Der neue ist der alte Bürgermeister

Aerzen/Coppenbrügge. Kurz nach 19.30 Uhr vergangenen Sonntag fehlten noch einige Ergebnisse zur Aerzener Bürgermeisterwahl, doch im Rathaus nahm SPD-Kandidat Andreas Wittrock schon Glückwünsche entgegen. Kurze Zeit später war es offiziell: Mit 54,66 Prozent der Stimmen gewinnt Wittrock die Wahl und wird damit im November Nachfolger von Amtsinhaber Bernhard Wagner. Zu den ersten Gratulanten gehörte Andreas Breitkopf, der als Parteiloser für die CDU angetreten und unterlegen war. Die Gemeinde bleibt sozialdemokratische Hochburg, obwohl die Partei zeitgleich bei der Europa-Wahl einen Denkzettel bekam. Mehr als erleichtert zeigte sich Wittrock. „Ich sehe das auch als Anerkennung für meine Arbeit als Erster Gemeinderat in den vergangenen zwölf Jahren“, sagte der Wahlsieger, der stellvertretender Verwaltungschef im Rathaus ist.

„Das ist für mich eine gute Grundlage, mein Amt als Bürgermeister ab dem 1. November auszuüben.“ Der Sozialdemokrat, der den Wahlsonntag nach einem Waldlauf später mit der Familie verbrachte, sprach mit Blick auf seinen CDU-Kandidaten von einer fairen Auseinandersetzung. „Es war anstrengend, hat mir aber auch Spaß gemacht“, blickte er auf seine Wahlkampfauftritte in allen Ortsteilen zurück, bei denen er viele Anregungen mitgenommen habe, sagte Wittrock.

Breitkopf sprach von einem „deutlichen Ergebnis – da gibt es nichts schönzureden“. Zwar sei klar gewesen, dass es schwierig sei, gegen „den zweiten Mann im Rathaus“ anzutreten, doch trete man an, um die Wahl zu gewinnen. „Ich hätte mehr Stimmen erwartet“, bewertete der CDU-Kandidat das Ergebnis von 45,34 Prozent. Breitkopf: „Man muss es sportlich nehmen – und das mache ich auch.“

Erleichtert zeigte sich SPD-Bürgermeister Bernhard Wagner. „Ein schönes Ergebnis“, sagte er. Mit Wittrock arbeite er seit Jahren „gut und eng zusammen“, erklärte er. Mit dem neuen Bürgermeister „bleibt die Kontinuität gewahrt“. Ob er mit diesem klaren Wahlausgang gerechnet hat? Er habe seine Partei zur Vorsicht gemahnt, um das Votum der Wähler „in Demut“ abzuwarten. Wagner: „Aber überraschend war es für mich nicht – ich mache seit 25 Jahren Wahlkampf.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Friedel-Curt Redeker bescheinigte Breitkopf einen engagierten Wahlkampf. Zwar habe es die Hoffnung auf einen Sieg gegeben, doch angesichts der Umstände wäre „das sehr euphorisch gewesen“. SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Schlie dankte dem CDU-Kandidaten, zur Wahl angetreten zu sein. Bei Bekanntgabe der ersten Ergebnisse sei er zwar „zwischendurch nervös geworden“, dann habe es sich „schnell gedreht“ und der Erfolg Wittrocks sich abgezeichnet. Für die politische Arbeit in Aerzen sagte Schlie, dass bis Oktober noch Wagner im Amt sei. Erst dann gehe es mit Wittrock weiter – „und die groben Themen sind mit ihm abgestimmt“.

Freude auch in Coppenbrügge: Hans-Ulrich Peschka ist der alte und neue Bürgermeister. 76,1 Prozent der Wähler haben sich für ihn entschieden. Damit erreichte er ein besseres Ergebnis als bei der vorherigen Bürgermeisterwahl 2011, als er 63,6 Prozent der Stimmen holen konnte und bei seinem Amtsantritt 2004 mit 53,1 Prozent. Allerdings hatte er bei beiden zurückliegenden Wahlen auch gleich zwei Gegenkandidaten. Bei der aktuellen Wahl war lediglich ein Herausforderer gegen ihn angetreten – der Kandidat der Grünen, Ekkehard Domning. Domning, der nicht in der Gemeinde wohnt, sondern in Hildesheim und damit im Wahlkampf die Außenseiterrolle einnahm, erreichte immerhin einen Achtungserfolg. 23,9 Prozent der Wähler gaben ihm seine Stimme.

„Wir haben unser Ziel erreicht“, sagte Peschka und erklärte gleich dazu: „Ich spreche immer von ‚wir’, weil man das nicht alleine machen kann. Wir schaffen im Team eine ganze Menge“. Und: „Wir werden weiter daran arbeiten, den Flecken Coppenbrügge nach vorne zu bringen.“ Der Wahlsieger feierte zusammen mit CDU-Parteikollegen im Vereinsheim des Campingclubs in Coppenbrügge. Die Stimmung hier war den ganzen Abend über gut, sahen doch schon die CDU-Wahlergebnisse bei der Europawahl in Coppenbrügge vielversprechend aus: Die Christdemokraten bekamen 33,16 Prozent der Wählerstimmen in der Gemeinde und vereinten damit mehr Stimmen auf sich als andere Parteien.

Gegen 20.30 Uhr löste der Chef des CDU- Gemeindeverbandes und Fraktionsvorsitzende, Thorsten Kellner, schließlich die Spannung auf und verkündete unter lautem Jubel den klaren Wahlsieg Peschkas. „Bei jeder Wahl hat er etwa zehn Prozent an Stimmen zugelegt, darin spiegelt sich auch seine gute Arbeit wider“, lobte Kellner.

Doch auch bei den Grünen war die Stimmung besonders gut. „Ich bin nicht unzufrieden“, sagte Ekkehard Domning und sprach zunächst Glückwünsche an Peschka aus, „der hier souverän gewonnen hat“. Für die Grünen gebe es an dem Ergebnis aber auch nichts zu meckern. „Es ist uns gelungen, bei der Bürgermeisterwahl mehr Stimmen zu ziehen als bei der parallel laufenden EU-Wahl“, meinte Domning, der mit den erreichten 23,9 Prozent bei der Bürgermeisterwahl mehr Stimmen holen konnte als die Grünen in Coppenbrügge bei der EU-Wahl mit 19,08 Prozent.