Borkenkäfer killt heimische Nadelhölzer

Bad Pyrmont. Das Sturmtief Friederike bereitete am 18. Januar den Weg und der Dürresommer 2018 sorgte anschließend dafür, dass der Borkenkäfer beste Bedingungen fand, um sich über die kranken und schwachen Fichten herzumachen. Und zwar im Pyrmonter Stadtwald in so einem Ausmaß, wie es der Leiter der Stadtforst, Uwe Schenkemeyer, in seinen 35 Dienstjahren noch nie erlebt hat. „Von der Fichte werden wir uns verabschieden müssen“, prognostizierte er.

Forstausschuss Letztendlich seien es Folgen des Klimawandels, die auch in den Wäldern rings um Bad Pyrmont ihre Spuren hinterlassen, gab Schenkemeyer jetzt vor dem einen ersten Waldschadensbericht, der künftig zum festen Bestandteil der Sitzungen zählen wird. Zunächst waren es nur die Wälder im südlichen Bereich wie dem Mosterholz, die vom Borkenkäfer befallen wurden. Dort hatte Friederike besonders heftig gewütet. „Jetzt haben wir aber auch auf der Nordseite einen unheimlich hohen Käferbefall.“

Bei einer Rundfahrt durch den Wald vom Holzhäuser Schießstand hinüber zur Sennhütte wird deutlich, wie es um die Fichten bestellt ist. Die Borkenkäfer haben sich in die Stämme gebohrt und zwischen Rinde und Holz Fraßgänge angelegt. Durch den Fraß der Käferlarven werden Leitungsbahnen des Baums zerstört. Befallene Stämme, Äste oder Zweige verkümmern, werfen vorzeitig Nadeln ab und können komplett absterben. „Machen kann man dagegen eigentlich nichts“, resigniert Schenkemeyer. „Im Grund müssten wir alle befallen Bäume vor dem Schlupf der nächsten Käfergeneration komplett entfernen, aber dazu haben wir weder das Personal noch die finanziellen Mittel.“ Ohnehin sei die Aufarbeitung des Schadholzes eine schwere Arbeit. „Das geht auf die Knochen“, machte er deutlich. Dem Stadtforstbetrieb bleibt nur der Versuch, das Stammholz zu verkaufen. Das ist nicht nur angesichts des weiter voranschreitenden Preisverfalls ein Problem. „Es wird immer schwieriger, Fichten überhaupt noch loszuwerden“, so der Forstamtsleiter. Und wenn, dann höchstens noch als minderwertigeres Industrieholz zum halben Preis. Fest steht für ihn, dass die schwerwiegenden waldbaulichen Schäden durch die Witterungsextreme mit hohem finanziellem Aufwand verbunden sind und der Schwerpunkt für 2019 in der Aufarbeitung des durch Borkenkäfer geschädigten Holzes sein wird. So hatte es Schenkemeyer als Betriebsleiter bereits in den Lagebericht für das Geschäftsjahr 2018 geschrieben, das mit einem Defizit von rund 5500 Euro abschließt und damit deutlich besser als im Jahr zuvor, als der Fehlbetrag noch rund 70000 Euro ausmachte. Der Betrieb stehe solide da, bescheinigen die Wirtschaftsprüfer der Pyrmonter Forst, die von der Stadt und dem Land Niedersachsen gemeinsam geführt wird. Allerdings haben sich Sturm, Dürre und Käfer bereits wesentlich auf das Ergebnis ausgewirkt, auch wenn der Erlös aus den Holzverkäufen noch einmal um 120000 Euro gesteigert werden konnte. Doch weder Stadt noch Land bekommen eine Ausschüttung. Die hat 2017 immerhin jeweils 59000 Euro ausgemacht. Davor waren es 57000 beziehungsweise 86000 Euro. Dass die Waldschäden sich auf die künftigen Zahlen auswirken, liegt auf der Hand. „Da können wir noch so gut arbeiten“, betonte der Vorsitzendes des Forstausschusses, Dirk Wöltje (CDU).

Immerhin ist der Pyrmonter Wald mit einem Laubholzanteil von 80 Prozent – hauptsächlich Buchen – laut Schenkemeyer noch gut aufgestellt, denn der Borkenkäfer macht sich nur über Nadelhölzer her. Doch trockene Sommer werden eher die Regel als die Ausnahme werden und in der Folge könne der Bockkäfer als Schädling auch den Buchen gefährlich werden, wenn auch laut dem Förster nicht in einem so hohen Maß wie der Borkenkäfer den Fichten.