Hummeltaumel

Hameln-Pyrmont (mes). Wo es früher summte, ist es heute mitunter leise, sehr leise. Aus dem Saus und Braus bestäubender Insekten sind erlahmte Flügelschläge geworden. Wissenschaftler schlagen Alarm. Zahlreiche Schmetterlingsarten sind vom Aussterben bedroht, vom Bienensterben ist die Rede, und Naturschützer beklagen ein massenhaftes Sterben von Hummeln mitten im Sommer. Fakt ist: Das Weserbergland befindet sich ebenso in dieser Krise der Natur.

Die Ursachen sind vielfältig – der Einsatz von Pestiziden, gentechnisch veränderte Pflanzen und immer weniger natürliche Grünflächen sollen eine Rolle spielen. Im Landkreis Hameln-Pyrmont sind Naturschützer und -liebhaber daher bereits zur Tat geschritten. So entstand im vergangenen Jahr eine Blumenwiese am Postweg in Bad Pyrmont. „Wir haben wegen des Artensterbens nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern den Spaten in die Hand genommen“, sagte Steffi Maltzahn, Vorsitzende des örtlichen Naturschutzbundes, anlässlich der Einweihung. Sie lädt jetzt zu einem „Runden Tisch Artenschutz“ ein, der am Freitag, 26. April, von 16 bis 17 Uhr im Ratssaal stattfindet. Neben den Kooperationen bei großflächigen Maßnahmen mit dem Stadtforst auf der Reiterwiese an der Sennhütte oder dem Staatsbad auf der Streuobstwiese im Bergkurpark gebe es eine Vielzahl von privaten und größtenteils unbekannten Initiativen. Für den Naturschutzbund gehe es darum, gemeinsam die Ideen und Projekte weiterzuentwickeln.

Für die biologische Vielfalt engagiert sich auch die Stadt Hessisch Oldendorf schon seit mehreren Jahren. Deshalb werden in den kommenden Wochen an vielen Stellen, die in kommunaler Obhut sind, Narzissen, Obstbäume und Wildgehölze erblühen. Auch die Politik in der Stadt hat sich der Thematik angenommen: Auf Initiative des Stadtrates werden auf verschiedenen städtischen Flächen Blühstreifen neu angelegt. „Wir haben dafür Bereiche am Weserradweg, auf den Friedhöfen in Großenwieden, Heßlingen, Rumbeck und Langenfeld, am Fuhler Kreisel, in Lachem und Welsede und auch am Rathaus vorgesehen“, sagt Andreas Hunte, für die Grünflächen zuständiger Verwaltungsmitarbeiter im Rathaus.

Die Frage ist: Wie und wo

können Blühstreifen enstehen?

Und: „Wir haben einen Stammtisch ins Leben gerufen, an dem Imker, Landwirte und der Nabu teilnehmen“, so Hans Arend, Pressewart beim Bund Hameln-Hessisch Oldendorf-Aerzen. Derzeit werde überlegt, wie ein Blühstreifen in Barksen eingerichtet werden kann. Und auch die Bürger können helfen: Erhältlich sind im Bürgerbüro des Rathauses Tütchen mit einer Wildblumen-Mischung, die für eine Fläche von circa fünf Quadratmetern ausreicht. Wer Interesse hat, kann sich das Saatgut kostenlos abholen, es aussäen und von Juni bis Oktober die Blütenpracht genießen.

Das alles erweckt den Eindruck, dass immer mehr Menschen zur Tat schreiten. Weil sie wissen: Ohne Bienen stirbt der Mensch! Laut einer Studie, die im Herbst 2017 im Fachmagazin „Plos One“ veröffentlicht wurde, hat die Gesamtmasse an Insekten in den vergangenen 27 Jahren in Teilen Deutschlands um mehr als 75 Prozent abgenommen. Wissenschaftler werteten für die Langzeitstudie Daten aus, die ehrenamtliche Insektenkundler aus Krefeld gesammelt hatten. Die Forscher verglichen, wie sich in einzelnen Lebensräumen wie Heidelandschaften, Graslandschaften oder auf Brachflächen die Biomasse über die Zeit verändert hatte. Als Gründe für das dramatische Insektensterben vermuten Wissenschaftler unter anderem die intensivierte Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln.

Was kann jeder Einzelne tun? Beim Pflanzenkauf auf Vielfalt achten! Attraktiv sind heimische Wildblumen sowie Kräuter wie Lavendel, Oregano oder Thymian, die ausreichend Nektar und Pollen bieten. Statt hochgezüchteter Edelrosen sind Wildrosen empfehlenswert. Pflanzen mit gefüllten Blüten bieten dagegen häufig nicht ausreichend Nahrung für die Tiere. Meist handelt es sich dabei um speziell gezüchtete Hybridpflanzen, die keine Pollen oder Nektar produzieren. Es gibt auch spezielle Saatgutmischungen, die beispielsweise für Bienen oder Schmetterlinge interessant sind.