Zweifel an Noten für Pflegeeinrichtungen

Bad Pyrmont. Wer in Bad Pyrmont eine stationäre Pflegeeinrichtung sucht, der hat offenbar eine gute Auswahl. Von zehn gelisteten örtlichen Einrichtungen schneiden gleich drei mit der bestmöglichen Note 1,0 (sehr gut) ab, sieben werden als sehr gut bis gut eingestuft. Das geht aus dem aktuellen „vdek-Pflegelotsen“ hervor. Doch sind diese Noten wirklich realistisch? Experten bezweifeln dies.

Die Landesverbände der Pflegekassen beauftragen den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) in jeder zugelassenen Pflegeeinrichtung mindestens einmal im Jahr eine unangemeldete Qualitätsprüfung durchzuführen. Aktuelle Spitzenreiter sind das Pflegeheim „Haus am Moorteich“, die Kurzzeitpflege „St. Laurentius“ und die stationäre Pflegeeinrichtung „providenzia“ der m&i-Fachklinik. „Die Prüfer des MDK legen bei ihren landesweiten Kontrollen vor allem auf die vier Bereiche Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit demenzkranken Bewohnern, soziale Betreuung und Alltagsgestaltung sowie Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene großen Wert“, erläutert Peter Middel von der m&i-Klinik, der sich darüber freut, dass die „providenzia“ ihr bisher schon sehr gutes Ergebnis nicht nur erneut bestätigen konnte, sondern sich sogar von der Note 1,1 auf die Note 1,0 leicht verbessert hat.

Diese Gesamtnote errechnet sich aus den vier genannten Bereichen, die insgesamt 59 Einzelkriterien beinhalten. Ergänzt werden die objektiven Prüfergebnisse jeweils durch eine Kundenbefragung bei ambulanten Pflegediensten beziehungsweise durch eine Befragung der Bewohner der Pflegeeinrichtung. Die Noten hierfür werden jeweils separat ausgewiesen und gehen nicht in die Durchschnittsberechnung der Gesamtnote einer Pflegeeinrichtung ein.

Untersucht worden sind auch ambulante Einrichtungen in der Kurstadt. Für vier von insgesamt elf Pyrmonter Diensten – „C. Vogt/G. Spreier“, Heike Rüsenberg, DANA GmbH, LebensWert GmbH und Pflegedienst Wohnstift Bad Pyrmont – gibt es die Bestnote 1,0. Alle anderen liegen zwischen sehr gut und gut. Einige Ergebnisse stammen aber noch aus dem vergangenen Jahr.

Der Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) nimmt für sich in Anspruch, über die Qualität der einzelnen Einrichtungen auf Grundlage objektiver Prüfergebnisse zu berichten. Doch die Darstellung der Pflegequalität in Pflegenoten ist in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten, weil Qualitätsmängel der Einrichtungen für Verbraucher nicht klar erkennbar sind und die Pflegenoten nur eine begrenzte Aussagekraft haben, weil nahezu alle Einrichtungen sehr gute Ergebnisse erzielen.

Diese Kritik teilt auch Michael Wyrwoll von der Heimaufsicht des Landkreises Hameln-Pyrmont, der erst jüngst von zum Teil erschreckenden Zuständen in einigen stationären Pflegeheimen im Landkreis berichtet hatte. Für ihn sind die Ergebnisse der Qualitätsprüfung durch den MDK in vielen Fällen nicht aussagekräftig. „Hier werden Durchschnittswerte gebildet, die auch profane Kriterien berücksichtigen, die das gesamte Ergebnis nivellieren. Das hilft niemandem“, betont er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Pflegenoten stellen laut Wyrwoll auch für die Mitarbeiter der Heimaufsicht ein erhebliches Problem dar. „Bei Kritik an einer Einrichtung werden wir oft auf die guten Ergebnisse des MDK hingewiesen.“ Er weist darauf hin, dass seiner Kenntnis nach der „Pflege-TÜV“ aufgrund der anhaltenden Kritik überarbeitet worden sei und die neuen Kriterien erstmals im Herbst dieses Jahres angewendet werden sollen.

Ob die neuen Regeln ein realistischeres Bild von der Qualität der Einrichtungen bieten werden, könne er noch nicht sagen, so der Mitarbeiter des Landkreises. „Zum einen kenne ich die neuen Regeln noch nicht im Detail, sodass sich eine vorschnelle Beurteilung verbietet. Zum anderen kommt es vor allem auf die Anwendung der Regeln an; das heißt ob festgestellte Mängel auch als solche konkret benannt werden und nicht in einer Durchschnittsbewertung ,untergehen‘.“