Südumgehung muss zur Fluthamel Abstand halten

Hameln. Glaubt in Hameln noch jemand an die Verwirklichung der Südumgehung? Nach all den Jahrzehnten der Planung, der Gerichtsverfahren, der Umplanung? Markus Brockmann von der Hamelner Außenstelle der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr bleibt zuversichtlich – obwohl er vor einer neuen großen Herausforderung steht.

Die Autofahrer sollen von der Kreuzung Fort Luise aus über die Weser hinweg auf schnellem Wege nach Afferde und Rohrsen gelangen – so der Auftrag für die Straßenplaner zur Verlegung der Bundesstraßen 1 und 217 in Hameln. Die Fachleute am Roseplatz sind seit dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2015 bemüht, alle angemahnten Naturschutzbelange so abzuarbeiten, dass sie am Ende juristisch möglichst wasserdicht sind. Und da, so räumt Behördenleiter Markus Brockmann ein, gilt es noch eine große Aufgabe zu lösen: Im Industriegebiet Süd sei der bislang projektierte Trassenverlauf direkt an der Fluthamel nicht zu halten. Die Fahrbahn müsse zum Schutz der Tierwelt von dem Gewässer „etwas abrücken“. Gesucht werde eine Lösung auf beiden Seiten des Flusses zwischen Tönebönplatz und Weser. Schon jetzt sei klar: „Manche der Varianten sind sehr abwegig oder sehr teuer.“ Noch liegen aber nicht alle Kostenberechnungen vor.

An dem Fluss liegen Gewerbebetriebe wie Körting, Kaminski, Volvo CE und Xox, außerdem Kleingärten. Brockmann spricht von „deutlich mehr als zehn Betroffenen“. Ohne die Hergabe privater Flächen wird es wohl nicht gehen. „In dem Gewerbegebiet sind noch Gespräche nötig“, sagt Brockmann, deshalb könne er öffentlich noch nicht ins Detail gehen. Eigentlich hatte er gehofft, schon weiter zu sein, doch „Steinmühle“, die Felssicherung an der vollgesperrten Bundesstraße 83 bei Holzminden, binde derzeit viel Arbeitskraft. Gleichwohl bleibe die Südumgehung wichtig. Der Vertreter der Landesbehörde, die hier im Auftrag des Bundes tätig ist, hofft, im Spätsommer Klarheit zu haben und dem Bundesverkehrsministerium im Herbst einen Bericht sowie die überarbeiteten Pläne vorlegen zu können.

Die Stadt Hameln erwähnt in ihrem kürzlich veröffentlichen „Rahmenplan Hafen“, dass sich durch die neue Trasse der Südumgehung „Verlagerungsbedarfe“ für angrenzende Industriebetriebe ergeben könnten. Hierfür enthalte der Rahmenplan Lösungsansätze, die aber mit den Betroffenen noch abzustimmen wären. Der Blick in das Kartenmaterial zeigt: Dem Baumaschinenhersteller Volvo CE, der seine verstreuten und bisher teils frei zugänglichen Fabrikteile zusammenfassen möchte, könnte der Senator-Meyer-Weg komplett überlassen werden – und/oder ein Teil des Hafenbeckens. Würde das abgelegene Verwaltungsgebäude an der Kuhbrückenstraße für Volvo überflüssig, könnte das der Südumgehung und dem Nachbarn Xox dienen. In der Straße Am Damm wäre eine Flächenübergabe von Volvo an den Waggonbauer Kaminski denkbar – ebenfalls unter Berücksichtigung des Flächenbedarfs der verlegten Bundesstraße 1. Brockmann betont: „Für das Gewerbegebiet sollte ein Plus herauskommen.“ Gegen eine teilweise Zuschüttung des Hafenbeckens protestieren die bisherigen Nutzer. Auch Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) hat sich gegen diese von seiner Verwaltung als Nebenvariante aufgeführte Möglichkeit positioniert.

Auf der Regionalkonferenz des Arbeitgeberverbandes AdU am kommenden Dienstag im Hamelner Mercure-Hotel wird – wie in jedem Jahr – die Südumgehung eine wichtige Rolle spielen. AdU-Geschäftsführer Dieter Mefus hat „keine Signale von potenziell Betroffenen, dass die Südumgehung an ihnen scheitern wird“. Fragen der Existenzsicherung und Entschädigung müssten aber geklärt werden – und das könne vielleicht Jahre dauern, befürchtet er.