So ein Müll!

Hameln-Pyrmont (mg/mes). Kaufen, öffnen, wegwerfen: Die Deutschen sind in Europa Spitzenreiter im Produzieren von Verpackungsmüll. Laut Bundesumweltamt landen jedes Jahr rund 220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf in der Tonne. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt liegt bei etwa 167 Kilogramm pro Kopf.

Das Obst in Plastik verhüllt, die Gurke in Folie eingeschweißt, der Keks zum Cappuccino verpackt – im Alltag ist es nicht immer leicht, Plastikmüll zu vermeiden. Wer aber bewusst darauf achtet, kann ihn wenigstens einschränken. An anderer Stelle darf die Frage erlaubt sein: Muss die Milch in kleinen Töpfchen portioniert sein, wenn ich in einem Café oder Restaurant meinen Kaffee trinke? Ist es notwendig, dass auf Frühstücksbuffets Schokocremes, Marmeladen und Co. abgepackt präsentiert werden? Die EU-Kommission hat im Dezember 2018 das Verbot von Einwegartikeln aus Kunststoff verabschiedet und will somit dem Plastikwahn den Kampf ansagen. Denn der Erlass soll unter anderem dazu dienen, die Ansammlungen von Plastikmüll in der Natur und in den Meeren zu verringern. Das Gesetz soll bereits ab 2021 in Kraft treten, jedoch führt es jetzt schon zu einem Umdenken bei den Gaststätten- und Gastronomiebetreibern.

Die Frage ist nämlich: Wie sehen die Alternativen aus und wie gehen die örtlichen Imbiss- und Lieferdienstbetreiber damit um? Diese verwenden nämlich sowohl bei ihren Getränken als auch bei ihren Gerichten immer noch Produkte, die aus vielerlei Gründen zum Großteil aus Plastik bestehen. Denn der Sachverhalt ist klar: Viele Kunden und Gäste bestehen auf in Plastik verpackte Milch sowie Gebäck, da diese weiterhin als hygienischer empfunden werden als unverpackte Produkte.

Dass es dennoch anders geht, beweist zum Beispiel Adel Chenoui. Der Besitzer des Cafés „Relax“ in Hameln ist schon seit Längerem bemüht, möglichst wenig Plastik in seinem Gastronomiebetrieb zu nutzen. Den Kunden werden zu ihrem Getränk daher ausschließlich Gebäckstückchen gegeben, die unverpackt sind und separat in einer Frischhaltebox gelagert wurden. In Zukunft sollen auch keine Plastikstrohhalme und To-Go-Becher mehr angeboten werden. Der Wille weniger Plastik zu nutzen sei da, nur scheitere die Umsetzung oftmals beim Einkauf der Produkte. Es mangele an Alternativen, kritisiert Chenoui, die kostengünstig sind und den Standards der Hygienevorschriften entsprechen.

Gabriele Güse, Kreis- und Bezirksverbandsvorsitzende der Deutschen Hotel- und Gaststättenverband e. V. („Dehoga“), ist in erster Linie positiv zu dem neuen Erlass der EU gestimmt: „Wir begrüßen die Pläne der EU zur Reduktion des Plastikmülls. Gerade Hotels und Restaurants und die Tourismusbranche insgesamt sind in besonderem Maße auf eine intakte Umwelt angewiesen. Der Zeitplan lässt hoffen, dass es angemessene Übergangsfristen gibt. Priorität muss jetzt die Entwicklung von preisgünstigen und hygienisch einwandfreien Alternativen haben.“ Ergänzend dazu betont sie: „Der Dehoga unterstützt nachhaltiges Wirtschaften in Hotellerie und Gastronomie auf vielfältigste Art und Weise und wird seine Betriebe auch auf dem Weg, Plastik zu reduzieren, konstruktiv begleiten.“ Auf die Frage, ob eventuell eine Gefahr bestehen würde, dass wir Kunden ablehnend auf die Alternativen reagieren könnten, meint sie: „Für echte und nachhaltige Alternativen, auch bei eventuellen höheren Kosten, setzen wir auf das Verständnis der Verbraucher beziehungsweise Gäste“.

Nicht nur Gaststätten- und Gastronomiebetreiber sollten in Sachen Plastik umdenken, sondern wir als Verbraucher selbst unsere eigene Plastiknutzung hinterfragen. Denn es schlägt zurück: Plastikmüll verschmutzt nicht nur Ozeane, Flüsse und Seen. Das sogenannte Mikroplastik, also kleinste Kunststoffteilchen, gelangt über die Kläranlagen und Plastikverpackungen im Biomüll auf die Felder – und somit auf direktem Wege wieder zurück auf unsere Teller. Mikroplastik wurde bereits in den Mägen verschiedener Meeresbewohner nachgewiesen, ist aber auch in Mineralwasser, Honig und Bier vorzufinden. Auch der Kot mancher Menschen weist Spuren von Mikroplastik auf. Somit ist davon auszugehen, dass viele von uns Plastik in sich tragen. Und das hat Folgen: In Gewässern und Lebewesen gibt das Mikroplastik seine chemischen Inhaltsstoffe wie beispielsweise Bispheol A und Weichmacher frei. Diese wiederum können Krankheiten von Krebs bis Adipositas auslösen.