Ziemlich rasante Kettenreaktion

Hameln-Pyrmont (ey). Führungswechsel auf den Radwegen: Immer mehr sind mit Stromunterstützung unterwegs, fahren Pedelec respektive E-Bike und kommen auf diese Weise ziemlich locker und fix auf 25 Kilometer pro Stunde. Das bringt aber nicht nur neue Freude am Fahren, sondern auch Probleme mit sich. Das Risiko von Stürzen steigt vor allem deshalb, weil ältere Menschen, die schon einige Jahre nicht mehr auf dem Sattel eines Fahrrads gesessen hatten, nun mit E-Unterstützung und ohne Erfahrung durchstarten. Und die Zahl der Unfälle, an denen „motorunterstützte Fahrräder“ beteiligt waren, ist im Bereich der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden innerhalb eines Jahres um das Dreifache angestiegen!

Im Grunde also eine rasante Kettenreaktion, die sich auf den Wegen und Straßen gerade darbietet. Die gute Nachricht: Grundsätzlich sind polizeilich registrierte Crashs mit Fahrradbeteiligung rückläufig. „2008 ergab die Auswertung 201 Unfälle, im vergangenen Jahr waren es 181“, sagt Matthias Feldmann, bei den heimischen Ordnungshütern Sachbearbeiter Verkehr. Die schlechte Nachricht: Die Hemmschwelle, klassische Fahrradfahrer, die nichts mehr als ihre Muskelkraft zum Antrieb haben, werden mal eben forsch zur Seite geklingelt. Horst Maler, Vorsitzender des Kreisverbands Hameln-Pyrmont im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), sieht das allerdings nicht so: „Ein solcher Fall ist mir nicht bekannt. Wenn so etwas passieren sollte, wäre das natürlich nicht gut. Grundsätzlich muss man aber schon auch sagen, dass man mit einem Pedelec oder E-Bike schneller unterwegs ist. Dadurch ergeben sich auf Radwegen schlichtweg andere, neue Verhältnisse.“

Verhältnisse, die nicht immer jedem gefallen. Offensichtlich scheint sich eine Kluft zwischen Radfahrern aufzutun. Schuld? Schuld ist keiner. Vielmehr hat die rasante Entwicklung auf dem Bike-Markt ihre Spuren hier hinterlassen. Steckte das Thema E-Bike und Pedelec noch vor einem Jahrzehnt in den Kinderschuhen, schreitet der Verkauf jetzt im Galopp voran. „Mindestens die Hälfte aller Fahrräder, die ich verkaufe, sind E-Bikes beziehungsweise Pedelecs. Das ist aber auch gut, denn sie locken wieder einige Menschen aus dem Sessel und führen zu mehr Aktivität“, sagt Stephan Troche, Inhaber des Hamelner Fachgeschäfts an der Kreuzstraße. In der Tat: Treten muss man auch bei motorunterstützten Fahrrädern. Für Bewegung ist also gesorgt.

Die Tücke: „Man startet schneller und kommt fix auf hohe Geschwindigkeit. Wer das nicht gewohnt ist, läuft Gefahr, schwer zu stürzen oder Verkehrssituationen falsch einzuschätzen“, sagt Matthias Feldmann. Aus diesem Grunde habe die Kreisverkehrswacht auch schon Übungsfahrten mit Pedelecs durchgeführt. „Und einen Helm tragen, ist auf einem solchen schnellen Fahrrad erst Recht sinnvoll“, fügt der Polizeihauptkommissar an. Bei vielen dürfte er damit auf offene Ohren stoßen, seltsamerweise nicht beim ADFC. Grundsätzlich ist der Bundesverband der radfahrenden Bevölkerung gegen eine Helmpflicht, weil der Helm suggeriere, dass Fahrradfahren gefährlich sei… Immerhin sieht der Vorsitzende der ADFC-Kreisvereinigung das konträr: „Ich persönlich ziehe es vor, immer einen Helm aufzusetzen. Das ist sicherer – übrigens nicht nur für die ’normalen‘ Radfahrer, sondern auch für solche, die mit Stromunterstützung auf Touren kommen.“ Und die werden immer mehr. Bei Ausfahrten, die vom ADFC organisiert werden, schätzt Maler den Anteil an motorunterstützten Fahrrädern auf mittlerweile 60 bis 70 Prozent.

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