Studentinnen packen das Scala an

Hameln. Der einstige Glamour des Scala an der Deisterstraße ist noch zu erahnen. Die Säulen, der große Schriftzug, die noch im Ansatz nachzuempfindende Glasfassade im Obergeschoss, all das zeugt von besseren Tagen, in denen im Scala noch Leben herrschte. Erst Kino (bis 1985), später Disco, Clubs, Imbisse, doch das war einmal. Seit Jahren steht das Objekt leer. Das hinterlässt Spuren. Hier und da bröckelt der Putz. Doch kommt jetzt wieder Bewegung in die Sache? Zumindest hat es weitere Eigentümerwechsel gegeben. Unterdessen entwerfen zwei Architekturstudentinnen Zukunftsvisionen für das historische Gebäude.

Es ist Anfang Januar, als sich Alisa Giesler und Inès Gartlinger von der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn im Hamelner Stadtarchiv durch die Akten wälzen. Für ihre Bachelorarbeit suchen sie nicht zuletzt alte Fotos vom Scala. Die Suche gestaltet sich schwierig. Das Bildmaterial zu dem unter Denkmalschutz stehenden Objekt ist dünn gesät, wie Archivar Olaf Piontek bestätigt. Die Wahl der Studentinnen aus Alfter fiel auf das einstige Kino, weil Alisa Giesler, wie sie erzählt, in Hameln geboren und aufgewachsen sei.

In der Abschlussarbeit der zwei, die unter dem Oberbegriff Gebäudeleerstand steht, geht es ihnen „darum, keine standardisierte Antwort für ein konkretes Gebäude zu finden, sondern den gesamten Kontext vor Ort mit einzubeziehen und eine ganzheitliche Lösung zu finden“, sagt Alisa Giesler. Sie meint, dass das Scala für viele „zur eigenen Stadtidentität“ gehöre und „mit dem prägnante Erinnerungen und Erlebnisse verbunden“ seien. „Der erste Kinobesuch, Kneipenabende, durchgetanzte Nächte in der Disco“, zählt sie auf. Diese Identität gelte es zu erhalten.

Dafür wollen sie Lösungen entwickeln, für eine zeitgemäße Nutzung. Sie wollen Konzepte aufzeigen, wie das Gebäude aus dem Leerstand geholt werden könnte. Eine Option wäre etwa, dass die Stadt das Gebäude aufkauft und dann entweder in eigener Sache nutzt oder „zu günstigen Konditionen an Kreative, soziale Einrichtungen, vereine oder generell Mietinteressierte“ weitervermietet oder -verkauft. Denkbar sei auch ein Mieterlass, indem die Mieter, beispielsweise Gastronomen, Kinobetreiber oder Kulturveranstalter, die Miete sozusagen „mit Arbeit für das Quartier bezahlen“. Denkbar sei auch eine Interessengemeinschaft, die für die Erhaltung des Gebäudes durch Förderprogramme unterstützt werden könnte. Vorstellen können sich die beiden Architekturstudentinnen auch eine touristische Nachnutzung, bei welcher der Schwerpunkt auf das baukulturelle Erbe der Stadt und damit auch auf Wilhelm Vollmer gelegt würde. Der Architekt hatte das Gebäude im Auftrag des Fleischermeisters und späteren Bundestagsabgeordneten Fritz Mensing 1952 erbaut… Im Detail sollen die Optionen für die Nachnutzung, aber auch die Geschichte des Gebäudes noch im Laufe des Jahres in ihrer Bachelorarbeit nachzulesen sein.

Unterdessen hat es weitere Eigentümerwechsel gegeben. War die Immobilie 2016 Eigentum der Beteiligungsgesellschaft Wallace Properties Sàrl in Luxemburg, war sie zuletzt im Besitz der Adler Real Estate AG in Berlin. Allerdings sei das Objekt „vor kurzem verkauft worden“, wie Dr. Rolf-Dieter Grass, Sprecher der Adler Real Estate, auf Anfrage mitteilt, und zwar an die Caesar-JV lmmobilienbesitz- und Verwaltungs-GmbH in Berlin. Letztere war gestern bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Aufruf: Alisa Giesler und Inès Gartlinger suchen noch nach Fotos und Anekdoten aus dem „Innenleben“ des Scalas. Aus diesem Grund legen die beiden in diesen Tagen 400 Postkarten mit Scala-Motiv („Erzählen Sie doch mal!“) in Geschäften und Einrichtungen aus, auf denen die Hamelner ihre Erinnerungen teilen und kostenlos an die Studentinnen zurückschicken können – oder einfach eine Mail schicken an scala.hameln@gmail.com.