Kinder, macht die Sprache beweglich!

Hameln (mes). Sprache und Bewegung sind zwei wesentliche Dimensionen der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung, die zwar in ihrer Entwicklung getrennt voneinander betrachtet werden können, sich gleichzeitig aber in Abhängigkeit voneinander entfalten und sich gegenseitig beeinflussen. Umso besser, wenn Pädagogen, Institutionen, städtische Einrichtungen und Vereine die Gelegenheit beim Schopf packen und sich gemeinsam genau dafür einsetzen. In Hameln wurde und wird das derzeit getan: Das Projekt „BuS“(„Bewegung und Sprache“), von dem seit Jahren Kita-Kinder profitieren, wird weitergeführt – als „BuS plus“ in abgewandelter Form.

Zwischen Bewegung und Sprache bestehen viele enge Verknüpfungen. So ist die Sprachentwicklung entscheidend vom Fortschritt der Motorik abhängig. Im Rahmen des Projekts „Ohne Bewegung keine Sprache“ konnten bereits positive Erfahrungen in den Hamelner Kitas gesammelt werden, erzählt Lieselotte Sievert vom Pädagogischen Forum. Doch nun waren die Fördergelder ausgelaufen und es wurde nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten gesucht. Gestoßen sei man schlussendlich auf die Förderrichtlinie „Brücke“ des Landes Niedersachsen, die es seit November 2018 gibt. Sie beschreibt die Zusammenarbeit zwischen dem jeweils letzten Kita-Jahrgang und Grundschulen.

Da es insgesamt 16 verschiedene Kita-Träger in Hameln gibt, habe sich die Stadt bereit erklärt, für alle Einrichtungen gemeinsam den erforderlichen Antrag auf Fördergelder (52000 Euro) zu stellen. Auch der TC Hameln wurde mit ins Boot geholt. Sie alle wollen die Zusammenarbeit zwischen den Kitas und den Grundschulen stärken, um den Kindern im letzten Kita-Jahr auch den Übergang in die Schulzeit zu erleichtern.

Die Grundschulen Wangelist und Klein Berkel haben mit dem TC Hameln bereits gute Erfahrungen gemacht. „Hier wurden schon in der Vergangenheit zusätzliche Bewegungsstunden angeboten“, sagt Dr. Wolfgang Kurbjuhn, Vorsitzender des TC Hameln. Das Angebot sprach sich herum und ermöglichte Kontakte zu den sich in der Nähe befindenden Kitas Barchusen und Schwarzer Weg, später auch Leuthenstraße. Daraus entwickelte sich das Projekt „TOR“ (Toleranz, Offenheit, Respekt), das zunächst aber auf die ABC-Jahrgänge begrenzt war.

Regelmäßige Bewegungsangebote gebe es bereits in 17 Hamelner Kitas, ergänzt Katharina Magritz (sowohl beim TC Hameln als auch bei der Stadt tätig). Der TC Hameln habe eine Kooperation mit dem „Fuchsbau“ geschlossen, dessen Bewegungsgarten die Mädchen und Jungen immer freitags nutzen dürfen. Dafür kommen auch Trainer des TC unterstützend zum Einsatz. Doch die größte Aktion fand erst jüngst statt: ein groß angelegter Wandertag Ende April. Kinder der Grundschulen Wangelist und Klein Berkel sowie aus vier Kitas waren bei dieser Sternwanderung zum Finkenborn mitgelaufen. „Die Begeisterung war riesig“, freut sich Katharina Magritz. So konnten die Kindergartenkinder auch erste Kontakte zu Lehrkräften knüpfen, was wiederum Vergaberichtlinie sei.

Langfristiges Ziel ist es, alle Grundschulen der Stadt ins Boot zu holen. Eine erste Ausweitung ist nach Magritz für die Grundschule Hohes Feld und die AWO-Kitas nebenan vorgesehen. Durch „BuS plus“ würden sich das Sozialverhalten, Sprachverständnis und -vermögen der Kinder verbessern, sie erlangten größere Selbstsicherheit und höhere motorische Kompetenz. „Bewegung kann nur von Vorteil für die Kinder sein – und Sprache ist eine Schlüsselkompetenz“, fügt Birgit Grychta von der Stadt Hameln hinzu.

„Es ist lobenswert, dass sich die Stadt verantwortlich fühlt; das ist nicht selbstverständlich“, lobt Doris Volkmer vom Pädagogischen Forum das städtische Engagement. Den Dank gibt Stadtsprecher Thomas Wahmes gerne zurück: „Ohne das Engagement der Initiativen und Vereine wäre das alles gar nicht möglich. Wir sind stolz; das Ergebnis kann sich sehen lassen!“ Bleibt zu hoffen, dass es so weitergeht – denn schon zum Sommer muss der nächste Antrag auf Förderung für das Schuljahr 2020/21 gestellt werden, damit „BuS plus“ auch in Zukunft angeboten werden kann.