Am 4. Juni ist Brückenschluss

Bad Pyrmont (ar). Das Aufatmen in Bad Pyrmont hört man wohl in weitem Umkreis, denn ein Martyrium der Pyrmonter Bürger, des Einzelhandels und der Verehrsteilnehmer neigt sich Dienstag, 4. Juni, endlich seinem Ende zu. Die Heemsteder Brücke am Ende der Bahnhofstraße soll dann offiziell von Bürgermeister Klaus Blome für den Verkehr freigegeben werden. Damit endet eine Zeit des Zähneknirschens, das im Jahre 2016 begann, gerade nachdem erst die zweite große Brücke, die alte Bad Freienwalder Brücke an der Saline, mit ihrer umfangreichen Sanierung und langer Sperrung der Solbadstraße vollendet worden war.

Auch die Heemsteder Brücke ist ein recht altes Bauwerk, das aus dem Jahre 1896 stammt und das mehrfach den jeweiligen Verkehrsanforderungen angepasst wurde. Die Frage, ob sanieren oder abreißen und neu bauen wurde aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen zugunsten eines Neubaus entschieden. Projektiert wurde eine Bauzeit von zehn Monaten, und man wollte nach dem Baubeginn im Februar 2018 das Werk im November fertig gestellt haben. Der Verschluss dieser Hauptverkehrsader aus Pyrmont hinaus und nach Pyrmont hinein sorgte für große Aufregung. Der Einzelhandel sah sich von Käuferströmen abgeschnitten, ganz Pyrmont fragte sich, wie denn der Zulieferverkehr in die Stadt hineinkommen sollte, und die Pendler fragten sich, wie sie die drohenden Unbequemlichkeiten meistern sollten. Am 11. Mai 2016 fand eine öffentliche Informationsveranstaltung im Ratssaal des Rathauses statt, in der die Stadt Bad Pyrmont das Entwurfskonzept vorstellte, in dem es hieß, dass „das Land Niedersachsen, vertreten durch die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr – Geschäftsbereich Hameln plane, zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit“ die Maßnahme Ersatzneubau Heemsteder Brücke durchzuführen. Dadurch legte sich die Aufregung nicht, denn neben der zehnmonatigen Blockade befürchtete man endlos lange Autoschlangen auf allen Seiten der Bahnhofskreuzung und damit ein andauerndes Verkehrschaos. Die gute Idee von Ursula Körtner sorgte schließlich für Entspannung, konnte doch mit der Einrichtung einer Rechtsabbiegespur in Richtung Lügde und einer Linksabbiegespur aus Richtung Hameln zum Bahnhof doch Entlastung verschafft werden. Der stadtauswärts fließende Verkehr über Solbadstraße, Bad Freienwalder Brücke und dann in Richtung Lügde konnte mit einer intelligenten Ampelregelung flüssig ablaufen, und diese Regelung hat sich während der gesamten Bauzeit tatsächlich bewährt.

Die vom Land finanzierte 1,6 Millionen-Gesamtmaßnahme entwickelte sich also stetig vor sich hin. Doch plötzlich trat ein Baustopp ein, da die 51 Meter lange und aus zwei Brückenbögen bestehende Brücke per Gutachten zusätzliche Erkundungsarbeiten benötigte. Die unterschiedliche Bausubstanz an den Fundamenten der Brückenpfeiler sollte mit Aufschlussbohrungen weiter erkundet werden. Damit musste ein Konzept für die weiteren Arbeiten entwickelt werden, was zunächst einen Rückschritt von zwei Wochen hinter den Zeitplan bedeutete. Markus Brockmann von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Hameln kommentierte das damals lapidar: „Wir werden eine Lösung finden. Aber das braucht Zeit.“ In der Tat. Damit verschob sich die Wiedereröffnung der Heemsteder Brücke wieder ins Unermessliche, und die Pyrmonter Geschäftswelt sowie Bürger schäumten. Zumal nun weiterhin Tagesgäste, Lieferanten, Touristen und Besucher durch unsinnig beschriftete Umleitungsschilder mit unverständlichen Richtungsangaben eher von Pyrmont weg als dahin dirigiert wurden. Dabei hieß es zuvor noch vollmundig, dass bei der Herstellung der Brücke rund 500 Kubikmeter Beton verbaut werden und für die Herstellung des Überbaus neun Spannbetonfertigteile verlegt werden sollten, da es durch diese Bauweise möglich sei, die Bauzeit zu minimieren und den Ersatzneubau noch 2018 abzuschließen.

Man schrieb schon das Jahr 2019, als die Arbeiten an den Fundamenten und dem Mittelpfeiler schließlich ab dem 7. Januar so weit fortgeschritten waren, dass die Fertigteilträger aufgelegt werden konnten. Mit Spannung und Skepsis verfolgten die Pyrmonter die Bautätigkeiten, denn eins hatten sie gelernt: Glaube nie einer Terminangabe im Zusammenhang mit der Heemsteder Brücke. Aus dem ursprünglich geplanten Fertigstellungstermin November 2018 wurde April, dann Mai, und es kristallisierte sich der 29. Mai heraus. Aus dem wurde nunmehr der 4. Juni.

Nun sollen am 3. Juni abschließend Wasserbausteine eingebracht und am 4. Juni die Signalanlagen an der Saline umprogrammiert und mit der am Bahnhof koordiniert werden. Und dann geht’s los mit der freien Fahrt. Alles in allem ein Hype um die Heemsteder Brücke, der gerechtfertigt war und nach vier Wochen vergessen sein wird…