Brücke erst frühestens Ende Mai fertig

Bad Pyrmont. So langsam sind auch die Geduldigen unter Bad Pyrmonts staugeplagten Autofahrern genervt. Nicht nur, dass an der Heemsteder Brücke noch immer gebaut wird, während stellenweise die halbe Schillerstraße zwecks Kanalsanierung aufgerissen ist. Zu allem Überfluss versagt seit zwei Wochen auch noch regelmäßig die Ampel im vielbefahrenen Kreuzungsbereich an der Saline. Ortsunkundige „Landpartie“-Besucher werden derweil mit weiträumig abseitigen Richtungsempfehlungen zu wahren Odysseen verleitet. Und das, obwohl noch im März die Hoffnung berechtigt schien, die Emmerbrücke im Zuge der Pyrmonter Bahnhofstraße werde vor dem Garten-Festival im Kurpark fertig.

Auf der Baustelle geht es zwar voran. Die Geländer-Montage ist jüngst fertiggeworden, die Kräne sind abgerüstet in dieser Woche rücken die Straßenbauer zum Aufbringen der ersten Asphaltschicht an. Es folgen der Einbau der Bordsteine und die Pflasterung der Diensttreppen sowie der Böschung.

Dass der aktuelle Bauzeitplan nun Ende Mai als Fertigstellungstermin nennt, überrascht Hans-Joachim Böhnke im Bauamt des Pyrmonter Rathauses. „Wir hatten auf spätestens Ende April gehofft“, sagt er. Vergangene Woche teilte ihm dann die Bauherrin, die Hamelner Niederlassung der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (früher Straßenbauamt), die zu erwartende Verzögerung auf Anfrage per E-Mail mit. Eine Begründung können er und die anderen Mitarbeiter der Pyrmonter Stadtverwaltung den Anrufern nicht liefern, die inzwischen fast täglich im Rathaus nachfragen. Böhnke – und wohl die meisten Pyrmonter – kann jetzt nur der Blick in die hoffentlich nicht ferne Zukunft trösten: „Ich freue mich, wenn die Baustelle Geschichte ist“, sagt er.

Claudia Fricke vom „Bahnhofs-Stübchen“ zählt zu denen, die durch die Baustopp bedingte Verzögerung von derzeit fünf Monaten ihre Existenz bedroht sehen. „Vor Ostern hieß es, die Brücke würde zwischen 13. und 15. Mai fertig. Aber wenn sich das weiter so hinzieht, wird es immer schlimmer“, schildert sie ihre Lage. Beim Gedanken an die Ablehnung ihres Entschädigungsantrags durch die Juristen der Straßenbaubehörden-Zentrale in Hannover ringt die Gastronomin um Fassung. „Die behaupten, ich sei nicht Anliegerin, weil mein Bahnhofs-Stübchen nicht an der Bahnhofstraße steht, sondern an der Lügder Straße“, sagt sie – und bemüht ihren Galgenhumor: „Die haben wahrscheinlich kein Google Earth.“

Markus Brockmann, Leiter des Straßenbauamts, übt sich derweil weiter in Zuversicht. „Auf der Baustelle hatten sie mit dem Wetter keine Probleme“, sagt er. „Sie haben nicht getrödelt und konnten schön flottweg arbeiten“, beschreibt er den Eindruck seines letzten Baustellenbesuchs Mitte April. „Mit Beginn der Straßenbauarbeiten geht es in den Endspurt.“ Und er versichert: „Wir bleiben am Ball, wollen das nicht weiter verzögern. Mitte, Ende Mai sollten wir fertig sein.“ Ein Mann, der auf der Baustelle arbeitet, nennt das „ein straffes Programm“.

Und was ist mit den diversen Schildern, die auswärtige Pyrmont-Besucher noch immer über Bodenwerder, Holzminden, Schieder oder den Grießemer Berg (und die halb dichte Schillerstraße) in die Kurstadt schicken? Mancher Einheimische glaubt gar schon, dahinter steckten Orte, die Touristen lieber bei sich sehen als in Bad Pyrmont.

„Natürlich wollen wir weder die Pyrmonter quälen noch jemanden von hier fernhalten“, beteuert Markus Brockmann. „Welches Interesse sollten wir denn daran haben, Leute nicht zu ihrem Ziel zu lotsen?!“ Es sei immer nur der Wunsch aller an der Verkehrsplanung beteiligten Behörden gewesen, den Durchgangsverkehr weiträumig um Bad Pyrmont zu führen. Aber, so verspricht er mit Blick auf die am 1. Mai beginnende Landpartie: „Wir können gern klären, ob wir da was abbauen können.“