Boom ums Huhn und Ei, Ei, Eier

Weserbergland (ey). Alle reden an Ostern von Hasen, von Hühnern ist seltener die Rede. Dabei dürfte klar sein, dass Meister Lampe keine Eier legt, sondern glücklich glucksende Hennen. Ostern ist denen piepegal, die legen jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei. Und dies immer öfter auf privatem Grundstück, denn laut Peter Jahn, Mitglied im Präsidium des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter und in Pötzen bei Hessisch Oldendorf mit Frau Barbara einen Garten mit reichlich Platz für manches Federvieh beackernd, gewinnt das Huhn auf eigener Scholle für viele Menschen im Weserbergland mehr und mehr an Bedeutung.

Brakelhuhn, Ramelsloher

und Ostfriesische Möwe

„Eier aus dem eigenen Hühnerstall – immer mehr Familien setzen dieses Projekt in die Tat um“, sagt Peter Jahn. Verstehen kann es der Fachmann nur zu gut, nicht allein aus lukullischer Perspektive. „Auf diese Weise lassen sich alte Rassen erhalten. Die industrielle Viehwirtschaft macht das nämlich nicht.“ Das Brakelhuhn, Ramelsloher, Ostfriesische Möwe, Dresdner – diese und weitere klassische Hühnerrassen bieten sowohl hohe Legezahlen als auch gutes Fleisch. Laut Peter Jahn ein Riesenunterschied zu den Rassen in der industriellen Geflügelhaltung, „da geht‘s nur um schnell wachsendes, billiges Fleisch“.

Es klingt banal, aber viele

wollen zurück zur Natur

Zurück zur Natur also? Hört sich banal an, stimmt aber in Teilen, denn eine größere Anzahl Menschen als bisher wünscht sich mehr Freiheit und schärft ihr Umweltbewusstsein. Die Folge: Aus bislang ungenutzten Parzellen werden Nutzgärten, und selbst wo relativ wenig Platz vorhanden ist, entstehen Hühnergehege mit teils sehr hübschen Ställen. Matthias Großmann aus Wehrbergen, Inhaber der Stauden-Gärtnerei Junge, ist vor etwa zwei Jahren auf das Huhn gekommen. Einen alten Kaninchenstall hat er zum Hühnerhaus umfunktioniert. Die Haushuhnrasse Dresdner beschert ihm täglich frische Eier. „Arbeit machen die schon, aber eben auch Spaß. Außerdem hält sich der Aufwand in Grenzen. Wichtig ist, die Hühner mit gutem Futter zu verwöhnen, was allerdings eigentlich nur bedeutet, dass sie neben Getreidekörnern noch Löwenzahn und anderes Grünzeug bei uns bekommen – das wäre es dann schon.“ Die fünf Haushühner würden zusammen täglich drei bis vier Eier legen. Ja, und natürlich haben sie Namen…

Die vom Hof Munzel-Piepenbrink in Bessingen haben keine Namen. Das ist kaum verwunderlich, denn da sind‘s ein paar mehr. Freilaufend dennoch. Und schon allein die Tatsache, dass Geschäftsführerin Cathrin Piepenbrink nicht nur die Hühner, sondern auch die Facebook-Seite über Federvieh und Eier topaktuell am Laufen hält, hebt die größere Bedeutung des Themas aktuell hervor. „Ostereier färben? … Braucht ihr nicht! Diese schönen Eier legen unsere Marans (schokobraun), Araucaner/Grünleger (grün), Lohmann (braun), (weiße) Leghorn und Rotkopf-Wachteln“, postete Cathrin Piepenbrink dieser Tage und stellte ein Foto dazu, das den Wunsch nach eigenen Hühnern im eigenen Garten eigentlich nur noch befeuern kann.

Aber bitte nicht im Geheimen, denn es besteht eine Registrierungspflicht. „Sie gilt ab dem ersten Huhn und der ersten Taube. Die zuständige Stelle ist das Veterinäramt beim Landkreis Hameln-Pyrmont. Die Hühner müssen zusätzlich bei der Niedersächsischen Tierseuchenkasse gemeldet werden. Die Tauben sind dort von der Meldepflicht befreit“, sagt Janine Herrmann, Sprecherin der Stadtverwaltung Hameln. Das wäre es dann schon. Das frühmorgendliche Krähen mag bei manchem Nachbarn für Unmut sorgen, aber grundsätzlich kann er wenig dagegen unternehmen. Hühner kann man aber auch ohne Hahn halten.