer Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe auf, wenn sie nur schwer besetzt werden kann und sich die Welt beziehungsweise der Landkreis auch ohne sie weiterzudrehen scheint.

„Aktuell sind beide Stellen der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe unbesetzt“, so Kreissprecherin Sandra Lummitsch. Zuletzt hatte Laura Gravenhorst eine der beiden Stellen inne. Es war ein kurzes Intermezzo. Denn jetzt ist auch sie wieder weg. Zwei unbesetzte Vollzeitstellen – bleibt da nicht zwangsläufig Arbeit liegen?

Denn die Liste der Aufgaben der Koordinierungsstelle ist lang. Dazu zählen laut Kreissprecherin unter anderem die Koordination von Projekten, aktuell gelte das für „Jugend Stärken im Quartier“ am Kuckuck sowie für „Junges buntes Leben im Englischen Viertel“ und „Dialog macht Schule“, die Organisation und Begleitung des „Tages der Kulturen“, die Organisation des interreligiösen Dialogs, die Organisation von Netzwerktreffen mit anderen Koordinierungsstellen, die fortlaufende Bestandsaufnahme und Analyse der Situation von Migranten im Landkreis Hameln-Pyrmont, die Betreuung des Migrationsrates sowie die Erstellung und Fortschreibung eines lokalen Handlungskonzepts. Liegen bleibe von all diesen Aufgaben laut Kreishaus allerdings nichts. „Die anfallenden Arbeiten werden vorübergehend vom Team Inklusion mit übernommen“, sagt die Kreissprecherin.

2014 wurde die vom Land Niedersachsen sowie vom Landkreis selbst finanzierte Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe bei der Kreisverwaltung eingerichtet. Besetzt wurde sie damals mit dem bis dato beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Hameln-Pyrmont als Integrationsbeauftragter beschäftigten Dr. Feyzullah Gökdemir sowie mit einer halbe Stelle. Seitdem wurde die Koordinierungsstelle zwar auf zwei volle Stellen aufgestockt – doch das Personalkarussell drehte sich in rasantem Tempo. Die Bilanz des Kreishauses: „Bislang waren dort seit 2014 insgesamt sechs Personen angestellt“, sagt Kreissprecherin Sandra Lummitsch.

Feyzullah Gökdemir wechselte Ende 2016 an die „Fachhochschule des Mittelstands“ in Bielefeld. Nachfolgerin Karima Azouagh kehrte dem Landkreis zum 1. August 2017 den Rücken zu, um nach Göttingen zu wechseln. Seit einigen Wochen ist nun auch Laura Gravenhorst nicht mehr beim Landkreis Hameln-Pyrmont beschäftigt. Von der anderen der beiden Stellen ganz zu schweigen.

Wirklich erklären kann sich das Kreishaus die hohe personelle Fluktuation offenbar nicht. „Als Arbeitgeber bieten wir attraktive Arbeitsplätze, die grundsätzlich auch auf eine dauerhafte Besetzung abzielen“, sagt die Kreissprecherin. „Warum das nicht immer gelingt, liegt letztlich auch an den Stelleninhabern, die sich im Falle eines Weggangs vor allem aus persönlichen Gründen umorientieren.“

Das Kreishaus ist jedenfalls zuversichtlich, dass die Koordinierungsstelle schon in Kürze wieder besetzt sein wird. „Beide Stellen waren ausgeschrieben, und momentan laufen die Vorstellungsgespräche“, teilt die Kreissprecherin mit. „Insofern sind wir zuversichtlich, zeitnah nachbesetzen zu können.“