Gefahr im Wasser: Nitrat & Antibiotika

Hameln-Pyrmont (mes). Hameln-Pyrmonts Bürger sind verunsichert: Bei Gewässeruntersuchungen in Niedersachsen sind jüngst in zwei Dritteln der Proben Antibiotikarückstände entdeckt worden. Zwar gebe es keine Hinweise auf eine akute Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung. Die mittel- bis langfristigen Risiken für Umwelt und Gesundheit müssten aber weiter untersucht werden, heißt es in der Studie des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz und des Uniklinikums Bonn. Das Umweltministerium veröffentlichte die Untersuchung vergangenen Donnerstag. Antibiotikaresistente Bakterien wurden in 50 von 112 Proben entdeckt. Untersucht wurden Oberflächengewässer, Kläranlagen und deren Abflüsse. Proben wurden auch in Hessisch Oldendorf, Coppenbrügge und Bad Münder entnommen.

Antibiotikarückstände gelangen hauptsächlich über Ausscheidungen, als Ausgangssubstanz oder deren Metabolite von Mensch und Tier in die Umwelt. Bakterien, bei denen die Standard-Medikamente nicht mehr wirken, wurden im Rahmen der Untersuchungen anscheinend fast überall entdeckt. An den Kläranlagen in Coppenbrügge und Bad Münder wurden sowohl resistente Bakterien als auch Antibiotikarückstände gefunden. Allerdings seien generelle Aussagen beziehungsweise Ableitungen schwierig, da es sich um einmalige Stichproben handelt und zu anderen Zeitpunkten eventuell deutlich abweichende Messergebnisse wahrscheinlich seien, heißt es vonseiten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. An der Messstelle in Bad Münder wurden sogar Colistin-resistente Bakterienstämme ermittelt. Dieses Notfallmedikament wird bei Menschen nur in lebensbedrohlichen Situationen eingesetzt, wenn alle anderen Antibiotika versagen. In der Geflügelmast wird es allerdings sehr häufig eingesetzt.

Große Sorgen müssen sich die Bürger aber nicht machen. Nach Einschätzung des niedersächsischen Umweltministeriums zeigen die Ergebnisse der Untersuchung, dass es keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefahr für die Allgemeinbevölkerung gebe, wenn die üblichen Hygieneregeln zum Schutz vor Krankheiten eingehalten würden. Generell sind solche Bakterien, wie sie in den Gewässern gefunden wurden, für gesunde Menschen mit einem guten Immunsystem in der Regel unproblematisch. Jedoch: Für vorerkrankte oder geschwächte Menschen – auch Ältere und Neugeborene – können sie gefährlich sein. Deshalb fürchten Ärzte, dass sich die Keime weiter ausbreiten und über verschiedene Wege etwa in Kliniken oder Pflegeheime gelangen können.

Weitere Klärung

ist notwendig

Auch das Ministerium will sich weiter mit dem Thema befassen. Insbesondere sei zu klären, inwieweit durch das Vorkommen und die weitere Ausbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien und Antibiotikarückständen in Gewässern mittel- bis langfristig Risiken für die Umwelt und Gesundheit bestehen, heißt es in dem Bericht.

Auch andere Faktoren belasten unser Grundwasser – Nitrate zum Beispiel. Eine Ursache ist die stickstoffhaltige Düngung in der Landwirtschaft. 18 Prozent des Grundwassers in Deutschland hält den geltenden Schwellenwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter nicht ein. Nicht so in Hameln: Hier wird der Grenzwert deutlich unterschritten. „Seit mehr als 120 Jahren stehen die Stadtwerke Hameln für eine sehr hohe Trinkwasserqualität und betreiben dafür seit über 25 Jahren vorbeugenden Trinkwasserschutz in enger Kooperation mit den Landwirten der Region – daher liegt der Nitratwert des Hamelner Trinkwassers beispielsweise mit 29 Milligramm deutlich unter dem Grenzwert von 50“, teilt Ilka Albrecht, zuständig für Marketing, Kommunikation und Kundenservice bei den Stadtwerken Hameln, auf Anfrage von HALLO Mittwoch mit. Bereits Ende der 80er-Jahre haben die Stadtwerke Hameln als einer der ersten Wasserversorger in Niedersachsen auf einen steigenden Nitratgehalt im Trinkwasser reagiert und Gegenmaßnahmen ergriffen, fügt sie hinzu. Bedingt durch die Grundwasserbildung in landwirtschaftlich genutzten Böden, stellte die Universität Göttingen die These auf, dass eine nachhaltige Qualität des Trinkwassers durch die Identifizierung nitrataustragsgefährdeter Böden und einer darauf abgestimmten landwirtschaftlichen Bewirtschaftung gewährleistet werden kann. „Dieses Konzept wird nun seit mehr als 25 Jahren erfolgreich in Hameln umgesetzt und diente als Vorbild für das Niedersächsische Kooperationsmodell Trinkwasserschutz“, so Schäfer.

Mit Unterstützung des niedersächsischen Umweltministeriums seien in den 90er-Jahren Mittel zum Ankauf von besonders schutzbedürftigen Flächen in den Wasserschutzgebieten Hameln-Süd und Haarbach mit der Zielsetzung der Extensivierung der Nutzung bereitgestellt worden. Anstatt aufwendige Trinkwasseraufbereitungsanlagen zu bauen, wollen die Stadtwerke auch in Zukunft vorbeugenden Trinkwasserschutz betreiben – „denn nur durch Nachhaltigkeit bei Gewinnung, Förderung und Verteilung kann hervorragende Trinkwasserqualität auch für die nachkommenden Generationen gesichert werden.“